Ausschreitungen und ein Toter bei weltweiten Anti-Israel-Demos

KHARTUM / LONDON / SRINAGAR (inn) – Bei einer anti-israelischen Demonstration am Wochenende in Indien ist ein Teenager getötet worden, als die Polizei Schüsse auf die Demonstranten abgab. Mehrere Männer verprügelten zudem einen sudanesischen Journalisten, nachdem er eine Normalisierung im Verhältnis mit Israel gefordert hatte.
Demo in Berlin: Die Polizei prüft, ob am Donnerstag gerufene Parolen volksverhetzend und somit strafbar sind. (Archivbild)

Bewaffnete Männer griffen am Samstagabend die Büros der sudanesischen Tageszeitung „Al-Tajjar“ an und schlugen den Chefredakteur Osman Mirghani bewusstlos, berichtet die Tageszeitung „Sudan Tribune“. Der Angriff folgt auf Mirghanis Forderung, die Beziehung des islamischen Sudans mit Israel zu normalisieren, die das lokale Fernsehen ausstrahlte. Das Gespräch wurde bereits vor mehr als drei Wochen, vor der aktuellen Eskalation in Nahost, aufgenommen. Mirghani stellte den gewählten Zeitpunkt der Ausstrahlung in Frage. Am Tag des Vorfalls erschien zudem ein Kommentar in der Zeitung, in dem der Chefredakteur einen Imam in Khartum kritisiert.
Nach dem Angriff wurde der Journalist in der sudanesischen Hauptstadt im Krankenhaus untersucht und behandelt. Er habe keine ernsthaften Verletzungen. Unterdessen demonstrierten in Khartum mehrere Hundert Journalisten für die Meinungs- und Pressefreiheit im Land.

Indien: Teenager stirbt bei Beschuss durch Polizei

In Indien kam ein Junge im Teenageralter bei einer anti-israelischen Demonstration ums Leben. Der Vorfall ereignete sich in dem Dorf Khudwani, 60 Kilometer von Srinagar entfernt, eine große muslimisch geprägte Stadt in der Region Kaschmir. „Der Junge starb während des (Polizei-)Beschusses auf anti-israelische Demonstranten, die auch über erlittene Verletzungen anderer Protestierender in vorhergehenden Demonstrationen wütend waren“, sagte ein leitender Polizeibeamter laut der Onlinezeitung „Times of Israel“. Die Polizei nannte den Vorfall „unglücklich“.
Bereits am Freitag demonstrierten in Haifa mehr als eintausend israelische Araber gegen die Bodenoffensive der Armee im Gazastreifen. Die arabische Knessetabgeordnete Hanin Suabi führte die Demonstranten an. Als die Menge Straßen blockierte, schritt die Polizei ein. Dreißig Protestierende wurde festgenommen, darunter Suabi. Kurze Zeit später wurde die Politikerin wieder freigelassen, berichtet „Times of Israel“. Da die Kundgebung nicht angemeldet war, war sie illegal, kommentierte ein örtlicher Polizeisprecher.

Mannheim: Politiker gegen Hetzparolen und rassistische Provokationen

Demonstrationen vor allem gegen Israel, wenige für Israel gab es am Wochenende weltweit. Am Samstag haben etwa in Mannheim laut der Deutschen Presse-Agentur 4.500 Menschen gegen die Eskalation im Nahen Osten demonstriert. Die Proteste blieben friedlich. Die Stadt Mannheim, christliche, jüdische und muslimische Vertreter sowie weitere Organisationen adressierten an die Teilnehmer der Demonstration, „Free Palestine – Gegen die Ermordung“: „Hetzparolen oder rassistische Provokationen gegen einzelne Gruppen – gleich ob Juden oder Muslime, Palästinenser oder Israelis – treffen auf unseren schärfsten Widerspruch – erst recht jeder Aufruf zu Gewalt.“
Bei einer Kundgebung am Donnerstagabend in Berlin riefen arabische Demonstranten judenfeindliche Parolen. Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen nun, ob diese antisemitischen Sprechchöre volksverhetzend und somit strafbar sind, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Die jüdische Organisation „American Jewish Committee“ erstattete Anzeige, weil der Imam der Berliner Al-Nur Moschee, Bilal Ismail, in einer Predigt zum Judenmord aufrief.
In London zogen mehr als zehntausend Menschen, die gegen die Luftangriffe und die Bodenoffensive im Gazastreifen demonstrierten, vom Regierungssitz in der Downing Street zur israelischen Botschaft. Dort stoppte sie die Polizei. Die sozialdemokratische Labour-Abgeordnete Diane Abbott war unter den Sprechern, um ihre Solidarität mit den Menschen in Gaza zu zeigen, und rief laut dem Fernsehsender „BBC“ auf: „Wir fordern das Ende der Besatzung und Gerechtigkeit für die Palästinenser.“

Nach Verbot: Nicht genehmigte Demo in Paris

Eine nicht genehmigte Kundgebung in Paris mit mehreren Tausend Protestierenden versuchte die Polizei mit Tränengas aufzulösen. Einzelne Demonstranten verbrannten israelische Flaggen. Aus Sicherheitsgründen hatten französische Behörden die für Samstag geplante pro-palästinensische Demonstration in der Hauptstadt verboten, nachdem es bei früheren Demonstrationen zu gewaltvollen Ausschreitungen kam. Demonstranten hatten vor einer Woche Hunderte Juden daran gehindert, ihre Synagoge zu verlassen (Israelnetz berichtete).
In New York demonstrierten laut dem Fernsehsender „CBS“ rund 1.000 Menschen friedlich bei einer pro-israelischen Demonstration auf der 42. Straße. Wenige Blocks entfernt hielten Dutzende Teilnehmer eine friedliche pro-palästinensische Versammlung ab.

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