Meinung

Amerikas Juden wählen weiterhin demokratisch

Zwei Monate vor den Zwischenwahlen zeigt eine Umfrage, dass die Mehrheit der jüdischen Wähler in den USA die Demokraten unterstützen will. Ihre Verbundenheit mit Israel bleibt stark. Zugleich lehnt eine Mehrheit die israelische Politik ab.
Von Israelnetz

Die Debatten über Israel erschüttern die Demokratische Partei in den USA. Der zunehmende Antisemitismus beunruhigt jüdische Gemeinden. Manche schließen daraus, dass jüdische Wähler bei den Wahlen im November in großer Zahl zu den Republikanern wechseln könnten. Eine neue Umfrage bestätigt dieses Szenario nicht.

Es handelt sich um die landesweite Umfrage, die das „Jewish Voters Resource Center“ (JVRC) am 9. September 2026 veröffentlicht hat⁠. Das Meinungsforschungsinstitut GBAO Strategies befragte dafür zwischen dem 26. August und dem 1. September insgesamt 800 registrierte US-Wähler, die sich selbst als jüdisch bezeichnen. Sie wurden per SMS kontaktiert und füllten den Fragebogen online aus. Die angegebene Fehlermarge für die gesamte Stichprobe beträgt ± 3,5 Prozentpunkte. Der Fragebogen und die ausführlichen Ergebnisse⁠ sind öffentlich zugänglich.

Der Umfrage zufolge wollen 67 Prozent der Befragten bei der Kongresswahl einen demokratischen Kandidaten unterstützen, 26 Prozent einen republikanischen. Bereits im Mai hatte eine frühere JVRC-Umfrage 67 Prozent für die Demokraten ergeben. Zwei Monate vor der Wahl fällt somit vor allem die Stabilität auf. Es handelt sich allerdings um Wahlabsichten, nicht um ein Wahlergebnis.

Israel ist wichtig, entscheidet die Wahl aber nicht allein

Eine Stimme für die Demokraten bedeutet keineswegs, dass Israel den Wählern gleichgültig wäre. 71 Prozent der Befragten fühlen sich Israel emotional verbunden. Diese Verbundenheit ist jedoch keine Zustimmung zur israelischen Regierung: 67 Prozent haben eine negative Meinung von Premierminister Benjamin Netanjahu, und 65 Prozent missbilligen die Politik seiner Regierung gegenüber Gaza und dem Westjordanland.

Diese Haltungen schließen einander nicht aus. Man kann sich Israel verbunden fühlen, um seine Sicherheit besorgt sein und zugleich die Entscheidungen seiner Regierung kritisieren.

Auch für die Wahlentscheidung hat Israel einen geringeren Stellenwert, als häufig angenommen wird. Auf die Frage nach den zwei wichtigsten Themen für ihre Stimmabgabe im November nennen die Befragten zuerst die Lebenshaltungskosten mit 37 Prozent, gefolgt von der Zukunft der Demokratie mit 36 Prozent. Antisemitismus erreicht 25 Prozent, Israel 16 Prozent. Das bedeutet nicht, dass Israel den übrigen Befragten unwichtig wäre. Die Zahlen zeigen, welche Themen sie bei der Wahl eines Kandidaten an die erste Stelle setzen.

Mehrheit gegen den US-Militäreinsatz im Iran

Die Umfrage enthält auch eine konkrete Frage zum Einsatz amerikanischer Streitkräfte außerhalb der USA: „Unterstützen Sie den US-Militäreinsatz im Iran oder lehnen Sie ihn ab?“ 63 Prozent der Befragten lehnen ihn ab, von ihnen tun dies 47 Prozent entschieden. 37 Prozent unterstützen ihn.

Die Unterscheidung ist wesentlich: Die Verbundenheit mit Israel bedeutet nicht automatisch Zustimmung zu einem amerikanischen Militäreinsatz im Iran. Der Fragebogen erkundigt sich allerdings nicht nach den Gründen für die Ablehnung. Man kann sie deshalb weder auf ein einziges Motiv zurückführen, noch als grundsätzliche Ablehnung aller Auslandseinsätze deuten.

