Assad: „Unterstützung für Hamas wegen ihrer Stärke“

DAMASKUS (inn) - Syrien stellt sich hinter die Hamas und die Hisbollah, weil sie stark sind. Das sagte Präsident Baschar al-Assad gegenüber der österreichischen Zeitung "Die Presse". Einen Widerspruch zu den Bemühungen um einen Frieden mit Israel sehe er darin nicht.

„Es geht um die Definition dessen, was radikal ist. Besetztes Land muss zurückgegeben werden“, so Assad. „Da gibt es keine Mittelposition. Ob sie radikal ist oder nicht, die Hamas ist stark. Und deshalb muss man mit der Hamas reden. Ohne sie gibt es keine Stabilität und keinen Frieden. Dasselbe gilt für die Hisbollah im Libanon.“

Auf die Frage, wie er mit dieser Unterstützung Vertrauen zu Israel aufbauen wolle, entgegnete der Syrer: „Solange sie Land besetzen, kann es kein Vertrauen geben.“ Syrien und Israel seien 80 Prozent des Weges gegangen, ohne einander zu trauen. Die USA müssten mit der EU und der UNO als Schiedsrichter dienen. Doch solange es keinen Frieden mit den Israelis gebe und syrisches Land besetzt sei, werde Syrien Israel nicht anerkennen.

Gefragt, wie Syrien Frieden in die Region bringen könne, antwortete Assad: „Wir sind ein wesentlicher Teil des Prozesses und haben keine speziellen Bedingungen. Wir stimmen den UN-Resolutionen zu, die die Rückgabe des von Israel besetzten Landes vorsieht. Wir haben den Willen für Frieden und können uns beteiligen, eine Vision für den Frieden zu entwickeln.“

„Ausstehende Probleme mit Israel schnell zu lösen“

Mit der israelischen Regierung unter dem 1995 ermordeten Premier Jitzhak Rabin hätten die Syrer 80 Prozent des Weges zum Frieden erreicht, so Assad. „Die letzten 20 Prozent kann man in ein paar Wochen lösen. Der Rückzug von den Golan-Höhen kann in sechs Monaten implementiert werden.“

Die syrisch-israelischen Verhandlungen von 2000 in Genf sind seiner Ansicht nach gescheitert, weil sie nicht gut vorbereitet gewesen seien. „Die Amerikaner drängten, dass Präsident Hafes al-Assad zu einem Gipfeltreffen nach Genf kommt. US-Präsident Clinton sagte, er hätte sehr gute Nachrichten für uns. Deshalb war Präsident Assad überrascht, als ihm Clinton eine Landkarte zeigte, auf dem nur die Rückgabe von 95 Prozent der Golan-Höhen eingezeichnet war. Er lehnte ab und sagte: Wir werden nicht über 95 Prozent diskutieren. Wir haben ein Recht auf unser ganzes Land.“

„Olmert ist der schwächste israelische Premier aller Zeiten“

Anschließend habe man nicht weiter verhandeln können, weil der damalige israelische Regierungschef Ehud Barak zu schwach gewesen sei, sagte Baschar al-Assad. Auf die Frage, ob dies auch für den jetzigen Amtsinhaber Ehud Olmert gelte, meinte er, dieser sei schwächer als alle seine Vorgänger.

„Beziehung zu Iran und Westen kein Widerspruch“

Zu seiner Beziehung mit dem Iran erläuterte Assad: „Ich hatte schon früher gute Beziehungen zum Westen. Und wir haben gute Beziehungen zum Iran. Das ist kein Widerspruch. Wir werden jeden unterstützen, der unsere Interessen und Ziele fördert. Das ist sehr einfach. Die Beziehungen zwischen Iran und Syrien begannen nach der Revolution 1979, als Saddam Hussein einen Krieg gegen den Iran losbrach. Der Westen stand auf der Seite Saddams, während wir den Iran unterstützten. Die Iraner haben uns das nie vergessen. Und als wir vor ein paar Jahren diese Probleme mit dem Westen hatten, blieb der Iran an unserer Seite. Der Iran ist ein sehr wichtiges Land, ob man ihn mag oder nicht. Wenn man über Stabilität im Nahen Osten sprechen will, kann man das nicht ohne Iran tun.

„Israelischer Angriff im September galt Militäranlage“

Der Präsident wurde auch auf den Angriff angesprochen, den israelische Kampfflugzeuge am 6. September auf eine Einrichtung in Syrien geflogen hatten. Das Ziel war nach seinen Worten eine „im Bau befindliche Militäranlage“. Er fügte hinzu: „Weil es eine Militäranlage war, kann ich Ihnen keine Details geben. Das heißt aber nicht, dass es eine Nuklearanlage war, wie die Israelis behauptet haben.“

Die zurückhaltende syrische Reaktion erklärte Assad folgendermaßen: „Wir haben das Recht, jederzeit zurückzuschlagen. Das haben wir auch gesagt. Aber es geht nicht nur um Rache. Man kann eine Rakete auf Israel abfeuern. Aber was erreicht man damit? Man würde den Israelis helfen, einen neuen Krieg anzuzetteln. Und wohin würde ein neuer Krieg führen?“

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