Bericht: Wie Bilder vom Nahost-Konflikt die Wahrheit verzerren

BERLIN / JERUSALEM (inn) – Bilder und Fernsehbeiträge von dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verdrehen häufig die tatsächliche Situation und schaffen Vorurteile unter Zuschauern.

Diese Meinung vertritt der Israelkorrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin), Norbert Jessen, in einem heute veröffentlichten Beitrag.

Die falsche Darstellung der Wirklichkeit habe sich seit dem Ausbruch der sogenannten „Intifada“ in verschiedenen Fotoaufnahmen und Bildbeiträgen erwiesen. So sei das Bild von einem „bulligen israelischen Grenzer mit Schlagknüppel hinter einem blutenden jungen Mann“ um die Welt gegangen, das ein angeblich palästinensisches Opfer vor seinem Peiniger dargestellt habe. Doch bei dem blutüberströmten Mann handelte es sich nicht um einen Palästinenser, sondern um einen Israeli, der von Palästinensern schwer verletzt worden war. Der hinter ihm stehende israelische Soldaten hatte die Palästinenser vertrieben.

Auf einem weiteren Foto ist ein kleiner palästinensischer Junge mit angstverzerrtem Gesicht und Tränen in den Augen zu sehen, den israelische Soldaten festhalten. Dieses Bild alleine sei eine falsche Darstellung der Wirklichkeit. Erst ein weiteres Bild, das kurz zuvor aufgenommen wurde, zeige den Grund für die Handlung der israelischen Soldaten: Der palästinensische Junge hatte die israelischen Soldaten vor seiner Festnahme mit Steinen beworfen.

„Die Kamera kann Gewalt nicht nur dokumentieren, sie kann sie auch motivieren“, meint Jessen. So könnten Photographen und Reporter auch Straßenschlachten durch geschickte Positionierung der Kamera provozieren, da sich dadurch Palästinenser wie befohlen herausgefordert fühlen, eine neue Auseinandersetzung zu entfachen.

„Ein Klassiker auch: Panzer fahren durch die Städte und überrollen parkende Autos. Die klugen Anwohner stellen ihre Autos rechtzeitig im Hof ab. Nur der Photograph stellt sein (Leih-)Auto dort ab, wo es eine gute Chance hat überrollt zu werden. Oder aber der Panzerfahrer rollt über ein Auto, das mit etwas Mühe zu umfahren wäre – er hat die Kamera
bemerkt und weiß, was sie von ihm erwartet.“

Weiter meint Jessen, daß „die Palästinenser nicht selten ihre Termine für „spontane Unruhen“ schon am Vortag an die Presse ausgeben. Wenn es gilt, Einsatzwillen zu demonstrieren, rufen sie selbst die Kameras, um die Welt zu überzeugen, dass sie Kinder von Demonstrationen fernhalten – die Polizisten stellen sich ihnen dann in den Weg, statt weiter Tee zu schlürfen.“ So wäre der korrekten Meinungsbildung wesentlich gedient, wenn auch „die andere Seite der Bilder“ gezeigt würde.

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