Nach Auffassung der Verteilzeitung „Israel Hajom“ klingt „die Erklärung der israelischen Christen wie eine gesellschaftliche und kulturelle Unabhängigkeitserklärung“. Denn die Äußerungen der Partei setzten sich ab von „der Hysterie der arabischen Knessetabgeordneten“, wenn es um den Wehrdienst gehe. Auch betrachten die Christen das jüdische und demokratische Israel als ihr Zuhause. Die bisherigen arabischen Parteien sind muslimisch oder kommunistisch geprägt.
Der vollständige Name der politischen Gruppierung lautet „Söhne des Neuen Testaments – die christliche israelische Partei“. In dieser hebräischen Bezeichnung verbirgt sich außerdem der Ausdruck „die Verbündeten“. In ihrem ersten Facebook-Eintrag am 30. März schrieb die arabische Organisation: „Wir bilden die Partei, um unsere wahre Stimme hören zu lassen.“ Sie wolle das Recht des Menschen verteidigen, nach seinem Glauben und seiner Weltanschauung zu leben. „Wir werden alle Religionen, die heiligen Bücher und die Freiheit der Kultausübung achten. Wir werden dafür kämpfen, dass die Mehrheit die Minderheit achtet und ihre Rechte wahrt.“
Der Parteivorsitzende ist der 58-jährige Schiffskapitän Bischara Schlajan aus Nazareth. Im Gespräch mit „Israel Hajom“ erklärte er jetzt, was ihn zu dem ungewöhnlichen Vorstoß bewogen hat: „Die ganze Sache fing an, als ich meinen Neffen in die Armee bringen wollte und es Schwierigkeiten gab.“ Dieser sei mittlerweile Major in einer Kampfeinheit. „Als ich meinen Sohn rekrutieren lassen wollte, beschlossen wir, ein Forum für die Rekrutierung von Christen zu gründen. Wir luden auch Priester von der Kirche zu einem Kongress ein, der in Nazareth Ilit abgehalten wurde.“ Schlajan ist stolz darauf, dass das Forum einen christlichen Vertreter ins Rekrutierungsbüro gebracht hat.
Drohungen gegen Pater
An der Konferenz nahm unter anderen Pater Gabriel Naddaf teil. Er hatte unter den arabischen Abgeordneten einen Sturm ausgelöst, indem er junge christliche Araber ermutigte, sich für das israelische Militär einberufen zu lassen. Dem griechisch-orthodoxen Priester aus der Ortschaft Jafia wurde es deshalb untersagt, die Verkündigungskirche in Nazareth zu betreten. Auch drohte man ihm mit Entlassung. Unbekannte durchstachen seine Autoreifen und legten einen blutbeschmierten Stofffetzen auf seine Türschwelle, berichtet die Onlinezeitung „Times of Israel“.
Auf die Frage von „Israel Hajom“, wie sich die Parteianhänger definierten, antwortete er: „Zuerst als Israelis in jeder Hinsicht, und danach kommt die Religion.“ Der arabische Christ sagte weiter: „Die Leute sehen, was jetzt im Libanon, in Ägypten und in Syrien geschieht. Sie begreifen, wo wir leben. Ich sage ihnen: ‚65 Jahre hat man den kommunistischen und den arabischen Parteien gegeben. 65 Jahre haben sie nichts gemacht!‘ Gebt mir drei Jahre, ich werde zurechtkommen und eure Probleme lösen.“
Die „automatische Haltung der arabischen Parteien gegen Israel und für die Palästinenser“ hält Schlajan für dumm: „Man kann gegen ein bestimmtes Thema sein, aber der Staat tut viele Dinge.“ Deshalb müssten die Staatsbürger Partner sein. Er forderte, „dass man uns Christen als loyale Bürger des Staates anerkennt“.
Nach Angaben der „Times of Israel“ sind etwa 90 Prozent der Araber im jüdischen Staat muslimisch. In Israel leben rund 130.000 arabische Christen. Das Forum zeigt offenbar erste Folgen: Die Beteiligung der christlichen Araber am Wehrdienst hat sich seit 2010 auf 90 verdreifacht. Die „Söhne des Neuen Testaments“ plädieren ferner für eine volle Integration von Christen in allen Gebieten. Sie setzen sich für Frieden mit einem demokratischen palästinensischen Staat und allen Nachbarstaaten ein.