Auschwitz: Israelis wollten Gegenstände „retten“

OSWIECIM / HERZLIJA (inn) - Darf jemand in der Auschwitz-Gedenkstätte Gegenstände einfach mitnehmen, nur weil seine Eltern den Holocaust überlebt haben? Ein polnisches Gericht hat wegen einer solchen Handlung zwei Israelis zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Das Ehepaar bedauert den Diebstahl mittlerweile - der Mann trat von einem Posten in der Stadtverwaltung von Herzlija zurück.

"Ich weiß, was der Holocaust ist. Meine Eltern sind Auschwitz-Überlebende. Zu sagen, dass ich gestohlen habe, wäre ein Fehler", beteuerte Moti Posloschani in einem Interview der Tageszeitung "Jediot Aharonot". Doch er sei mittlerweile zur Einsicht gelangt, dass er und seine Ehefrau Dominique einen Fehler gemacht hätten: "Ich schäme mich und bitte um Verzeihung, vor allem die Holocaust-Überlebenden, die ich möglicherweise verletzt habe."

Der 60-Jährige und seine 57-jährige Gattin waren mit einem Touristenbus in dem ehemaligen Konzentrationslager nahe der polnischen Stadt Oswiecim eingetroffen. Doch sie trennten sich von der Gruppe und besichtigten die Stätte allein. In einem Raum sahen sie einen Glaskasten mit Silber. "Plötzlich, als wir neben dem Glaskasten stehenblieben, sahen wir sechs oder sieben Gegenstände auf dem Boden liegen, mit Staub bedeckt", sagte Posloschani. "Ich hob sie auf und versuchte herauszufinden, was es war. Ich sah ein Messer, eine Gabel und einen Topfdeckel. Sie waren teilweise verbrannt. In dem Moment habe ich beschlossen, dass ich – der Sohn von Holocaust-Überlebenden – die Gegenstände retten, säubern und dann vielleicht an Yad Vashem übergeben werde. Meine Frau stimmte mir zu, also haben wir die Gegenstände in unsere Taschen gesteckt."

Auf die Frage, warum er die Artefakte nicht zurückgelegt habe, entgegnete der Israeli: "Ich sehe es nicht als Diebstahl an. Ich habe ein paar vernachlässigte Gegenstände aufgehoben. Ich wollte, dass sie sich an einem besseren Ort befinden – dass sie beschützt werden, hier in Israel." Er fügte hinzu: "Ich habe einen großen Fehler gemacht. Ich hätte es gar nicht erst aufsammeln sollen."

Am Krakauer Flughafen Balice wurde das Ehepaar festgenommen, nachdem Grenzpolizisten die Gegenstände im Gepäck entdeckt hatten. Den Israelis wurde vorgeworfen, Souvenirs von großem kulturellem und historischem Wert gestohlen zu haben. In Polen stehen darauf bis zu zehn Jahre Haft. Doch der polnische Richter verurteilte die beiden zu je eineinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung und zu je 1.450 Dollar Geldstrafe. Sie akzeptierten das Strafmaß und wurden später freigelassen.

Am Montag trat Posloschani als Abteilungsleiter bei der Stadt Herzlija zurück.

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