Brandanschlag auf das Baptist House in Jerusalem

Auf das Gemeindezentrum Baptist House in Jerusalem wurde wieder ein Brandanschlag verübt. Nach einer ersten Schätzung der Versicherung entstand ein Sachschaden von 20.000 US-Dollar. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Der Verwalter des Gebäudes, Joseph A. Broom, das der Konvention der südlichen Baptisten in den USA gehört, wurde am späten Abend des 23. Oktober von Nachbarn telefonisch informiert: „Joe, bei euch brennt es.“ Innerhalb von 10 Minuten war der Amerikaner vor Ort in der Narkisstraße, wo bereits zwei oder drei Feuerwehrwagen und acht bis zwölf Feuerwehrleute den Brand bekämpften. Um an den Brandherd heranzukommen, hatten sie einige Fenster eingeschlagen.

Im Baptist House halten zwei englischsprachige, eine russische und eine hebräische Gemeinde aus Jerusalem mit insgesamt etwa 500 Personen ihre Gottesdienste über das Wochenende verteilt ab. Am 9. Oktober 1982 war das alte Baptist House nach einem Brandanschlag bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die ultra-orthodoxen Brandstifter von damals wurden gefasst und rechtskräftig verurteilt.

Joe Broom berichtet, dass Polizei und Feuerwehr, denen er eine gewissenhafte und effektive Arbeit bescheinigt, keinerlei Indizien für einen gewaltsamen Einbruch gefunden hätten. Allerdings hätten die nicht sehr gut gesicherten Hintertüren des Gebäudes bei ihrer Ankunft offen gestanden.

Die Brandstifter hatten an drei Stellen Feuer gelegt, wodurch 30 bis 40 Stühle in dem Versammlungsraum verbrannten. „Als ich ankam“, berichtet Broom, „war der Rauch im Gebäude so dick, dass man keine fünf Meter weit sehen konnte.“ Der Rauch verursachte den Hauptschaden. „Wir müssen nicht nur alles neu streichen, sondern die Verstärkeranlage muss im Laboratorium gereinigt werden und die Buntglasfenster an der Decke des Raumes müssen wohl alle einzeln herausgenommen und gesäubert werden.“

Es gibt ein Gerücht, dass heilige Bücher verbrannt wurden. Aber Gerüchte entstehen im Heiligen Land sehr schnell und „Tatsache ist“, so betont Joe Broom „dass das nicht wahr ist.“

Broom betont, dass seines Wissens keinerlei Drohungen dem Anschlag vorangegangen sind und sie keine Verdächtigen benennen können. „Mit unseren israelischen Nachbarn und den jüdischen Gemeinden im Umkreis haben wir seit Jahren eine sehr gute Beziehung.“ Der Versicherungsermittler geht nach einer ersten Bestandsaufnahme der Indizien davon aus, dass es sich um reinen Vandalismus handelt. Missionsgegner hätten, so seine Meinung, ganz bestimmt irgendeine Nachricht hinterlassen.

Viktor Blum, Pastor der russischsprachigen Gemeinde im Baptist House, sieht den Sachverhalt etwas anders als der amerikanische Manager. „Wir sind überhaupt nicht erstaunt über diesen Anschlag. Das war nicht das erste Mal. Wir erhalten seit Jahren Drohungen.“

Blum, dessen Gemeinde etwa 100 Mitglieder hat, berichtet, dass Ende der 90er Jahre ein Molotowcocktail auf den Buchladen des Anwesens geworfen wurde. „Und vor ein paar Jahren wurde ein damals 14-jähriger Junge aus unserer Gemeinde im Jerusalemer Stadtteil Kirijat Menachem niedergestochen, als er Traktate verteilte.“ Die Täter konnten damals unerkannt entkommen.

Viktor Blum verdächtigt die Antimissionsliga „Jad LeAchim“ hinter den anonymen Flugblättern in hebräischer und russischer Sprache, die im Umfeld seiner Wohnung im Jerusalemer Stadtteil Beit HaKerem oder auch auf der Zentralbusstation verteilt wurden. Darin wird vor seiner Gemeinde als „gefährlicher Sekte“ gewarnt, „die Juden zum Christentum bekehren“. Auf den Flugblättern waren auch Bilder von ihm und seiner Frau. Blum ist überzeugt: „Jad LeAchim weiß alles über uns und hat es auf ihrer Webseite auch veröffentlicht.“

Die Arbeit der russischen Gemeinde ist vor allem auf russische Neueinwanderer ausgerichtet. „Unser Ziel ist es, sie zu ihren jüdischen Wurzeln zurückzuführen“, versichert der Pastor. „Das Sowjetregime hat sich alle Mühe gegeben, alle Spuren unserer geistlichen und kulturellen Wurzeln auszulöschen. Keinesfalls ist es unser Ziel, die Leute zu Christen zu machen. Durch unsere evangelistischen Bemühungen wollen wir sie in den Kontext ihrer Geschichte einzufügen.“

Wie sein amerikanischer Kollege Joe Broom beteuert Viktor Blum die gutnachbarschaftlichen Beziehungen: „Sobald der Anschlag bekannt wurde, haben mich meine Nachbarn angerufen und mir gesagt: ‚Wir leben hier in einem freien Land, in dem jeder glauben kann, was er glauben will.’“

Gideon Mamrot steht der orthodox-jüdischen Gemeinde „Emet VeEmunah“ („Wahrheit und Glaube“) vor, die sich in der Synagoge gegenüber dem Baptist House auf der anderen Seite der Narkisstraße versammelt. In diese – leider aussterbende – Gemeinde von deutschen Juden sind früher der Staatsgründer David Ben Gurion, der Religionsphilosoph Martin Buber, der Nobelpreisträger Schmuel Josef „Schai“ Agnon und auch der Rektor der Hebräischen Universität Ernst Simon gegangen.

„Dieser Anschlag tut mir sehr, sehr weh“, versichert Mamrot spontan. „Ich sehe die Gottesdienstbesucher seit Jahren am Schabbat. Immer wieder kommen sie auch zu uns in die Synagoge. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie so etwas im Jahre 2007 passieren kann.“ Nach dem Brandanschlag auf das Baptist House 1982 wurden umgerechnet fast 5.000 Euro für dessen Wiederaufbau in der israelischen Öffentlichkeit gesammelt.

„Mein Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker“ steht über dem Toraschrein der „Emet VeEmunah“-Synagoge. „Denselben Bibelvers enthüllten sie bei der Einweihung des neuen Baptist House“, erinnert sich Gideon Mamrot. „Da wusste ich, wir sind Brüder!“

Pastor Blum will sich durch den Brandanschlag nicht einschüchtern lassen: „Das Ganze ist eine Ermutigung für uns weiterzumachen. Gleich am nächsten Wochenende werden wir uns hier wieder zum Gottesdienst versammeln.“ Sein Kollege von der hebräischen Gemeinde, Ofer Amitai, stimmt ihm zu: „Kein geistlicher und kein physischer Terror können es verhindern, dass das Volk Israel wieder aufgebaut wird.“

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