Anschlag: Israeli informierte Polizei über verdächtige Tasche

JERUSALEM (inn) - Ein aufmerksamer Bürger hat am Mittwoch offenbar noch schlimmere Folgen des Bombenanschlags in Jerusalem verhindert. Der 52-jährige Israeli entdeckte eine verdächtige Tasche und sorgte dafür, dass mehrere Jugendliche die Gefahrenzone verließen. Während er mit der Polizei telefonierte, explodierte der Sprengsatz.

Der Israeli, David Amojal, arbeitet in einem Kiosk, der 1994 durch einen Selbstmordattentäter völlig zerstört wurde. Dies hat offensichtlich seine Aufmerksamkeit geschärft. "Er sah eine verdächtige Tasche und sagte ein paar jungen Leuten, die in der Nähe standen, dass sie sich fernhalten sollten, während er die Polizei anrief", teilte der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat mit. "Während dieses Telefongesprächs explodierte der Sprengsatz. Wenn er etwas mehr Zeit gehabt hätte, dann hätte es möglicherweise weniger Opfer gegeben." Er hätte nur ein paar Minuten mehr gebraucht, um die Gegend von Zivilisten zu räumen. "Ich klatsche ihm Beifall für seine Bemühungen, es zeigt, dass jeder wachsam sein muss." Amojal wurde bei dem Anschlag nahe des zentralen Busbahnhofes verwundet, berichtet die Zeitung "Jediot Aharonot".

Todesopfer war Touristin    

Erst mehrere Stunden nach dem Attentat konnte das einzige Todesopfer identifiziert werden. Die 56-jährige Frau war im Hadassah-Krankenhaus im Stadtteil Ein Kerem ihren Verletzungen erlegen. Sie hatte weder Brieftasche noch Papiere bei sich. Auch erkundigte sich niemand nach ihr. Daraufhin kontaktierte die Klinik ausländische Botschaften und gab eine Beschreibung des Opfers durch. Auf diese Weise wurde die Identität der britischen Touristin festgestellt. Der Name wurde allerdings noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Zu dem Anschlag hat sich bislang keine Terrorgruppe bekannt. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sagte unmittelbar vor seinem Abflug nach Moskau: "Wir werden entschieden, verantwortungsvoll und umsichtig handeln, um die Ruhe und die Sicherheit zu wahren, die hier in den beiden letzten Jahren herrschten."

Beschwerde bei UN

Unterdessen wandte sich der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Meron Reuben, an UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und den Weltsicherheitsrat. In seinen Briefen äußerte er eine "schwere Besorgnis" infolge des Anschlags. Dieser sei "mit der klaren Absicht, unschuldigen Zivilisten zu schaden", verübt worden. Dem Attentat sei ein deutlicher Anstieg der Terroraktivität vorausgegangen, bei der die Hamas und andere palästinensische Gruppen absichtlich auf israelische Zivilisten zielten. In der vergangenen Woche hätten Palästinenser im Gazastreifen insgesamt 63 Granaten und vier Raketen auf Ziele in Südisrael abgefeuert, schrieb der Diplomat laut der "Jerusalem Post".

Reuben hat den Sicherheitsrat, den Generalsekretär und die internationale Gemeinschaft aufgefordert, die Angriffe in klaren Worten zu verurteilen und eine deutliche Botschaft an "diese Terroristen und ihre Gönner" zu senden.

Westerwelle verurteilt Anschlag

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte den "perfiden Anschlag" auf das Schärfste: "Für solche Taten gibt es keine Rechtfertigung", erklärte er laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes. "Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl sind bei den Menschen in Jerusalem. Den zahlreichen Verletzten wünsche ich baldige Genesung. Terror und Hass dürfen die Bemühungen um Frieden und Ausgleich in der Region nicht gefährden."

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