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Arabische Zeitungen kritisieren Arafat

RAMALLA (inn) – Die internationale Kritik an PLO-Chef Jasser Arafat wächst – auch in den arabischen Staaten. In den vergangenen Tagen haben mehrere Kolumnisten arabischer Zeitungen den Palästinenserführer für die Korruption in der Autonomiebehörde verantwortlich gemacht – einige fordern sogar seinen Rücktritt.

„Arafats persönliche Freiheit ist wichtiger als die Freiheit der Palästinenser“, schreibt Ma´amun Fandi in der Tageszeitung „A-Schark al-Awsat“, die in London erscheint. „Bei jeder Verhandlung, die Arafat geführt hat, sah er so aus, als handle er nach dem Motto: ‚Wenn ich nicht Teil der Lösung sein werde, werde ich das Spiel zerstören‘. Alle Araber, und vor allem ihre Herrscher, müssen dem Mann sagen: ‚Das Thema ist zu groß für dich‘, und das palästinensische Volk ist viel wichtiger als Abu Amar (Arafat). Abu Amars Taten sind keine Befreiungsstrategie, sondern ein Überlebensmanöver, und das palästinensische Volk und die Region können (aus seiner Sicht) zum Teufel gehen.“

Der Redakteur Ahmed Dscharallah stellt in der kuwaitischen Zeitung „Al-Sijassah“ fest: „Die Palästinenser haben heute endlich begonnen, die Zügel in ihre Hände zu nehmen. Sie haben begonnen, direkt gegen die Korruptionskaiser zu agieren, gegen Arafats Leute… Es ist erforderlich, dass Arafat selbst geht, als Vorsitzender der korrupten Behörde und als jemand, dessen politisches Leben keinen Nutzen bringt – vor allem, nachdem der militärische Arm der Fatah-Organisation, deren Vorsitzender er ist, ihn für diese Tragödie verantwortlich macht.“

Nach Dscharallahs Ansicht hat „Arafat die Lebensgrundlagen des palästinensischen Volkes zerstört und es zu Terror, Zerstörung und zu sinnlosem Tod aus Verzweiflung geführt. Er hat das Land zerrissen, so wie Saddam Hussein die irakische Heimat zerrissen hat, und er hat sein Volk unterdrückt. Der Mann ist auf die Stufe der politischen Verrücktheit geraten, die mit einem Ausdruck von Anhänglichkeit an die Herrschaft und der Hoffnung auf ein langes Leben einhergeht. Der Anführer der Korruption ist Arafat selbst, und die ersten, die dies wissen, sind die arabischen Führer… Wir werden den Weg zum Frieden oder den Weg zur ‚Roadmap‘ nicht ebnen, solange dieser Mann – der das Leben der Angehörigen seines Volkes misshandelt, damit er überlebt – an der Macht bleibt.“

Abdel Bari Atwan schreibt in der Zeitung „Al-Quds al-Arabi“: „Alle Einrichtungen der Autonomiebehörde sind korrupt und illegitim. Die Korruption ist eine ansteckende Krankheit, und Präsident Arafat hat es dieser Krankheit ermöglicht, sich auszubreiten, bis sie den palästinensischen politischen Körper in eine verderbliche Leiche verwandelt hat, die einen scharfen Geruch ausströmt… Im Namen der schweigenden Mehrheit fordern wir Präsident Arafat auf, sich von seiner Unterstützung für die Korruption und die Korrupten zurückzuziehen, alle zu entlassen und sich der sauberen jungen Kräfte im palästinensischen Volk zu bedienen. Das ist der einzige Ausweg aus der Situation der Anarchie und der Abwärtsbewegung.“

In der jordanischen Zeitung „Al-Rai“ stellt Fahad al-Fans die Frage: „Nachdem das Wasser bis zum Hals steht, begreift Herr Arafat, dass seine Zeit vorbei ist und er freiwillig in Pension gehen muss? Und dass die Angelegenheiten sonst auf natürlichen Wegen zu ihrem Ende gelangen werden?“

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