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Für die Wahlentscheidung steht der Iran ohnehin nicht im Mittelpunkt: 5 Prozent der Befragten zählen den Krieg im Iran zu ihren beiden wichtigsten Themen für November. 11 Prozent nennen allgemeiner die nationale Sicherheit und die Außenpolitik.

Eine gemeinsame Sorge, unterschiedliche politische Antworten

Antisemitismus nimmt in der Umfrage einen besonderen Platz ein: 89 Prozent der Befragten sind darüber besorgt. Diese weitverbreitete Sorge führt jedoch nicht alle jüdischen Wähler zur selben Partei.

Die Gemeinschaft ist politisch keineswegs einheitlich. In der Umfrage neigen orthodoxe Befragte deutlich stärker zu den Republikanern als andere Gruppen. Sie nennen Israel auch wesentlich häufiger als eines ihrer beiden wichtigsten Wahlthemen als Befragte ohne besondere religiöse Zugehörigkeit. Die Ergebnisse für diese kleineren Teilgruppen sind allerdings vorsichtiger zu interpretieren.

Der Faktor Trump

Eine weitere Zahl hilft, den Vorsprung der Demokraten zu verstehen: 75 Prozent der Befragten missbilligen Donald Trumps Amtsführung als Präsident. 70 Prozent sind darüber besorgt, dass er das Ergebnis der Wahlen von 2026 möglicherweise nicht akzeptieren könnte.

Die Umfrage kann nicht belegen, was die Entscheidung jedes einzelnen Wählers bestimmt. Sie zeigt aber, dass das Urteil über den Präsidenten, die Lebenshaltungskosten und die Zukunft der demokratischen Institutionen für die Befragten eine zentrale Rolle spielen. Israel und die amerikanische Militärpolitik gehören zu diesem Bild, erklären es aber nicht allein.

Das Ergebnis der JVRC–GBAO-Umfrage vom September 2026 ist damit eindeutig: Trotz der Spannungen um Israel will eine deutliche Mehrheit der befragten jüdischen Wähler weiterhin demokratisch wählen. Ob sich diese Absicht im November bestätigt, bleibt abzuwarten.

Von: Francis Moritz

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15 Kommentare

  1. Welche Partei jüdische US-Amerikaner wählen ist ihre Sache, sie sollten nur darauf achten, dass die Politik der von ihnen gewählten Partei für sie hilfreich ist.

  2. Wäre ich in der Theorie US-Bürger, würde ich die Demokraten wählen; in Israel unterstütze ich Yesh Atid; und in Deutschland habe ich bereits FDP sowie CDU/CSU gewählt – wenngleich ich mich bei der Bundestagswahl 2025 enthielt. Da ich mich jedoch im Alltag in liberalen Milleu bewege, teile ich viele Ansichten mit der Mehrheit der jüdischen Wähler in den USA: Unterstützung für LGBTQ-Rechte, Bürgerrechte und Religionsfreiheit; eine entschiedene Haltung gegen Antisemitismus und Rassismus; sowie eine pro-israelische Position, die dennoch Kritik an Netanjahus Koalitionsregierung übt.

    Dies wird hier treffend beschrieben:

    (Man kann sich Israel verbunden fühlen und um dessen Sicherheit besorgt sein, während man gleichzeitig die Entscheidungen seiner Regierung kritisiert).

    Genau das tue ich: Israel wird mir immer am Herzen liegen, doch ich kritisiere die Regierung scharf – ohne dabei die Grenzen der IHRA-Definition zu überschreiten, die ich übrigens als die einzig relevante Basis betrachte.
    Es bleibt jedoch die Tatsache, dass Benjamin Netanjahu Israel in eine beispiellose Isolation geführt und die israelische Gesellschaft tiefer gespalten hat als jeder andere Premierminister es tat. Seine Vorwürfe gegenüber EU-Staaten – sie würden einen palästinensischen Staat lediglich anerkennen um die eigene muslimisce Bevölkerung zu befriedigen– dienen nur dazu, von seinem eigenen Versagen abzulenken.
    Denn ich möchte auch nicht, dass pro-israelische Rhetorik als rein taktisches Instrument missbraucht wird, um Vorurteile gegen Muslime und Migranten zu schüren.

