Britischer Abgeordneter Kaufman gestorben

Einer der lautstärksten Israelkritiker des Britischen Parlaments ist tot. Sir Gerald Kaufman behauptete unter anderem, Israel inszeniere palästinensische Messerangriffe, um töten zu können.
Setzte sich für Palästinenser ein: Gerald Kaufman

Foto: Rathfelder, Wikipedia

Setzte sich für Palästinenser ein: Gerald Kaufman

LONDON (inn) – Großbritanniens dienstältester Abgeordneter Sir Gerald Kaufman ist am Sonntag im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Labour-Politiker mit jüdischen Wurzeln erlag einer nicht näher bekannten Krankheit. Er war seit 1970 Mitglied des Britischen Unterhauses und tat sich in seiner Laufbahn als Kritiker Israels hervor.

Zuletzt hatte er im Oktober 2015 behauptet, die palästinensischen Messerangriffe seien von Israel „inszeniert“; sie dienten Israel als Entschuldigung für die Tötung von Palästinensern. Zugleich behauptete er, große Teile der konservativen Partei seien beeinflusst von jüdischen Spenden und jüdischem Geld. Der Vorsitzende der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, wies diese Äußerungen als „völlig inakzeptabel“ zurück; sie brächten die palästinensische Sache nicht voran.

Sanktionen gegen Israel gefordert

Schon in den Jahren zuvor hatte Kaufman mehrmals wirtschaftliche Sanktionen gegen Israel gefordert, insbesondere als Israel zum Schutz seiner Bürger während der sogenannten Zweiten Intifada eine Sperranlage errichtete. In einem Beitrag für die britische Zeitung „The Guardian“ im Jahr 2004 schrieb er, Sanktionen hätten das Apartheid-Regime in Südafrika zum Fall gebracht. Er behauptete zudem, Israel missbrauche den Holocaust als Entschuldigung für den „Mord“ an Palästinensern.

Der Regierung von Ariel Scharon, die damals an der Macht war, warf er vor, den Davidstern als Symbol des Judentums mit Blut zu besudeln. In einer BBC-Dokumentation aus dem Jahr 2002 warf er orthodoxen Juden vor, Jerusalem zu „befallen“. Im selben Jahr bezeichnete er Israel als „Pariastaat“ – als eine ausgestoßene Nation, die sich nicht an internationale Gepflogenheiten hält.

Ritterschlag der Queen

Kaufman kam 1930 in Leeds zur Welt. Seine Eltern stammten aus Polen und wanderten vor dem Ersten Weltkrieg nach England ein. Nach seinem Studium in Oxford war er unter anderem als Journalist tätig. Vor seiner Wahl zum Abgeordneten war er fünf Jahre Pressebeauftragter für Labour im Britischen Parlament. Für seine Verdienste um das Parlament schlug ihn Queen Elizabeth II. im Jahr 2004 zum Ritter.

Kaufman war Mitglied der sozialistischen „Jüdischen Arbeitsbewegung“, der 2004 gegründeten Nachfolgeorganisation von „Poale Zion“ (Arbeiter Zions). Die Organisation betrachtet Zionismus als nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes. Sie setzt sich für eine Zwei-Staaten-Lösung ein.

Britische Politiker würdigten Kaufman als bemerkenswerten Politiker. Oppositionsführer Corbyn nannte ihn einen „ikonischen und reizbaren“ Abgeordneten. Er werde ihn als Politiker und Freund vermissen. Die britische Regierungschefin Theresa May von den Konservativen würdigte Kaufmans „bemerkenswerten Einsatz“ für seinen Wahlkreis. „Seine Weisheit und seine Erfahrung werden Abgeordnete aller Lager sehr vermissen.“

Von: df

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