NEW YORK (inn) – Der Vater einer ehemaligen israelischen Geisel erhält einen Lehrauftrag an der Columbia-Universität in New York. Dies gab die Fakultät für Internationale und öffentliche Angelegenheiten (SIPA) vergangene Woche bekannt. Ab Juli soll der Historiker Jonathan Dekel-Chen dort drei Kurse anbieten. Derzeit lehrt er an der Hebräischen Universität Jerusalem.
„Jonathans Hintergrund und Expertenwissen sind genau das, was wir brauchen, um aus den heutigen Konflikten schlau zu werden, von Gaza bis zur Ukraine“, erklärte die SIPA-Dekanin Keren Yarhi-Milo. „Wir sind unfassbar glücklich, ihn am SIPA begrüßen zu dürfen. Ich weiß, dass unsere Studenten enorm von seinen wissenschaftlichen Einblicken und seiner einzigartigen Perspektive profitieren werden, die durch seine eigene Geschichte geformt wurde.“
In einem Kurs soll es um Schnittmengen jüdischer Vermächtnisse in Osteuropa mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine gehen. Eine weitere Lehrveranstaltung befasst sich mit Russlands Engagement im Nahen Osten seit 1774. Zudem will Dekel-Chen die moderne israelische Geschichte aus vielerlei Perspektiven beleuchten. Hinzu kommt die Leitung von Seminaren und Gesprächsrunden am Institut für Globale Politik (IGP), das die Dekanin 2023 gründete.
Brennpunkt anti-israelischer Proteste
Die Personalie ist bemerkenswert. Denn nach dem Ausbruch das Gazakrieges infolge des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 war die Columbia-Universität ein Brennpunkt anti-israelischer Proteste in den USA. So stürmten etwa im Januar 2025 Maskierte eine Vorlesung über Israel.
Die im Februar vom US-Justizministerium gegründete Arbeitsgruppe zum Kampf gegen Antisemitismus an Schulen und Universitäten veröffentlichte im Dezember einen Bericht. Darin wird die Columbia-Universität in hohem Maße für weitverbreiteten Antisemitismus und anti-israelischen Aktivismus im akademischen Spektrum verantwortlich gemacht. In den vergangenen Monaten war es allerdings relativ ruhig, schreibt die Nachrichtenseite „Times of Israel“.
Professor sprach auf Kundgebungen für Geiseln
Der Sohn des Wissenschaftlers, Sagui Dekel-Chen, wurde am 7. Oktober 2023 von der Hamas aus dem Kibbuz Nir Os entführt. Sein Vater machte bei Kundgebungen in New York auf das Schicksal der Geiseln aufmerksam. Am 15. Februar 2025 wurde Sagui nach 498 Tagen freigelassen. Während der Gefangenschaft hatte seine Ehefrau Avital ihr drittes Kind zur Welt gebracht.
Jonathan Dekel-Chen war bereits früher Gastprofessor und Forschungsstipendiat an der Columbia-Universität. In den USA lehrte er zudem unter anderem an der Universität von Pennsylvania und der Rutgers-Universität in New Jersey. (eh)
2 Antworten
Es ist schön, dass der Vater einer ehemaligen Geisel, einen Lehrauftrag an der Columbia-Universität erhalten hat. Vielleicht hilft dies Vorurteile der Studenten und des dort tätigen Lehrpersonals gegenüber jüdischen Mitmenschen abzubauen.
Israelfeindliche Columbia-Universität ist nun israelfreundlich und bleibt israelfreundlich solange Trump US-Präsident ist.