    (Fortsetzung folgt)

  3. (Fortsetzung)

    Damit kommen wir zu einem weiteren Thema: Wir dürfen Rechtspopulisten niemals die Deutungshoheit darüber überlassen, was der Schutz jüdischen Lebens bedeutet. Für mich ist der Schutz von Juden in Deutschland eine verfassungsrechtliche Verpflichtung, die in der Unantastbarkeit der Menschenwürde jedes Einzelnen wurzelt – völlig unabhängig von Herkunft oder Religion.

    Zurück zu den USA: Der Grund, warum israelkritische Politiker innerhalb der Demokratischen Partei – wie etwa Zohran Mamdani oder AOC – beständig Unterstützung finden, liegt bei AIPAC.
    In der Vergangenheit habe ich die Existenz von AIPAC bewundert und verteidigt – als legitimes und notwendiges Instrument des amerikanischen politischen Systems zur Sicherung der strategischen und militärischen Zusammenarbeit.
    Heute jedoch hat AIPAC die Solidarität mit Israel an die Republikaner gekoppelt und sie zu einem rein republikanischen „Kulturkampfthema“ gemacht – wodurch die demokratische Basis vor den Kopf gestoßen und israelkritische Progressive bestärkt werden. Letztendlich hat dies die demokratische Wählerbasis sowie die Mehrheit der amerikanischen Juden – die traditionell für liberale und demokratische Kandidaten stimmen – vor den Kopf gestoßen.

    AIPAC hätte auch Pro-israelische Demokraten wie Anthony Blinken, Kamala Harris und Chuck Shumer den Rücken stärken sollen, stattdessen hatte man jede Form von Nuancierter Kritik an der israelischen Regierung mit massiven finanziellen Druck bekämpft.
    So wurde Israel zum wichtigsten Wahlkampfthema in den USA.

    1. Sehr gut, Gideon 👍🏻. Ich sehe das auch so – dass AIPAC das Bündnis mit Israel parteilich im rechtskonservativen Flügel der Republikanischen Partei rund um Donald Trump verankert hat.

      OT: Ich lese gerade Berichte, wonach sich Ferhat Kocak möglicherweise zurückziehen könnte. Bedeutet das einen kompletten Rückzug aus der Politik? Meine Meinung zu diesem Mann ist eindeutig: Ich möchte sein Gesicht weder im Bundestag noch in irgendeiner politischen Partei sehen.

      1. Grüße, Sarah. Leider nicht; es handelt sich lediglich um einen vorübergehenden Rückzug aus dem öffentlichen Leben und von seinen parlamentarischen Pflichten.
        Aber ja, ein solcher Hetzer und Unterstützer des Terrorismus hat in einer politischen Partei nichts zu suchen.

  4. Seit Jahrzehnten träume ich vom ersten jüdischen US-Präsidenten – besonders nachdem 2008 mit Obama der erste Afroamerikaner ins Weiße Haus eingezogen ist. Vielleicht wird Rahm Emanuel seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2028 bekannt geben; sollte dies geschehen, werde ich darauf hoffen, dass wir am 20. Januar 2029 den ersten jüdischen US-Präsidenten im Weißen Haus erleben.

    1. Das übersteigt Ihren Kopf Albert, denken Sie nicht zu viel darüber nach. Ihr Gärtner Ernesto erklärt es dann Ihrer Frau.

