BEIRUT (inn) – Ein libanesischer christlicher Führer hat die Behauptung der Hisbollah abgelehnt, wonach die Terrorgruppe einen „Sieg“ über Israel erlangt habe. Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah feierte am Freitag bei einer Großkundgebung in Beirut einen „Sieg“ über den jüdischen Staat.
Wie die Tageszeitung „Jerusalem Post“ berichtet, verspottete der frühere Leiter der christlichen Miliz „Lebanese Force“, Samir Geagea, bei einer Kundgebung am Sonntag die Aussage Nasrallahs: „Ich empfinde keinen Sieg, weil die Mehrheit der libanesischen Bevölkerung keinen Sieg empfindet. Vielmehr merken sie, dass eine große Katastrophe über sie hereinbrach und ihre Gegenwart und Zukunft unsicher machte.“
Gaegeas Anhänger wehten mit Fahnen der „Lebanese Force“-Partei und trugen Bilder ihres Führers. Die Kundgebung findet jährlich statt.
Nasrallah hatte am Freitag seinen Anhängern verkündet, dass er eine Entwaffnung seiner Organisation ablehne. Die militärische Infrastruktur der Hisbollah sei indes erneuert worden.
Geagea sagte, dass die Hisbollah die Errichtung eines „starken und fähigen libanesischen Staates“, zu der Nasrallah aufgerufen hatte, blockiere. „Wenn wir eine Lösung für das Problem der Waffen der Hisbollah finden, dann wird es möglich sein, den Staat zu errichten, wie er sein sollte“, sagte er. Er klagte die vom Iran und Syrien unterstützte Hisbollah an, „einen Staat innerhalb des Staates“ im Südlibanon zu betreiben.
Geagea lehnte zudem den Ruf Nasrallahs nach einer neuen Regierung ab und verteidigte die Regierung des libanesischen Premierministers Fuad Saniora.
Geagea befand sich elf Jahre in Gefangenschaft. Im April 1994 wurde er festgenommen und seine Gruppe verboten, nachdem durch einen Bombenanschlag in einer Kirche zehn Menschen getötet wurden. Später wurde er freigesprochen, aber zu einer Haftstrafe von „dreimal lebenslänglich“ verurteilt. Zudem wurde er angeklagt, den pro-syrischen Premierminister Raschid Karami getötet zu haben. Im Juli 2005 wurde Geagea aus der Gefangenschaft entlassen, nachdem ihn das libanesische Parlament begnadigte.