Ausstellung: Deutsche und israelische „Brückenbauer“ der Zivilgesellschaft

BERLIN (inn) – Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnet am Donnerstag im Bundestag eine Wanderausstellung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Die Exposition würdigt bekannte und weniger bekannte „Brückenbauer“ der Zivilgesellschaft beider Länder.
Konrad Adenauer besucht David Ben-Gurion 1966 in Sde Boker

Foto: Michael Maor

Konrad Adenauer besucht David Ben-Gurion 1966 in Sde Boker
Die Exposition „Israelis & Deutsche: Die Ausstellung“ zeigt, wie sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs und bis heute junge und alte Deutsche und Israelis für ein friedliches Miteinander einsetzen. Sie dokumentiert erste offizielle Begegnungen etwa von Konrad Adenauer und David Ben-Gurion oder Marlene Dietrich und Teddy Kollek. Am Beginn stehen auch die Journalisten Erich Lüth und Rudolf Küstermeier, die im August 1951 eine Friedensinitiative zwischen Deutschland und Israel anstießen. Ein Zeitstrahl von 1949 bis 2015 umrahmt die Ausstellung historisch. Sechs Ausstellungsmodule beleuchten die Themen Prolog, Kluft, Annäherung, Wegbereiter, Verbindungen und Schieflage. In diesen sechs Abschnitten erzählen Texte, Fotos und Briefe die Geschichten von rund 160 Politikern, Kulturschaffenden, Medienvertretern, Sportlern, Wissenschaftlern und Unternehmern aus Deutschland und Israel.

Campino: „Das Wort ,Vergessen‘ müsste aus Kontext gestrichen werden“

Zitate der Zeitgenossen wie Moderator Günther Jauch, Diplomat Avi Primor, Bundeskanzlerin Angela Merkel, des 2013 verstorbenen israelischen Schriftstellers Yoram Kaniuk oder des „Die Toten Hosen“-Sängers Campino vertiefen die Einblicke in die deutsch-israelischen Beziehungen. Der Punkrocker wird in der Ausstellung mit Worten aus einem Interview mit der „Jüdischen Allgemeinen“ im Jahr 2010 zitiert, als die Gruppe ihren ersten Auftritt im jüdischen Staat hatte: „Als ich durch die Straßen von Tel Aviv gelaufen bin, ging in meinem Kopf sofort ein Film los: Die Generation meiner Eltern wollte die Väter und Mütter dieser Menschen ausradieren. Solche Gedanken sind einfach in meinem Bewusstsein.“ In Israel begegne einem überall Geschichte. „Man müsste schon blind sein, um das nicht zu sehen. Was nicht heißt, dass man hier als junger Deutscher gebückt gehen soll. Ich meine aber, dass bei all der Normalisierung zwischen Israelis und Deutschen das Wort ,Vergessen‘ aus dem Kontext gestrichen werden müsste. Man soll die Geschichte nicht vergessen, sondern sich daran erinnern und daraus dann gemeinsam etwas Festes bauen, um es nie wieder zu einer Katastrophe kommen zu lassen.“ Bundestagspräsident Lammert eröffnet am Donnerstag um 19 Uhr im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages „Israelis & Deutsche: Die Ausstellung“. Zu den Gästen gehören der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, und der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Reinhold Robbe. Im Rahmen der Veranstaltung spielt das Orchester „Spring in the Negev – Friends in Music“ Philharmonie der Nationen & Israel Sinfonietta unter der Leitung von Justus Frantz sowie der Klarinettist Giora Feidman. Die Ausstellung der DIG ist vom 16. Oktober bis 13. November im Paul-Löbe-Haus zu sehen. Der Besuch ist kostenlos, eine Anmeldung ist gemäß den Zutrittsbedingungen des Deutschen Bundestages notwendig. Im Anschluss geht die Wanderausstellung auf Tournee. Sie wird bis Ende 2016 in Augsburg, Dresden, Düsseldorf, Erfurt, Hamburg, Kassel, Leer, Nürnberg, Passau und Würzburg gezeigt. Am 29. Oktober 2015 startet die Tournee der hebräischen Ausgabe in Tel Aviv. Im Anschluss ist die Ausstellung in Be‘er Scheva, Haifa und Jerusalem zu sehen. (ms)

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