Bürgermeister von Bethlehem kritisiert Israel

JERUSALEM / BETHLEHEM (inn) - Etwa 2.000 pro-palästinensische Aktivisten aus verschiedenen Ländern wollen am Sonntag nach Israel einreisen. Wie bereits im vergangenen Juli steht die Aktion unter dem Motto: "Willkommen in Palästina". Die israelische Regierung will die Einreise derjenigen "Friedensaktivisten" verhindern, von denen möglicherweise eine Gefahr ausgeht.

Am Dienstag kritisierte der Bürgermeister von Bethlehem, Victor Batarseh, die geplanten Einreisebeschränkungen. "Diese Leute kommen, um über Frieden zu sprechen. Sie kommen nicht, um Krieg gegen Israel zu führen", sagte er vor Journalisten in der Autonomiestadt. "Sie kommen, um die Palästinenser zu besuchen, die sich unter Besatzung befinden. Sie wollen mit ihnen reden und ihnen helfen, weil diese Menschen isoliert sind."

Einem Bericht der "Jerusalem Post" zufolge appellierte Batarseh an Israel: "Wir bitten unsere Nachbarn, die israelische Regierung, es diesen Leuten leicht zu machen, die Palästinensische Autonomie zu betreten, damit wir diese Botschaft des Friedens haben können, wenn wir in dieser heiligen Stadt Bethlehem starten." Von Frieden in diesem Teil der Welt würden Israelis und Palästinenser profitieren.

Das palästinensische Stadtoberhaupt rief Europa und die USA dazu auf, die internationale Protestaktion zu unterstützen. Wer sich gegen Israels Politik ausspreche, werde als "antisemitisch" bezeichnet. Doch Europäer und Amerikaner sollten diese Kennzeichnung nicht fürchten.

Einer der Organisatoren sagte laut der Zeitung "Yediot Aharonot": "Wenn Israel die Aktivisten an der Einreise hindert, wird die ganze Welt sehen, dass es uns nicht erlaubt, Gäste aus aller Welt zu beherbergen. Israel kann nicht Aktivisten vorschreiben, wohin sie gehen sollen und wohin sie nicht gehen dürfen, ebenso wie europäische Länder Israelis nicht vorschreiben, welche Orte sie aufsuchen können und welche nicht."

Palmor widerspricht Vorwürfen

Vor der geplanten Masseneinreise im Juli 2011 hatte Israel eine Liste von 342 Aktivisten an die Fluggesellschaften geschickt, die sich möglicherweise an dem Protest beteiligen wollten. Die Fluglinien wurden gebeten, diese Passagiere nicht an Bord zu lassen. Die meisten kamen der Bitte nach. Außerdem wurden 124 Aktivisten direkt nach ihrer Ankunft am Ben-Gurion-Flughafen zurückgeschickt (Israelnetz berichtete). Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor, teilte nun mit, auch diesmal seien die Fluggesellschaften alarmiert worden. Auf der Liste befänden sich sowohl Teilnehmer aus dem vorigen Jahr als auch Personen, die ihre Beteiligung angekündigt hätten.

Dem Vorwurf, Israel lasse grundsätzlich keine pro-palästinensischen Aktivisten einreisen, widersprach Palmor. Ständig gelangten sie über den Ben-Gurion-Flughafen ins Land. Reisende würden nur ausgewiesen, wenn die Gefahr bestehe, dass sie die öffentliche Ordnung störten. "Wenn sie nach Bethlehem wollten, wären sie gegangen und niemand hätte sie aufgehalten", so der Sprecher. "Aber diese Leute wollen am Flughafen eine Provokation schaffen; sie wollen Ben-Gurion besetzen."

Gemäß ihrem aktuellen Zeitplan sollen die Aktivisten am Sonntag in Bethlehem empfangen werden. An den folgenden Tagen sind Ausflüge ins Jordantal, nach Hebron und nach Ramallah geplant. Am Donnerstag wollen die Teilnehmer Jerusalem besichtigen. Ein Seminar zu der Frage "Wie können wir die Besatzung beenden?" soll am Freitag wiederum in Bethlehem stattfinden.

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