Biblische Botschaft aus Jerusalem

Bei einem Besuch in Nürnberg zieht ein israelischer Bibellehrer Parallelen zwischen dem Buch der Offenbarung und der aktuellen Kriegslage. Der messianische Jude weist auf die Verknüpfung geistlicher und irdischer Realitäten hin.
Von Nicolas Dreyer

NÜRNBERG (inn) – Der messianische Jude Ascher Intrater hat bei einer Bibelarbeit  Nürnberg die prophetische Bedeutung der Offenbarung für die christliche Kirche hervorgehoben. Konkret behandelte er die Kapitel 10 bis 12.

Gottes Pläne zur Errichtung seines Königreiches seien unabänderlich, sagte der Bibellehrer in seinem Vortrag in der Immanuel-Gemeinde am 15. April. Israel sei Gegenstand eines Krieges auf verschiedenen Ebenen. Christen seien aufgerufen, sich an die Seite des jüdischen Volkes und Israels zu stellen.

Das Königreich Gottes

Intrater beschrieb Gottes Pläne für die Menschheit: Menschen hätten anfangs in einem herrlichen Garten Seite an Seite mit Gott gelebt. Gott arbeite weiterhin auf die Errichtung seines Königreichs zu. Eines Tages werde Jeschua (Jesus) als gütiger Monarch die Welt aus Jerusalem in Frieden und Wohlstand regieren.

[…] in den Tagen, wenn der siebente Engel seine Stimme erheben und seine Posaune blasen wird, dann ist vollendet das Geheimnis Gottes, wie er es verkündigt hat seinen Knechten, den Propheten. […] Und mir wurde gesagt: Du musst abermals weissagen von Völkern und Nationen und Sprachen und vielen Königen. (Offenbarung 10, 7+11, Luther 2017)

Diese Verse aus Offenbarung 10 richteten sich weniger an die Gemeinschaft der Gläubigen als an die Staaten und Regierenden der Welt. Gott offenbare am Ende der Zeit dieses Rätsel der Weltgeschichte: die Berufung der Nationen, nicht nur der christlichen Gemeinde, in eine Beziehung zu seinem Volk Israel.

Göttliche Herrschaft löst menschliche ab

In der Offenbarung sieht der Prediger einen Übergang von menschlicher Regierung zum göttlichen Königreich angedeutet.

Und der siebente Engel blies seine Posaune; und es erhoben sich große Stimmen im Himmel, die sprachen: Nun gehört die Herrschaft über die Welt unserm Herrn und seinem Christus, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offenbarung 11,15)

Die Regierungen der Welt seien von menschlicher Unzulänglichkeit, Korruption und Sünde geprägt. Jeschuas Herrschaft werde dies jedoch wegnehmen. Rabbinische Theologie sehe die Ankunft des Reiches Gottes ähnlich. Mit dem Kommen des Messias würden menschliche Regierungen geheilt und vervollkommnet. Die Regierung Jeschuas werde von Gerechtigkeit geprägt sein.

Offenbarung 11 deute an, dass Jeschua die existierenden staatlichen Autoritätsstrukturen übernähme. Wie andere Nationen würde auch Israel als Staat bestehen bleiben und in Jeschuas Herrschaft integriert werden. Ohne einen Staat Israel könne es kein messianisches Königreich geben, sagte der Redner.

Die Berufung der Gemeinde Jeschuas werde mit den Aufgaben einer Staatsführung verbunden. Gegenwärtig habe die Gemeinde den Auftrag, durch Gebet das Evangelium und biblische Werte die Regierung zu beeinflussen, als geistliches und moralisches Vorbild.

Bei seiner Rückkehr werde Jeschuas das bestehende Regierungssystem ablösen und Gläubige in Regierungspositionen einsetzen (vergleiche Lukas 19,17–19). Die beste Vorbereitung dazu sei nicht das Erlernen von Regierungsgeschäften, sondern ein Leben in Gerechtigkeit, Selbstlosigkeit, Treue und Würdigkeit. Unsere Gesellschaft sei nicht von einem Mangel an Macht und Autoritätsstrukturen geprägt, sondern von einem Mangel an Gerechtigkeit und Würde.

Geistliche und irdische Realitäten

Der Prediger stellte dar, wie sehr geistliche und irdische Realitäten miteinander verknüpft seien. Der hebräische Name „Jeruschalajim“ deute mit seiner Kollektiv-Endung auf ein zweifaches Jerusalem hin, eine doppelte „Stadt des Friedens“: eine himmlische und eine irdische. Letztere werde Jeschuas irdischer Regierungssitz sein.

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Vielen Christen seien die biblischen Verheißungen zur Errichtung des Dritten Tempels und die jüdische Sehnsucht danach fremd. Doch sei dies eine feste Zusage Gottes: „Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten.“ (Offenbarung 11,1) So wie der Autor der Offenbarung den Tempel im Himmel sah, werde der Tempel auch im irdischen Jerusalem existieren (Offenbarung 11,19).

