Computerspiel soll Frieden in Nahost fördern

TEL AVIV (inn) - Während sich ihre Anführer in den Vereinigten Staaten treffen, erhalten Tausende Palästinenser und Israelis die Chance, das Schicksal des Nahen Osten selbst in die Hand zu nehmen - und zwar virtuell.

Das „Peres Center for Peace“ gab am Sonntag bekannt, dass es 100.000 Kopien des Computerspiels „Friedensstifter“ kostenfrei an Palästinenser und Israelis verteilen werde. Die Organisation befasst sich mit Möglichkeiten für eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes.

Die CD-ROM ist ab dem heutigen Dienstag erhältlich. An diesem Tag treffen der israelische Premier Ehud Olmert und der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, auf der Nahostkonferenz in Annapolis aufeinander. Auf dem Gipfeltreffen sollen die festgefahrenen Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern wieder aufgenommen werden. Die Gespräche waren nach Ausbruch der so genannten „Al-Aksa-Intifada“ im Herbst 2000 zum Erliegen gekommen. Das Treffen wurde von US-Präsident George W. Bush initiiert.

Simulation des Nahostkonflikts

„Friedenstifter“-Spieler müssen sich entscheiden, ob sie ein palästinensischer oder ein israelischer Anführer sein möchten. Ziel des Spiels ist, mit palästinensischen Selbstmordattentätern oder israelischen Angriffen auf das Westjordanland und den Gazastreifen fertig zu werden. Daneben gilt es, kriegsbereite israelische Gruppierungen und palästinensische Milizen in Schach zu halten und die sich verschlechternde Situation in den palästinensischen Flüchtlingslagern zu kontrollieren.

Als israelischer Anführer ist es möglich, nach jedem Selbstmordanschlag palästinensische Ziele zu bombardieren. Im Gegenzug kann sich der Spieler, der die Rolle eines palästinensischen Führers angenommen hat, weigern, palästinensische Extremisten einzusperren, bevor diese israelische Siedlungen angreifen. Solche Führer können sich jedoch nicht lange an der Spitze halten – zumindest nicht in der virtuellen Welt des Computerspiels.

„Sich in die Rolle des anderen versetzen“

„Der Weg ist Pragmatismus, sich in die Rolle des anderen hineinversetzen. Man muss die andere Seite berücksichtigen“, erläuterte Ron Pundak, der Direktor des „Peres Center for Peace“. Die Organisation will das Computerspiel sowohl in israelischen als auch in palästinensischen Gebieten verteilen.

Olmert und Abbas werden ebenfalls eine Kopie des Spiels erhalten, sagte Pundak. Er hofft, dass Palästinenser und Israelis und ihre Anführer versuchen werden, in die Rolle des anderen zu schlüpfen, zumindest solange sie sich mit dem Computerspiel beschäftigen. „Es wird helfen, die Einschränkungen des jeweils anderen Präsidenten und Führers sowie die Begrenzungen der anderen Seite zu verstehen“, so Pundak.

Das „Friedens-Zentrum“ wurde 1996 von Schimon Peres gegründet. Es unterstützt Projekte, die eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts befördern. Peres erhielt 1994 den Friedensnobelpreis, zusammen mit Jitzhak Rabin und Jasser Arafat. Heute ist er Staatspräsident von Israel.

Amerikanische Firma entwickelte Computerspiel

Das Spiel wurde von der amerikanischen Firma „ImpactGames“ mit Sitz in Pittsburgh entwickelt. Die Firma wurde von zwei Absolventen der amerikanischen Carnegie-Mellon-Universität gegründet: dem ehemaligen Nachrichtenoffizier Asi Burak und dem amerikanischen Softwareentwickler Eric Brown. Das Computerspiel soll mit Hilfe der großen arabischen und israelischen Tageszeitungen verteilt werden.

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