LONDON (inn) – Das Britische Museum hat wegen historischer Ungenauigkeiten auf einigen Schautafeln zur Antike im Nahen Osten den Begriff „Palästina“ entfernt. Anlass ist eine Besucherbefragung.
Auch schrieb die pro-israelische Juristengruppe „UK Lawyers for Israel“ (UKLFI) an Museumsdirektor Nicolas Cullinan schrieb UKLFI: „Einen einzigen Namen – Palästina – im Rückblick für die gesamte Region zu verwenden, über Tausende von Jahren hinweg, löscht historische Veränderungen aus und schafft einen falschen Eindruck von Kontinuität.“ Zudem würden die Königreiche Israel und Judäa ausgelöscht. Dadurch entstehe der Eindruck, „dass die Ursprünge von Israeliten und Juden aus Palästina stammten“.
Das Gebiet östlich des Mittelmeers hat verschiedene Namen. Texte aus der Zeit um 1500 sprechen von Kanaan. Der griechische Historiker Herodot verwendete im 5. Jahrhundert die Bezeichnung „Palästina“. Nach der Niederschlagung des letzten jüdischen Aufstandes übernahm Kaiser Hadrian 135 nach Christus offiziell diesen Namen. Dadurch wollten die Römer jede Erinnerung an das jüdische Leben in der Region auslöschen.
Museum: Begriff nicht immer passend
Aus dem Museum hieß es laut der britischen Zeitung „Standard“ vom Sonntag, es verwende von den Vereinten Nationen anerkannte Begrifflichkeiten, wenn es um moderne Grenzen gehe. Das gelte auch für Gaza, das Westjordanland, Israel und Jordanien. Der Ausdruck „palästinensisch“ diene als kulturelle oder ethnographische Kennzeichnung. Er passe nicht immer, wenn es um kulturelle Regionen gehe. Deshalb habe das Britische Museum auf Rückmeldungen und die Befragung von Besuchern reagiert.
Geändert habe es etwa Bezeichnungen bei der Levante, die die Jahre 2000 bis 300 vor Christus beträfen. So könne detailliert die Geschichte Kanaans und der Kanaaniter sowie der Aufstieg der Königreiche Juda und Israel beschrieben werden.
Bereits Anfang 2025 wurde eine Tafel aufgestellt, die von Phöniziern spricht. Laut „Telegraph“ hat das Museum im Zusammenhang mit den Hyksos aus einer „palästinensischen Abstammung“ eine „kanaanitische Abstammung“ gemacht. Die Hyksos siedelten etwa 1648 bis 1550 in Ägypten und stellten die Herrscher der 15. Dynastie.
Nach eigenen Angaben will das Britische Museum aufwändigere Änderungen in mehreren Phasen in den kommenden Jahren angehen. Dazu gehöre die Umgestaltung größerer graphischer Tafeln und Landkarten. Die Aktualisierung werde Teil des Masterplanes zur Neugestaltung der Ausstellung.
Lob und Kritik
Die Organisation UKLFI begrüßte am Samstag die Bereitschaft, „ungenaue oder tendenziöse Bezeichnungen zu ändern“. Ein weiterer notwendiger Schritt wäre allerdings, Figuren nicht mehr „traditionelle palästinensische Kleidung“ tragen zu lassen. Das Museum will nach eigener Aussage eher die kulturelle Identität zeigen, als den Eindruck erwecken, es gebe eine direkte historische Kontinuität. Es kündigte aber an, nochmals über die Begrifflichkeit im Zusammenhang mit dem „ländlichen Palästina“ nachzudenken.
Kritik kam von der Gruppe „Energy Embargo for Palestine“. Sie warf dem Museum Heuchelei vor. „Nachdem es palästinensische Artefakte überall im Nahen Osten geplündert hat, bereitet es sich ohne Widerstreben darauf vor, die Geschichte umzuschreiben, Palästina und seine Millionen Menschen aus den Geschichtsbüchern zu entfernen“, sagte sie der britischen Website „Middle East Eye“. (eh)