Intrater hob die geistliche Ebene als Kampf des Satans gegen die Pläne Gottes hervor. Die Gläubigen würden jedoch durch das Blut Jeschuas überwinden. (Offenbarung 12,7+11) Dieser Krieg im Himmel spiegele sich auf Erden wider. Vor dem Anbruch von Jeschuas Friedensreich gebe es gerechte Kriege, die geführt und im Gebet begleitet werden müssten (vergleiche Matthäus 10,34). Ein solcher bestehe für Israel aktuell im Kampf gegen Feinde, die es vernichten wollten.

Abrahams Wunsch nach arabisch-jüdischer Versöhnung

Abraham bete seit 4.000 Jahren im Himmel für seine arabischen und jüdischen Kindeskinder und deren Versöhnung, bildlich betrachtet. Die gegenwärtige Dynamik haben diesen Moment so nahegebracht wie nie zuvor. Arabische Staaten würden vom Iran mit Raketen angegriffen und näherten sich Israel an. Das iranische Regime sei geschwächt und die Menschen des Iran hätten die Chance, von der islamistischen Schreckensherrschaft befreit zu werden.

Indes könnten sich auch die Palästinenser vom Terror der Hamas lossagen und ein wahrhaftes „Free Palestine“ schaffen. Der Libanon sei sich mit Israel einig, dass einzig die Hisbollah einem Frieden der Nachbarstaaten im Weg stehe. Wir erleben nach Ansicht des Redners eine Zeit, die Wunder biblischen Maßstabes ermögliche. Auch würden Gottes Segenszusagen (1. Mose 12,1–3 und 5. Mose 7,9) für die Nachkommen Abrahams und der Israeliten auch in der aktuellen Lage gelten und mächtig wirken.

Israel könne den Krieg gegen seine Feinde gewinnen. Größer noch als dieser militärische Kampf sei allerdings der in den Köpfen der Menschen. Die Welt lehne Gottes Ordnungen ab und habe deshalb die moralische Klarheit verloren. Christen müssten ihr Denken in Einklang mit den biblischen Werten bringen und jungen Menschen lehren, die Wahrheit zu lieben. Dazu gehöre die Ablehnung jeglichen Hasses auf Israel und die Juden.

Aufruf an die Christen in Deutschland

Der Gast ging zudem auf die vielschichtige deutsch-jüdische Geschichte ein. Mit Blick auf sein Nürnberger Publikum erinnerte er an die sogenannten Reichsparteitage der Nationalsozialisten, die in Nürnberg zwischen 1933 und 1938 stattfanden, sowie an die „Nürnberger Gesetze“ von 1935. Diese entrechteten die Juden aus rassistischen und antisemitischen Gründen.

In den Nürnberger Prozessen zwischen 1945 und 1949 sei aber Gerechtigkeit wiederhergestellt und auf gewisse Weise der Antisemitismus zu einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ erklärt worden. Der Redner ergänzte, dass die Nationalsozialisten den Charakter des jüdischen Volkes missverstanden hätten. Die Juden seien tatsächlich keine Rasse, sondern das Bundesvolk Gottes. 

Christen gerade in Deutschland seien dazu berufen, die Gefahren des Antisemitismus und des Islamismus für Israel und das jüdische Volk zu erkennen und ihnen zu widerstehen. Christen könnten sich zwar auf ihr Christenleben beschränken, ohne am Schicksals Israels Anteil zu nehmen. Dabei ginge ihnen aber der größere Segen bis „in tausend Generationen“ verloren. Dieser Segen würde das ganze Land, auch die Regierung und Wirtschaft, umfassen.

Der Referent schloss mit dem Verweis, dass Jeschua als „König der Juden“ hingerichtet worden sei. Jeschua sei nicht nur das Haupt der Kirche, sondern auch der Herrscher Israels. Entsprechend sollten sich Jünger Jeschuas nicht nur mit seinem Erlösungswerk, sondern auch mit seiner Zugehörigkeit zum Volk Israel identifizieren. Dabei sei die Kirche durch Jeschua insbesondere in die Gemeinschaft und Solidarität mit ihren messianisch-jüdischen Glaubensgeschwistern gerufen.  

Ascher Intrater leitet zwei messianische Gemeinden in Jerusalem und Tel Aviv. Er ist Präsident der „Revive Israel“-Glaubensgemeinschaft in Jad HaSchmona. Er ist Autor mehrerer Bücher zur Israeltheologie.

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Ein Kommentar

  1. Ich habe im evangelischen Religionsunterricht gelernt, dass das Reich Gottes langsam die irdische Welt durchdringt. Gemäß der Vorgaben von unserem Religionsüberricht kommt es nicht schlagartig wie ein Erdbeben.

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