Auf „Youtube“: Olmerts politische Ansichten im Wandel

Die hohe Geburtenrate der arabischen Israelis bereitet einigen Politikern im heiligen Land Kopfzerbrechen. Allen voran Premier Ehud Olmert. Vor zwei Jahren hat er die "demographische Bedrohung" als einen Grund für den Bedarf an der neuen Partei "Kadima" angeführt. Heute erklärt er damit die Notwendigkeit des geplanten Annapolis-Gipfels in den USA. Vor 20 Jahren hatte Olmert allerdings eine vollkommen andere Einstellung zu dem Thema. Der Beweis: Ein äußerst beliebtes Video auf dem Internetportal "Youtube".

Das Video zeigt eine mindestens 20 Jahre alte Sendung des amerikanischen Nachrichtensenders ABC namens „Nightline“. Olmert spielt darin die Bedeutung der arabischen Bevölkerung für den Staat Israel herunter. Das Video gehört mittlerweile zu den Favoriten unter dem Stichwort „Olmert“ auf dem Videoportal „Youtube“. Laut den Betreibern wurde der Film mehr als 33.600 Mal aufgerufen, seitdem er vor einem Jahr von dem Nachrichtenportal „Voice of Judea“ auf die Seite gestellt wurde.

Das „Nightline“-Video beginnt mit einem Interview mit dem damaligen Knesset-Abgeordneten Meir Kahane. Er gehörte der mittlerweile verbotenen Partei Kach an, die religiös-nationalistisch ausgerichtet war. Kahane forderte, die israelische Staatsbürgerschaft nur an Juden zu vergeben. Er begründete seine Forderung mit der hohen arabischen Geburtenrate und der daraus resultierenden „demographischen Bedrohung“ für die Juden. Im Anschluss befragte Moderator Ted Koppel den damaligen Likud-Abgeordneten Olmert, der zu dieser Zeit auch dem Knesset-Ausschuss für Außenpolitik und Sicherheit angehörte.

Olmert: „Demographische Bedrohung“ existiert nicht

„Das ist vollkommen unkorrekt“, kommentierte Olmert Kahanes Aussage, dass die Araber den Juden irgendwann einmal zahlenmäßig überlegen sein könnten. „Es gibt 700.000 Araber in einem Land mit vier Millionen Menschen (bezogen auf Israel, ohne den Gazastreifen und das Westjordanland). Die Chance, dass sie zukünftig die Mehrheit der Bevölkerung stellen, ist derart klein, dass sie in keinster Weise die Weltanschauung rechtfertigt, die er (Kahane) predigt.“

Als der Moderator nachhakte, sagte Olmert, dass die israelischen Araber lernen müssten, als Minderheit in Israel zu leben. Im weiteren Gesprächsverlauf verneinte Olmert mehrmals die „demographische Bedrohung“. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Araber zu einer Mehrheit würden, sei „so gering, dass ich nicht glaube, dass wir in diesem Stadium darauf reagieren müssen“, so Olmert.

Die Partei „Kadima“ wurde im November 2005 vom damaligen Premier Ariel Scharon gegründet. Damals sprachen sich Olmert und andere Führungspersönlichkeiten für die Gründung eines palästinensischen Staates aus. Sie beriefen sich dabei auf Studien, die eine Mehrheit von Arabern in Israel und der palästinensischen Autonomie prognostizierten.

Diese Woche schlug Olmert ebenfalls andere Töne an als auf dem alten Video, als er nämlich die „demographische Bedrohung“ als eines seiner Hauptargumente für erneute Verhandlungen mit den Palästinensern auf dem Gipfeltreffen in Annapolis anführte. Ein palästinensischer Staat müsse geschaffen werden – „oder wir werden so wie Südafrika enden“, sagte der Premierminister am Montag gegenüber dem Knesset-Ausschuss für Außenpolitik und Sicherheit. „Wir müssen die jüdische Mehrheit aufrecht erhalten und gleichzeitig die Idee von zwei Staaten für zwei Völker vor dem Vergessen bewahren.

Weitere „Olmert“-Videos bei „Youtube“

Auf Rang zwei unter dem Stichwort „Olmert“ rangiert bei „Youtube“ ein Video, das den Premier völlig übermüdet während eines Pressetermins in seinem Büro zeigt. Die Aufnahme wurde einen Tag nach der Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse der „Winograd-Kommission“ gedreht. Darauf fallen dem Premier vor laufender Kamera die Augen zu. Der Untersuchungsausschuss unter der Leitung des ehemaligen Richters Eliahu Winograd beschäftigte sich mit den militärischen und politischen Fehlern Israels bezüglich des Zweiten Libanonkrieges im Jahr 2006.

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen