Botschaft kritisiert britische Serie als israelfeindlich

LONDON (inn) - Die israelische Botschaft in London hat eine Serie kritisiert, die im britischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der vierteilige Film "The Promise" habe "eine neue Kategorie der Feindseligkeit gegenüber Israel" geschaffen, sagte Presseattaché Amir Ofek.

In "The Promise" (Das Versprechen) begibt sich die junge Britin Erin angesichts der bevorstehenden Rekrutierung ihrer israelischen Freundin nach Israel. Vor der Abreise stößt sie auf ein Tagebuch, das ihr Großvater verfasst hat, der nun im Sterben liegt. Er hatte in den 1940er Jahren geholfen, Juden aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen zu retten. Nach dem Weltkrieg war er im Auftrag der Regierung im britischen Mandatsgebiet Palästina tätig.

Nach ihrer Ankunft in Israel macht sich Erin auf die Suche nach Mohammed, einem arabischen Freund ihres Großvaters. Er hatte den britischen Soldaten in ihrer Basis warme Getränke serviert. Die Britin wird vom Bruder ihrer Freundin und dessen Freund aus Ostjerusalem begleitet. Dieser gehört den Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden an. Die Londonerin hilft den Palästinensern, Waffen durch einen Tunnel in den Gazastreifen zu schmuggeln – in ähnlicher Weise hatte ihr Großvater in der Mandatszeit die Araber unterstützt.

In Großbritannien stieß "The Promise" auf ein großes Interesse: 1,8 Millionen Zuschauer sahen den ersten Teil. Die letzte Folge wurde vor anderthalb Wochen auf "Channel 4" gesendet. Der größte Teil der Szenen wurde in Israel gedreht. Einem Bericht der Tageszeitung "Jediot Aharonot" zufolge zieht sich durch die gesamte Serie ein Vergleich zwischen den heutigen Aktivitäten der israelischen Armee in Judäa und Samaria, der Untergrundtätigkeit gegen die Briten sowie dem Kampf gegen die Araber vor der Staatsgründung und den Erinnerungen des Großvaters aus Bergen-Belsen.

"Einseitige Darstellung"

Der israelische Presseattaché Ofek hat alle vier Folgen gesehen. Er kritisierte, die Soldaten würden als blutrünstig dargestellt. Sie zögerten nicht, Gegenstände aus dem Haus eines Terroristen zu stehlen, bevor sie es in die Luft sprengen. Palästinenser seien hingegen meist wehrlose Opfer. Es handele sich um ein besonders schlimmes Beispiel für anti-israelische Propaganda. "In meiner 15-jährigen Karriere habe ich noch nie so etwas in den westlichen Medien gesehen", sagte der Diplomat gegenüber der jüdischen Zeitung "Jewish Chronicle". Dabei sei er sich der künstlerischen Freiheit bewusst.

Die jüdischen Hauptfiguren seien fast ausschließlich Leute, die einander anlügen und denen man nicht trauen kann, fügte Ofek hinzu. "Man kann beweisen, dass einige der Szenen historisch exakt sind, aber wenn man ein Profil schafft und dies den Zuschauern zeigt, ist es offensichtlich, dass es einen besonderen Versuch gab, Israelis zu dämonisieren." Die Bilder von wohlhabenden israelischen Familien mit Swimmingpools seien nicht repräsentativ für die israelische Gesellschaft.

"In meiner Zeit hier haben wir noch nie so viele Beschwerden von Leuten gehabt wie zu diesem Programm", teilte der Diplomat mit. "Wenn ich die Leute fragte, ob sie alle Folgen gesehen hätten, sagten sie, sie hätten aufgegeben, weil es so erschütternd sei. Die Produzenten haben jedes mögliche Mittel benutzt – vor allem bildliche Darstellungen – um die israelische Perspektive zu unterminieren."

Der Historiker David Cesarani kritisierte, die Serie habe nicht die "egoistischen geo-politischen Motive" hinter der britischen Politik betont. Regisseur Peter Kosminsky habe "die Briten, die die Hauptarchitekten der palästinensischen Tragödie waren, zu deren Hauptopfern gemacht. In der Tat hat er einen Konflikt, an dem drei Seiten beteiligt sind, zu einer einseitigen Kritik gemacht".

Regisseur: "In erster Linie geht es um Briten"

Kosminskys Großvater war ein Jude polnischer Abstammung, seine österreichische Großmutter floh vor den Nazis. Der Regisseur hat das Drama nach eigenen Angaben "in erster Linie für und über Briten" produziert.

Der Sender wies die Kritik an "The Promise" zurück. Die Serie sei ein "willkommener Beitrag zur Berichterstattung des britischen Fernsehens über diesen tragischen Konflikt". Eine "Channel 4"-Sprecherin teilte mit, die Hauptfiguren "präsentieren durchweg und sympathisch eine zeitgenössische israelische Perspektive". Der Holocaust werde deutlich thematisiert, um die Sehnsucht nach einer jüdischen Heimstatt zu erklären. "Um einem so komplexen und empfindlichen Thema gerecht zu werden, haben Herr Kosminsky und sein Team mit Hunderten Menschen von allen Seiten des Konfliktes gesprochen. Niemand entgeht in diesem Film einer genauen Überprüfung; verschiedene Teile der Geschichte spiegeln Palästinenser, Israelis und Briten gut und schlecht wider."

Bei Filmkritikern stieß die umstrittene Serie auf große Begeisterung. Ein Mitarbeiter der "Times" bezeichnete sie als "das beste Drama des Jahres".

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