Arabische Länder sehen Iran als größte Bedrohung

Ein geleaktes Video von einer Geheimsitzung auf dem Nahost-Gipfel in Warschau hat für Aufsehen gesorgt. Vertreter arabischer Länder sprechen darin über die für sie größte Bedrohung. Der Gipfel bleibt auch wegen anderer Details in Erinnerung.
Jemens Außenminister Aljemani war mit seinem Platz zwischen dem israelischen Regierungschef Netanjahu (l.) und dem amerikanischen Außenminister Pompeo (r.) nicht zufrieden

Foto: GPO/Amon Ben-Gershom

Jemens Außenminister Aljemani war mit seinem Platz zwischen dem israelischen Regierungschef Netanjahu (l.) und dem amerikanischen Außenminister Pompeo (r.) nicht zufrieden

WARSCHAU (inn) – Der Abschluss des Nahost-Gipfels in Warschau hat einige Kuriositäten mit sich gebracht. So beklagte sich der jemenitische Außenminister Chaled al-Jamani darüber, dass er während einer Diskussion neben dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu sitzen musste. Fotos dieser Sitzanordnung gingen um die Welt und wurden schon als Symbol der Annäherung zwischen Israel und den arabischen Ländern gedeutet – nicht zuletzt, weil Al-Jamani Netanjahu offenbar bei einem Technikproblem half.

Für Al-Jamani handelt es sich jedoch um einen „protokollarischen Fehler“ der Organisatoren. Er betonte, die Haltung des Jemen zur palästinenischen Frage werde sich nicht verändern. In Warschau sei es lediglich um die Bedrohung durch den Iran gegangen.

Geheimer Mitschnitt

Für Diskussionsstoff sorgte auch ein Mitschnitt aus einer Sitzung, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. Darin betonen Vertreter der Golfstaaten im Beisein von Netanjahu, dass sie den israelisch-palästinensischen Konflikt angesichts der Bedrohung durch den Iran in einem neuen Licht sehen. Der Außenminister Bahrains, Chalid al-Chalifa, sagte etwa: „Wir sind mit Diskussionen groß geworden, in denen der israelisch-palästinensische Konflikt die wichtigste Angelegenheit war. Aber später sahen wir eine größere Herausforderung. Wir sahen eine giftigere, eigentlich die giftigste in unserer modernen Geschichte, die von der Islamischen Republik kam, vom Iran.“

Wie der amerikanische Nachrichtensender „Fox News“ berichtet, ist nicht klar, wie es zur Veröffentlichung des 25-minütigen YouTube-Videos kam. Es wurde mit einem Smartphone aufgenommen und trägt das Wasserzeichen des Presseamtes der israelischen Regierung. Diese leitete das Video auch an ausgewählte Journalisten weiter, löschte es dann aber. „Fox News“ vermutet, dass sich arabische Vertreter beschwert haben.

Konflikt mit Polen durch falsches Zitat

Zu einem kleinen Konflikt kam es auch zwischen Israel und Polen. Letztlich ließ der sich allerdings bereinigen, als klar wurde, dass er auf einem falsch wiedergegebenen Zitat beruhte. Netanjahu soll gesagt haben, dass Polen als Land mit den Nazis kollaboriert hat. Das meldete die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“. Tatsächlich sagte Netanjahu, Einwohner Polens hätten dies getan – allerdings „eine nicht unbedeutende Zahl“.

Aufgrund des falsch wiedergegebenen Zitates erwog Polens Präsident Adrzej Duda, Israel nicht als Gastgeber des anstehenden Gipfels der Visegrad-Staaten zu akzeptieren. Anstatt dessen solle der Gipfel in Polen stattfinden. Die israelische Botschaft in Polen reagierte umgehend und bemühte sich bei der Regierung in Warschau um die Klärung des Missverständnisses.

Doch die Kuriositäten des Gipfels setzten sich auch nach Ende des Gipfels fort: Aufgrund eines Malheurs am Flughafen konnte Netanjahus Maschine nicht abheben. Der Regierungschef musste daher eine zusätzliche Nacht in Polen verbringen. Ein Zugfahrzeug war mit einem der Flugzeugräder zusammengestoßen, so dass dieses explodierte. Der Schaden war so groß, dass die Techniker der Fluggesellschaft El Al ihn nicht umgehend beheben konnten. Eine Ersatzmaschine wurde aus Israel angefordert, um Netanjahu, dessen Begleiter sowie die Pressevertreter noch vor Beginn des Schabbats nach Israel zu bringen.

Von: df

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