HAMBURG (inn) – Die ARD sendet am heutigen Montagabend eine Dokumentation über den israelischen Kriegsfotografen Ziv Koren. Im Anschluss ist der 36-Jährige zusammen mit der Schauspielerin Iris Berben und ihrem Sohn Oliver, dem Produzenten des Films, zu Gast in der Talksendung „Beckmann“.
Er versuche, auf seinen Fotos beide Seiten „in der größtmöglichen Bandbreite zu zeigen“, sagte Koren in einem Interview in der neuesten Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“. „Wenn ich mich nur in Tel Aviv aufhalte und einen Bus zeige, der in die Luft gesprengt wurde, erzähle ich nicht die ganze Geschichte. Es ist gerade dann wichtig, in das Westjordanland zu gehen und die Schäden zu zeigen, die das israelische Militär dort verursacht hat.“
Bilder aus dem Libanon „zu 50 Prozent Propaganda“
Er berichtet auch von den Manipulationen der Medien im jüngsten Libanon-Krieg: „Es kam vor, dass Libanesen vor der Kamera gespielt haben, sie seien tot oder verwundet. Das geschah so oft, dass ich gar nicht daran zu denken wage, was von dem Bildmaterial alles manipuliert wurde. (…) Tyler Hicks, ein Fotograf, der für die ‚New York Times‘ arbeitet, fotografierte einen Libanesen, der Menschen aus den Trümmern eines Hauses half, das bei einem Luftangriff getroffen worden war. Auf einem der nächsten Bilder sieht man genau denselben Mann unter den Toten.“ Tyler Hicks stehe wie kein anderer für einen ethischen Journalismus, „er wurde getäuscht“, so Koren.
Er selbst war während der gesamten vier Wochen Krieg auf der israelischen Seite der Grenze zum Libanon. Auf die andere Seite durfte er nicht: „Im Libanon gibt es keine Pressefreiheit. Selbst in Beirut konnten sich Journalisten nicht frei bewegen, sondern sie wurden von Mitgliedern der Hisbollah in die angegriffenen Stadtteile geführt. In allen Magazinen tauchten dann Bilder der immer gleichen zerbombten Straßen auf. In Israel kann man alles fotografieren. Ich habe Artillerie fotografiert, zerstörte Häuser, Schutzräume, Soldaten, alles. Was aus dem Libanon kam, war zu mindestens 50 Prozent Propaganda.“
Die Dokumentation mit dem Titel „Der Hölle so nahe …“ ist die 45-minütige Fernseh-Fassung des Dokumentarfilms „Mehr als 1.000 Worte“ von Regisseur Solo Avital. Die ARD sendet sie am Montag, den 28. August, um 22:45 Uhr. Um 22:30 Uhr sprechen Koren und seine Ehefrau Galit Gutman mit Reinhold Beckmann über seine Arbeit. „Jeden Morgen fährt er mit Motorrad und Kamera in den Gazastreifen oder nach Ramallah – sein Job zwischen den Fronten gleicht einem Himmelfahrtskommando“, so die ARD über den Israeli. Er agiere dabei „ohne kommerziellen Auftrag und politisch neutral“.
Große Freundin Israels bei „Beckmann“: Iris Berben
Iris Berben, die die deutsche Fassung des Films synchronisiert hat und ihr Sohn Oliver werden ebenfalls bei „Beckmann“ sein. Die Schauspielerin, die viele Jahre mit ihrem ehemaligen jüdischen Lebensgefährten Gabriel Lewy in Tel Aviv lebte, kennt und liebt Israel nach eigenen Worten seit 35 Jahren. Mit 18 Jahren reiste sie nach dem Sechs-Tage-Krieg für drei Monate ins Land. Vor zwei Jahren drehte sie für das ZDF die zweiteilige Dokumentation „Und jetzt, Israel?“. Für ihr Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus erhielt sie 2002 den Leo-Baeck-Preis, die höchste Auszeichnung, die vom Zentralrat der Juden in Deutschland verliehen wird. Ihr Sohn produzierte „Der Hölle so nahe …“.