      Dass die Amerikaner immer israel kritischer werden, dürft ihr dem Bibi verdanken. Er hat das eigene Volk gespalten, das Land international isoliert und den Antizionismus weltweit angekurbelt. Das Ziel dahinter? Vom eigenen Versagen ablenken, von der Korruption ablenken und auch vom eigenen Wissen über den 7.10, vor dem 7.10 ablenken. Damals ist die Shin Bet Spitze zurückgetreten mit den Worten das Bibi Bescheid wusste. Das wurde dementiert. Vor ein paar Wochen hat sich aber wieder rausgestellt das Ägypten die israelische Regierung gewarnt hätte. Bibi hat das nicht ernst genommen oder böse Zungen behaupten er hat es mit Absicht geschehen lassen.

      1. @Blub
        Die Juden werden in der ganzen Welt bedroht, auch in Amerika und versuchen die Antisemiten mit Kritik an Israel zu besänftigen.

      2. Dein Beitrag vermischt Tatsachen, Vermutungen und persönliche Bewertungen, als wären sie dasselbe. Kritik an Netanyahu ist legitim, aber die Behauptung, er habe vom 7. Oktober gewusst oder den Angriff sogar toleriert, ist bislang nicht belegt. Dass es Warnungen gab oder Fehler gemacht wurden, bedeutet nicht automatisch, dass ein Angriff bewusst zugelassen wurde. Wer einen derart schweren Vorwurf erhebt, sollte dafür belastbare Beweise liefern und nicht Spekulationen als Fakten präsentieren.

  5. Vielen Dank für den Bericht. Ich kann den Wähler-Willen nicht so recht einschätzen, aber es gibt mehrere Asprekte, auch bei Präsident Trump. Ich hätte mir NIkkey Harley als Präsidenten gewünscht, aber die Wünsche gehen nicht immer in Erfüllung, und bei den Demokraten gibt es viele Tendenzen GEGEN Israel. Aber viel schlimmer ist Deutschland: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland ! Ich hoffe, Berlin schafft die Wende mit KENIA, gegen den antisemtischen Abgrund der LInken Berlin. In den USA sehe ich das Problem, dass D.Trump krank narzistisch ist und keiner sich traut, dieses zu sagen, wenn dieser bei den Republikanern tätig ist. Demokraten / Republikaner, da geht es für mich um mehr als nur die Frage nach Israel, es geht allgemein die Frage, wer überhaupt noch DEMUT hat und nicht den Nationalen Wahnsinn betreibt. Nicht MAGA, sondern der liebe Gott ist entscheidend, USA sollte zurückkehen zu einem Pro-Jüdischen Christentum, am besten in beiden Partien, die dann auch von Juden beiderseits wählbar sind.
    Die Zeit in den 80er Jahren war VIEL VIEL besser, heute ist der Abgrund in dieser Welt, bis dass sich die Wende zum Guten einstellt. Nur mit Israel und dem biblischen GLAUBEN !!

  6. Dein Beitrag leidet an einem Problem, das man bei vielen westlichen Liberalen beobachten kann: Er setzt voraus, dass alle Akteure dieselben Werte teilen wie du.

    Du sprichst von Menschenrechten, Vielfalt, Kompromissen und Dialog. Das klingt nobel. Nur leider interessiert sich ein Teil der Gegenseite weder für LGBTQ-Rechte noch für Religionsfreiheit oder pluralistische Demokratie. Dort werden Märtyrertum, Judenhass und die Vernichtung Israels teilweise nicht als Problem, sondern als Tugend betrachtet.

    Genau deshalb wirkt deine Analyse so unausgewogen. Netanyahu wird seitenlang kritisiert, AIPAC wird beschuldigt, die Demokraten entfremdet zu haben, und der Rechtspopulismus wird als Gefahr dargestellt. Alles legitime Diskussionen. Aber wo bleibt dieselbe Leidenschaft bei der Kritik an denjenigen, die Terror rechtfertigen, Hamas-Massaker relativieren oder offen von einem Ende Israels träumen?

    Das eigentliche Problem ist doch: Viele Menschen verlangen von Israel, sich wie Schweden zu verhalten, während seine Geg

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