Bandenkrieg in Nablus – Bürgermeister bittet Arafat um Hilfe

NABLUS (inn) – Seit Beginn des Jahres haben in der Autonomiestadt Nablus gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Palästinensergruppen bereits zehn Todesopfer gefordert. Jetzt hat sich der Bürgermeister der Stadt, Ghassan Walid Schaka, in einem Brief an PLO-Chef Jasser Arafat gewandt und diesen um Unterstützung bei der Herstellung von Recht und Ordnung gebeten.

“Der Fortgang dieser qualvollen und bedrohlichen Situation und die Hilflosigkeit der palästinensischen Behörden, die für die Umsetzung der Gesetze verantwortlich sind, werden uns zu unserem großen Bedauern zwingen, Teil des Chaos zu werden und das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, um die korrupten Leute in dieser Stadt zu bestrafen”, schreibt Schaka an Arafat. Der Brief wurde in allen palästinensischen Zeitungen in Großanzeigen veröffentlicht.

“Meine Familie und ich erwarten sofortige souveräne Schritte, die den Respekt vor dem Gesetz wieder herstellen. Die Fortdauer der jetzigen Situation wird das Leben unmöglich machen”, heißt es in dem Schreiben weiter.

Ende November hatten bewaffnete Palästinenser das Feuer auf den Wagen Schakas eröffnet und dabei den jüngeren Bruder des Bürgermeisters getötet.

Nablus – das biblische Sichem – gilt heute als gefährlichste Stadt in den Autonomiegebieten. Wie die Tageszeitung “Ha´aretz” berichtet, wurden dort seit Juni dieses Jahres drei Kinder, ein unbeteiligter Erwachsener und zwei rivalisierende Fatah-Aktivisten getötet. Der Bruder des Gouverneurs von Nablus wurde entführt und geschlagen. Der örtliche Polizeichef wurde angeschossen und ist seitdem teilweise gelähmt. Häufig werden Autos oder Geschäfte in Brand gesteckt.

Wie es in dem “Ha´aretz”-Bericht weiter heißt, sind in der Stadt hauptsächlich die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden und Splittergruppen dieser Organisation aktiv, die zu Arafats Fatah-Partei gehören. Schaka hatte immer wieder zur Auflösung dieser Gruppen und zum Widerstand gegen sie aufgefordert. In den Autonomiegebieten wird Arafat jedoch als derjenige angesehen, der als einziger diese Gruppierungen kontrollieren kann.

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