Der mysteriöse Tod des Hisbollah-Kommandeurs

DAMASKUS (inn) – Am Dienstag vergangene Woche hat eine große Explosion in Damaskus den legendären Hisbollah Kommandeur Mustafa Amine Badreddine getötet. Die Umstände sind mysteriös.
Bei Damaskus ist der Hisbollah-Kommandeur Badreddine unter ungeklärten Umständen umgekommen
Weder ist bekannt, wo genau er getroffen worden ist, in einem Stützpunkt oder auf dem Flughafen von Damaskus, noch ist einwandfrei bekannt, was ihn getötet hat. Aus den Medien und Angaben der Hisbollah kann es Artilleriefeuer der „Opposition“ in Syrien, eine „Rakete, wie sie nur fortschrittliche Länder besitzen“ oder einfach nur eine „Explosion“ gewesen sein. Offen bleibt zudem, ob mit Badreddine auch hochrangige iranische Offiziere und Kommandeure ums Leben gekommen sind. Angeblich haben die Attentäter gewartet, bis der Befehlshaber der Al-Quds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden, Kassem Sulaimani, das Gebäude am Flughafen verlassen hat. Normalerweise weiß die schiitische und dem Iran sowie dem syrischen Präsidenten Baschar Assad nahestehende Hisbollah sehr schnell und sehr genau, wenn Israel hinter einer Ermordung steht. Die Liste der angeblich von Israel „herausgenommenen“ Kommandeure und führenden Figuren, nicht nur der Hisbollah, ist lang. Sie reicht von Atomphysikern in Iran bis hin zu Imad Mughnijeh oder Samir Kuntar.Mughnijeh war weltweit der meistgesuchte Terrorist und mutmaßliche Kopf hinter Anschlägen mit Hunderten Toten in Beirut und Argentinien. Die Amerikaner, Saudis und viele andere hatten ein Interesse, ihn auszuschalten. Aber die Bombe, die 2008 in die Kopfstütze des Fahrersitzes seines Autos bei seinem Versteck in Damaskus montiert war, kann nur das Werk des Mossad oder des CIA gewesen sein. Kuntar hatte mit dem Gewehrkolben einem israelischen Kind bei einem Terroranschlag in Naharija den Schädel zertrümmert und für weitere Morde jahrelang im israelischen Gefängnis gesessen. Der Druse und „Held des Widerstandes“ wurde in Richtung Libanon freigelassen, im Tausch für die Leichen von zwei in den Libanon entführten Soldaten, Regev und Goldwasser. Dass die tot waren, erfuhren die Israelis erst, als das Rote Kreuz zum Ort des Austausches am Grenzübergang Rosch HaNikra zwei Särge brachte.

Rätselraten um Badreddine

Badreddine war ein Schwager von Imad Mughnijeh. Er trug viele Namen: Elias Saab, Zulfiqar, Safi Badr, Sami Issa, der Juwelier. In Syrien hatte er das Bündnis der libanesischen Hisbollah mit dem syrischen Präsidenten Baschar Assad angeführt, was wegen 1.200 Gefallenen zu schwerer Kritik im Libanon an der Hisbollah geführt hat. Badreddine soll für die gewaltige Autobombe 2005 verantwortlich gewesen sein, mit der in Beirut der charismatische Ministerpräsident Rafik el-Hariri mit 22 weiteren Menschen ermordet worden ist. Jahrzehnte lang hatte er Bombenanschläge, darunter auf amerikanische und französische Botschaften, Flugzeugentführungen und die Tötung von Ausländern verantwortet. Er war 1983 in Kuwait zum Tode verurteilt worden. Dank der Hilfe des damaligen Präsidenten des Irak, Saddam Hussein, konnte er nach der Eroberung von Kuwait 1990 aus dem Gefängnis entkommen.Badreddine galt als Lebemann mit vielen gleichzeitigen Freundinnen. Angeblich besaß er eine Villa nahe Beirut, eine Jacht und einen „teuren Mercedes“. Ermittler der Vereinten Nationen entdeckten jedoch nach der Ermordung Hariris weder auf Führerschein, Fotos, Pass oder Bankkonto seinen Namen: Sie hielten ihn für einen „unerkennbaren und unauffindbaren Geist, der im ganzen Libanon keine Spuren hinterlassen hat“.

Israelis offenbar nicht verantwortlich

Genauso mysteriös ist sein Tod. Zunächst erklärte die Hisbollah, dass sie seine Ermordung „untersuchen“ müsse. Erst am Samstagmorgen veröffentlichte sie, dass der „Märtyrer“ durch Artilleriefeuer der radikal-sunnitischen Islamisten „Takfiris“ getötet worden sei. Die Takfiris betrachten Schiiten als Häretiker. Doch diese Gruppe dementierte, während sich andere potentielle Mörder Badreddines, darunter Israel, in Schweigen hüllten. Inzwischen kursieren Gerüchte, wonach Anhänger der Hisbollah ihn „ausgeschaltet“ hätten, wegen der Toten und Tausenden Verwundeten des blutigen Engagements der Libanesen für Assad in Syrien. Diese letzte Theorie könnte erklären, weshalb die Hisbollah so lange benötigte, bis sie vermeintliche Täter ausgemacht hat. Die Geschichte bleibt geheimnisvoll, weil nicht einmal bekannt ist, wo genau Badreddine ermordet worden ist und weil es keinerlei Fotos vom Tatort gibt. Das ist sogar in Syrien, zumal im Zeitalter der Smartphones, fast undenkbar. In Beirut wurde Badreddine am Freitag bei einem „Staatsbegräbnis“ unter Teilnahme von Tausenden Kämpfern der Hisbollah im Schiitenviertel Dahija beerdigt. (us)

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