Antisemitismus in jordanischen Schulbüchern weiterhin stark verbreitet

Neben zarter Toleranz sind zahlreiche Unterrichtsmaterialien aus Jordanien weiterhin deutlich antisemitisch. Das zeigt eine kürzlich erschienene Studie.
Von Israelnetz
Wasserarme Stadt: Jordaniens Hauptstadt Amman wird mit Wasser aus Israel versorgt

RAMAT GAN (inn) – Jordanische Schulbücher lehren zwar Toleranz. Aber sie sind weiterhin an vielen Stellen antisemitisch. Das zeigt die im Mai erschienene Studie „Überprüfung des jordanischen nationalen Lehrplans 2025–2026“ des israelischen Forschungsinstituts „IMPACT-se“.

Die Wissenschaftler untersuchten im Rahmen der jährlichen Studie mehr als hundert Bücher von der 1. bis zur 12. Klasse. Ein besonderes Augenmerk galt den 32 Druckwerken, die vergangenes Jahr neu erschienen sind oder eine neue Auflage erhalten hatten. Unter der Lupe lagen dabei Lehrmaterialien der islamischen Erziehung, der Arabischen Sprache, Geschichte, National- und Staatsbürgerkunde, Sozialkunde und Geographie.

Erkennbar ist: Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es mehr Inhalte, die Toleranz zwischen Religionen lehren und Friedensbewegungen als erstrebenswert bewerten. Dennoch wendet sich laut den Forschern der Lehrplan nicht von antisemitischen Mustern ab und scheitert somit in der eigenen Umsetzung der neuen Inhalte.

Verschwörungstheorien zur Balfour-Erklärung

Natürliche Eigenschaften und Wesenszüge von Juden sind somit laut einem Islamkunde-Buch der 9. Jahrgangsstufe „Verrat und die Verletzung von Vereinbarungen“.

Ein Geschichtsbuch der 12. Klasse, das voriges Jahr neu erschien, bezeichnet die Balfour-Erklärung – ein britisches Dokument, das 1917 dem jüdischen Volk eine „nationale Heimstätte“ im heutigen Israel zusicherte – als jüdischen Verschwörungsakt. Laut des Lehrtextes sollen die Nachkommen Davids Amerika überredet haben, in den Ersten Weltkrieg mit einzusteigen, die Bolschewisten (heutiges Russland) zum Rückzug bewegt haben und Großbritannien durch Gelder zu einem für sie günstigen Kriegsausgang bewegt haben. Zudem hätten die „Juden“ während des Krieges die deutsche Wirtschaft zerstört und die deutsche Gesellschaft destabilisiert. Alles das, um am Ende die Grundlage für die Balfour-Erklärung zu legen.

Außerdem finden sich zahlreiche Beispiele des versteckten Antisemitismus. So sind israelische Märkte, laut Büchern des Islamunterrichts, geprägt von Monopolen, Betrug und Wucher.

Friedenserklärung ohne die Existenz Israels

Eine minimale Entwicklung zeigt sich laut der Studie in den Lehrtexten zu den Nazigräueltaten. Gelegentlich finden sich mittlerweile Hinweise darauf, dass auch Juden während des Nazi-Regimes in Deutschland zu Schaden kamen. Das fehlte in den vorigen Jahren komplett. Doch laut der wissenschaftlichen Arbeit sind es nur kleine Nuancen. Jüdische Opfer werden nur ab und an genannt und immer in Kombination mit allen weiteren Leidtragenden des Nationalsozialismus. Eine gesonderte Herausstellung der Gräueltaten gegenüber dem jüdischen Volk gibt es nicht.

Am 25. Juli 1994 schloss Jordanien Frieden mit Israel. Die Grenzen wurden vertraglich geregelt und seitdem bezieht der arabische Staat jährlich rechtmäßig Millionen Kubikmeter Süßwasser aus israelischen Gebieten. Mit diesem Hintergrundwissen heben sich Forschungsergebnisse der Studie im Bereich Geografie besonders drastisch ab. Einige der Unterrichtsmaterialien leugnen die Existenz Israels.

In einer Neuauflage eines Erdkundebuchs für Zehntklässler aus dem Jahr 2025 ist das komplette Territorium Israels als „Palästina“ bezeichnet. Neben Antisemitismus, Israel-Leugnungen und ein wenig Toleranz enthalten die Materialien laut den Wissenschaftlern auch weiterhin „Märtyrer“-Verherrlichungen.

„IMPACT-se“ ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung mit Sitz in Israel und Großbritannien. Sie untersucht weltweit Lehrmaterial und Schulbücher auf die Aspekte Ausgrenzung und Toleranz, etwa gegenüber Minderheiten oder Ausländern. Sie prüft sowohl Schulbücher als auch Lehrpläne. Die Organisation setzt sich auch für diplomatische Verhandlungen im Rahmen von Konflikten ein. Gewalt und Hass werden dabei abgelehnt. (cb)

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3 Kommentare

  1. Eine solche Untersuchung wünsche ich mir für Lehrbücher für das Fach Geschichte an staatlichen französischen Schulen…nein, keine antisemitischen Klischees, soweit ich weiss, aber der israelisch-arabische Konflikt wird extrem einseitig dargestellt. Na, ja, man kann verstehen, dass sich Lehrer zurückhalten, vor allem in den Vororten, nach der brutalen Ermordung zweier Kollegen , Samuel Paty und Dominique Bernard , durch , ähem, gekränkte Moslems. Die Shoah wird in einigen Schulbezirken nur ganz kurz gestreift.

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  2. Ich könnte mir vorstellen, daß diese Form des der schulischen Verbildung dem großen Palästinenseranteil in der Bevölkerung geschuldet ist.
    Die übrige Bevölkerung wie auch Armeeführung und Königshaus haben ein eher
    pragmatisches Verhältnis zu Israel, wenn auch nicht ganz frei von Spannungen.
    SHALOM

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