Bericht: Israel und Türkei beenden Streit

JERUSALEM / ANKARA (inn) – Tauwetter am Mittelmeer? Israel und die Türkei wollen offenbar ihren Zwist beilegen. Bei einem Geheimtreffen in der Schweiz haben die beiden Seiten entsprechende Vereinbarungen ausgehandelt.
Kommt Israel zwecks Aussöhnung entgegen: der türkische Präsident Erdogan
Kommt Israel zwecks Aussöhnung entgegen: der türkische Präsident Erdogan
Nach mehr als fünf Jahren wollen Israel und die Türkei ihren Streitigkeiten ein Ende setzen. Die beiden Seiten haben entsprechende Vereinbarungen getroffen, die allerdings von ihnen noch endgültig beschlossen werden müssen. Unter anderem wollen beide Länder wieder ihre Botschafter entsenden. Zu der vorläufigen Vereinbarung kam es offenbar bei einem hochrangigen Geheimtreffen in der Schweiz. Der künftige Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, Jossi Cohen, verhandelte mit dem Leiter des türkischen Außenministeriums und früheren Botschafter in Israel, Feridun Sinirlioglu. Zugegen war auch Joseph Ciechanover, der israelische Sondergesandte für die Türkei.

Beiderseitiges Entgegenkommen

Die beiden Seiten kamen demnach darin überein, dass Israel für die Opfer der „Mavi Marmara“-Razzia einen Hilfsfonds einrichtet; die Türkei lässt alle Ansprüche auf Entschädigung fallen. Die „Mavi Marmara“ sollte die Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen. Bei der Razzia Ende Mai 2010 kamen zehn Aktivisten ums Leben. Weiter vereinbarten die Verhandlungsführer, dass die Türkei den Terroristen Salah al-Nuri ausweist. Al-Nuri zählt zu den Hamas-Führungskräften im Ausland. Er soll die Entführung dreier israelischer Teenager im Sommer 2014 organisiert haben. Die Aktion zog letztlich den Gaza-Krieg jenes Jahres, die Operation „Starker Fels“, nach sich. Außerdem haben die beiden Seiten Gespräche über israelische Gaslieferungen vereinbart. Bislang erhält die Türkei 55 Prozent seines Gases aus Russland. Seit dem Abschuss eines russischen Jets am 24. November befinden sich die Beziehungen zu Russland jedoch in einer Krise. So hat Russland Handelssanktionen beschlossen, die im Januar umgesetzt werden. Der Türkei dürfte aufgrund dieser Entwicklung daran gelegen sein, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Anfang der Woche hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, eine Normalisierung der Beziehungen mit der Türkei sei möglich. Als Bedingung nannte er eine Entschädigung der „Mavi Marmara“-Opfer sowie eine Aufhebung der „Blockade“ des Gazastreifens. Israel erklärte daraufhin, an stabilen Beziehungen zur Türkei interessiert zu sein. (df)

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