Lieberman begründete seinen überraschenden Schritt mit „grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten“ mit Premierminister Benjamin Netanjahu. Diese ermöglichten es nicht mehr, unter dem Dach einer gemeinschaftlichen Partei zusammen zu leben. Seine Fraktion hatte sich kurz vor den Parlamentswahlen im Januar 2013 mit der Likudpartei aus wahltaktischen Gründen zusammengeschlossen, was am Ende jedoch zu einem erheblichen Stimmenverlust für beide Parteien führte (Israelnetz berichtete). Der Außenminister sagte, er wolle sich schon in den nächsten Tagen an die Knesset wenden, um seine Partei wieder als separate Fraktion anerkennen zu lassen.
Bei der Pressekonferenz im Außenministerium bedauerte Lieberman das unentschlossene Vorgehen Netanjahus gegen die Hamas und vor allem gegen den Gazastreifen. Seit einem Monat seien mehr als 100 Raketen auf Israel abgeschossen worden, darunter Mittelstreckenraketen auf Be‘er Scheva und Aschdod. Er warf Netanjahu vor, die „Operation Wolkensäule“ im November 2012 vorzeitig abgebrochen und nicht vollendet zu haben. Lieberman vertrat die Meinung, dass das eine Gelegenheit gewesen sei, durch eine Bodenoffensive „mit der Hamas aufzuräumen“. Doch Netanjahu habe den damals befürchteten Krieg abgesagt, weil Neuwahlen anstanden. In den vergangenen Wochen hatte Lieberman wiederholt gefordert, den Gazastreifen erneut zu besetzen.
Noch liegen keine Reaktionen auf den überraschenden Schritt vor. Es ist unklar, ob infolge der Trennung der Fraktionen eine Regierungskrise entsteht oder ob Lieberman sein Amt als Außenminister räumen muss.