Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hatte bereits am Sonntag mitgeteilt, dass Israel im Gegensatz zur Hamas ein Angebot angenommen hatte. Die Hamas-Regierung hatte Netanjahu daraufhin Lügen vorgeworfen und dem Premier die volle Verantwortung für das Scheitern gegeben. Das berichtet die Tageszeitung "Jerusalem Post".
Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert bestätigte nun die Angaben Netanjahus. Bisher habe die Hamas bedauerlicherweise dem Vorschlag des deutschen Vermittlers nicht zugestimmt, so Seibert. Nähere Angaben zu dem vorgeschlagenen Austausch machte er nicht.
Musa Abu Marsuk, der stellvertretende Leiter des Hamas-Politbüros, sagte nun der arabischen Zeitung "Al-Hajat", das Angebot sei "ungerecht" gewesen. Der deutsche Vermittler habe die "unfaire und ungerechte Position der zionistischen Regierung unterstützt". Die Hamas habe von dem Vermittler erwartet, dass er eine moderate Haltung vertrete und keine harte, so Marsuk. Er kündigte an, die Hamas werde nicht weiter mit dem deutschen Vermittler sprechen, da dieser in seiner Mission gescheitert sei.
Hamas kritisiert palästinensische Menschenrechtsgruppe
Unterdessen gerät das "Palästinensische Zentrum für Menschenrechte" zunehmend unter Druck von Seiten der Hamas. Die Organisation hatte zusammen mit internationalen Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen einen Aufruf unterzeichnet, in dem die Hamas dazu aufgefordert wird, die "grausame und unmenschliche Behandlung von Gilad Schalit zu beenden und ihm die Kommunikation mit seiner Familie zu erlauben".
Die Hamas-Regierung und mehrere Gruppierungen im Gazastreifen hatten die palästinensische Menschenrechtsorganisation heftig dafür kritisiert, dass sie den Aufruf unterstützt. Abu Obaida, ein Sprecher des bewaffneten Flügels der Hamas, nannte die Gruppe "verdächtig und zionistisch". Er warf ihr vor, das Leid der Palästinenser in israelischen Gefängnissen zu ignorieren. Die Beteiligung einer palästinensischen Gruppe an einem solchen Aufruf sei ein "unmoralischer und unpatriotischer Akt".
Palästinenser verlangt Rücktritt von IKRK-Leiter
Sowohl die Hamas als auch andere Palästinensergruppen haben den Direktor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz im Gazastreifen dazu aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, da er voreingenommen zugunsten Israels sei. Das IKRK hatte vor Kurzem die Hamas dazu aufgefordert, zu beweisen, dass Schalit noch am Leben sei, da es seit zwei Jahren kein Lebenszeichen von dem Israeli gegeben hat. Es verlangte zudem Zutritt zu dem Gefangenen. Daraufhin hatten am Donnerstag zahlreiche Palästinenser vor dem Gebäude des IKRK in Gaza gegen die Hilfsorganisation demonstriert.
Schalit wurde am 25. Juni 2006 bei einem Überfall auf einen Armeestützpunkt in den Gazastreifen verschleppt. Das bislang letzte Lebenszeichen ist ein Video vom September 2009.