Austausch: Ein Hisbollah-Kämpfer und zwei Leichen gegen einen toten Israeli

JERUSALEM / BEIRUT (inn) - Die Hisbollah hat Israel laut einem libanesischen Zeitungsbericht Dokumente überlassen, die der entführte Soldat Ron Arad verfasst hat. Am Montag tauschten die Israelis einen geistig kranken Häftling und zwei tote Hisbollah-Kämpfer gegen die Leiche eines israelischen Zivilisten aus.

Nach israelischen Angaben war der Austausch Teil eines größeren Verhandlungsprozesses, der zur Freilassung der Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser führen soll. Sie wurden am 12. Juli 2006 in den Libanon verschleppt. Die Übergabe fand in Rosch HaNikra an der israelisch-libanesischen Grenze statt. Israel entließ das 50-jährige Hisbollah-Mitglied Hassan Naim Akil. Der Araber hat nicht im Zweiten Libanonkrieg gekämpft. Als Gründe für die Befreiung wurden sein Alter und sein Gesundheitszustand angegeben. Zudem gaben die Israelis die Leichen von Ali Wiswas und Mohammed Damaskiah heraus, die im Zweiten Libanonkrieg gefallen waren.

Im Gegenzug übergab die Hisbollah die Leiche von Gabriel Dwait an Israel. Der damals 27-jährige Einwanderer aus Äthiopien war am 20. Januar 2005 im Mittelmeer ertrunken. Vor einigen Monaten hatte die Hisbollah angedeutet, dass sie im Besitz der Leiche sei. Mitarbeiter des forensischen Instituts Abu Kabir identifizierten den toten Israeli an der Grenze.

„Handgeschriebene Texte von Arad“

Laut einem unbestätigten Bericht der libanesischen Tageszeitung „Al-Akbar“ vom heutigen Dienstag erhielten die Israelis außerdem handgeschriebene Dokumente des früheren Navigators Arad. Er wurde vor genau 21 Jahren, am 16. Oktober 1986, entführt, nachdem er über dem Libanon abgestürzt war. Über seinen Verbleib gibt es keine Nachricht. Aus dem Büro des Premierministers in Jerusalem hieß es, bei dem Austausch seien auch Informationen über eine andere Angelegenheit an Israel weitergegeben worden. Deren Gehalt solle in den kommenden Tagen untersucht werden.

In ihrem Fernsehsender „Al-Manar“ bestätigte die Hisbollah, sie habe Informationen übermittelt, „die mit Themen von gemeinsamem Interesse zusammenhängen, mit der Absicht, darin Fortschritte zu erzielen“. Sie hoffe, „dass dieser gute Wille einen lange erwarteten Fortschritt bei der Lösung der Fälle aller Gefangenen bringen wird“.

Das Büro des israelischen Premiers bezeichnete den Austausch als weiteren Schritt innerhalb der Verhandlungen, die zur Rückkehr von Regev und Goldwasser führen sollten. „Israel erwartet, dass der bedeutsame Schritt dieses Abends dazu dienen wird, die Prozesse zu beschleunigen, die seit über einem Jahr am Laufen sind.“ Israelische Sicherheitsvertreter sprachen von einer vertrauensbildenden Maßnahme.

Die Verhandlungen um Regev und Goldwasser werden durch den deutschen Vermittler Ernst Uhrlau geführt, der von den Vereinten Nationen ernannt wurde. Er war bereits im Januar 2004 am Austausch von 400 arabischen Häftlingen gegen drei tote israelische Soldaten und den Geschäftsmann Elhanan Tennenbaum beteiligt. Wie die Zeitung „Ha´aretz“ berichtet, sind die größte Hürde derzeit unterschiedliche Vorstellungen über den zeitlichen Ablauf. Die Hisbollah fordert, dass Israel zuerst eine große Zahl Häftlinge freilässt und will dann Informationen über die Entführten preisgeben. Die Israelis wünschen hingegen, dass beides gleichzeitig stattfindet.

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