SUSSITA (inn) – Archäologen der Universität Haifa haben im Sussita-Nationalpark am Ostufer des Sees Genezareth zwischen 2000 und 2025 Ausgrabungen durchgeführt. Dabei fanden sie unter anderem 69 Bleischleudergeschosse. Eine 2.100 Jahre alte Schleuderkugel sticht hervor. Sie war mit dem griechischen Wort „Lernen“ beschriftet, etwa im Sinne von „Lerne deine Lektion!“.
Der Ort hieß früher auch Hippos. Das war eine griechisch-römische Stadt in der Dekapolis, erbaut auf einem Hügelplateau am Fuß der Golanhöhen, etwa 2 Kilometer östlich des Sees Genezareth. Der Name Hippos rührt angeblich von der Form des Hügels her, auf dem sie gelegen ist – von oben gesehen erinnert sie vage an Kopf und Hals eines Pferdes. Der aramäische Name Sussita bedeutet ebenfalls „Pferd“.
Die besagte Bleischleuderkugel wurde 2025 bei Ausgrabungen im Bereich des römischen Friedhofs der Stadt mittels eines Metalldetektors gefunden, teilten die Forscher der Universität Haifa mit. Der Gegenstand ist ellipsoid und an den Enden spitz zulaufend. Er misst 3,2 mal 1,95 Zentimeter und wiegt 38 Gramm.
Das Artefakt wurde möglicherweise von den griechischen Verteidigern der Stadt Hippos gegen das hasmonäische Heer von König Alexander Jannäus im Jahr 101 vor Christus eingesetzt. Einen Bericht über ihren Fund veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Palestine Exploration Quarterly“.
Bleikugel mit der Inschrift „Fang!“
Michael Eisenberg von der Universität Haifa, Co-Leiter der Ausgrabungen und einer der Autoren der Studie, teilte mit, es sei weltweit das erste Mal, dass diese spezielle Inschrift auf einem Schleudergeschoss gefunden wurde. Gegenüber der Onlinezeitung „Times of Israel“ sagte er: „Schleudergeschosse bestanden aus Blei und waren die gebräuchlichste Munition in der hellenistischen Welt. Sie waren billig, sehr simpel, aber sehr effektiv.“
Die meisten Kugeln hätten keine Verzierungen gehabt, doch habe es durchaus Kugeln mit einem Machtsymbol oder einer Inschrift gegeben. „Im Großraum von Israel und Syrien sieht man häufig ein Zeichen mit mehreren Blitzen, die als Waffe des Zeus, des Oberhaupts des griechischen Pantheons, gelten, manchmal auch einen Dreizack, die Waffe des Meeresgottes Poseidon.“ Sehr selten komme zusätzlich zu den Blitzen auch eine Inschrift hinzu. Diese stehe dann für Städte oder Militärbefehlshaber. Gelegentlich entdeckten Archäologen jedoch auch Artefakte mit sarkastischen Botschaften, wie zum Beispiel „Fang!“.
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Eisenberg und seine Mitautoren sind der Ansicht, dass auch das Wort „lernen“ so interpretiert werden sollte. „Es wird eine sehr seltsame Struktur verwendet, die nur im Griechischen existiert“, sagt Eisenberg. „Es ist, als ob die Schleuder sich selbst sagt: ‚Ich lerne meinen Job, indem ich den Feind treffe.‘ Vielleicht war die Idee, dem Feind zu sagen: ‚Lernt eure Lektion‘ oder ‚Nächstes Mal solltet ihr lernen, nicht hierher zu kommen!‘.“
Hippos sei im 2. Jahrhundert vor Christus als griechische Stadt gegründet worden, erklärte Eisenberg. „Sie wurde von einem von zwei Königen gegründet, entweder von Antiochos dem Großen oder von Antiochos IV. Epiphanes, dem Bösewicht aus der Chanukka-Geschichte.“ Anhand seiner Typologie datierten die Archäologen das Artefakt auf die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts oder den Beginn des 1. Jahrhunderts vor Christus.
Vielleicht aus Schlag mit Hasmonäern
„Möglicherweise wurde die Kugel während der Schlacht zwischen dem jüdischen Hasmonäerreich, das sich in Richtung Galiläa und die Golanhöhen ausdehnte, verwendet“, sagte Eisenberg. „Im Jahr 101 vor Christus versuchte Alexander Jannäus, Hippos und diese Region zu erobern. Er war bei der Eroberung sehr erfolgreich, konnte sie aber nicht dauerhaft halten.“
Das Schleudergeschoss könnte auch in früheren Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen griechischen Königreichen eingesetzt worden sein, oder es wurde zu Übungszwecken verwendet.
Die Archäologen glauben, dass das Gebiet, in dem das Artefakt und viele andere Kugeln gefunden wurden, der antiken hellenistischen und später römischen Straße entspricht, die vom See Genezareth in die Stadt führte. Dies markiert einen Ort, an dem es für die Belagerungsarmee Sinn gehabt hätte, hinaufzusteigen, um Hippos zu erreichen, und an dem ihre Verteidiger auf sie schießen konnten.
Das Geschoss zeige Spuren, dass es etwas getroffen hat. „Wir wissen nicht, ob es ein Stein oder ein Mensch war, aber es gab definitiv einen Einschlag“, erläuterte Eisenberg.
Ein Kommentar
Es ist wunderbar, dass eine Bleikugel mit sarkastischer Inschrift, die über 2000 Jahre alt ist, gefunden worden ist. Manche Regeln sind zeitlos, andere nicht.