Alle Jahre wieder: Antisemitische Fernsehserie zu Ramadan

Auch in diesem Jahr strahlt ein arabischer Fernsehsender im islamischen Fastenmonat Ramadan eine antisemitische Serie aus. Darin geht es um angebliche Pläne der Juden, die Weltherrschaft zu erlangen.

Die syrische Serie „Al-Schatat“ („Diaspora“) läuft in 30 Folgen auf „Al-Manar“, dem Sender der radikal-islamischen Hisbolla („Partei Allahs“). Inhalt ist die „Geschichte des Zionismus von 1812 bis zur Staatsgründung“. Die Produzenten betonen, sie hätten sich auf „berühmte und authentische jüdische und zionistische Dokumente“ gestützt, berichtet der Nachrichtendienst des „Middle East Media Research Institute“ (MEMRI). Darunter seien „die Tora, der Talmud, die Erinnerungen von Theodor Herzl“.

Zu Beginn der ersten Folge, die am 27. Oktober ausgestrahlt wurde, erhalten die Zuschauer die einführende Erklärung: „Vor 2.000 Jahren errichteten die jüdischen Weisen eine weltweite Regierung, die die Weltherrschaft zum Ziel hatte…“ Dies erinnert an die „Protokolle der Weisen von Zion“, ein antisemitisches Machwerk des 19. Jahrhunderts, in dem angeblich eine jüdische Weltverschwörung zur Beherrschung der Erde aufgedeckt wird. Die Produzenten streiten hingegen jede Verbindung zu dem Pamphlet ab.

Die erste Szene zeigt den Frankfurter Juden Amschel Rothschild auf dem Sterbebett. Er beauftragt seine fünf Söhne, die um ihn versammelt sind: „Bringt die Besten der Nichtjuden um, zerstört ihre Religion, verwüstet ihre Ländereien… Der Messias und Erlöser wird erst kommen, wenn alle nicht-jüdischen Völker ausgelöscht sind und die Herrschaft allein in den Händen der Juden liegt.“

Gott habe die Juden „mit dem Auftrag geehrt, die Welt durch Geld, Wissen, Politik, Mord, Sex und jedes andere Mittel zu beherrschen“, fügt der Sterbende hinzu. „Es ist der Auftrag der (jüdischen) Regierung, die jüdische Religion zu bewahren und die Welt zu beherrschen, die ganze Welt, mit treuen Agenten, die in die ausländischen Regierungen eindringen und ihnen ihren Standpunkt und ihre Ansichten aufzwingen. Europa muß in Kriegen und inneren Konflikten verbrannt werden.“

Rothschild teilt seinen Söhnen mit, daß er jedem von ihnen genügend Geld hinterlassen habe, um ihn zum reichsten Mann der Welt zu machen. Allerdings sei dies allein nicht ausreichend: „Jeder von euch muß wissen, wie man Umstände, Ereignisse und die schwachen Seiten der anderen nutzt, indem man die perversesten Methoden anwendet. Auf diese Weise werdet ihr die Welt beherrschen…“

Jeder Sohn erhält die Aufgabe, für die Zerstörung eines bestimmten Landes zu sorgen. Betroffen sind Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich und der Vatikan. Auf Geheiß des Vaters schwören die fünf bei der Tora, daß sie Gottes Willen ausführen werden.

In der nächsten Szene tagt 82 Jahre später, im Jahr 1894, die jüdische Weltregierung in Paris. Ein chassidischer Rabbi macht den Vorschlag, Zar Alexander III. umzubringen, und zwar möglichst „ohne Lärm“. Er selbst erhält den Auftrag, den Mord auszuführen. Der Grund: Der russische Herrscher strebt danach, die orthodoxe und die römisch-katholische Kirche zu vereinigen. „Das würde bedeuten, daß zwei Drittel der Christen in der Welt zu einer Einheit werden“, erklärt der Vorsitzende der jüdischen Regierung. Er beendet die Konferenz mit den Worten: „Die gegenwärtige Epoche des internationalen Gleichgewichts darf nicht weitergehen. Macht alles, was nötig ist, um die Deutschen aufzuhetzen, damit sie einen Krieg beginnen.“ Einen Monat später ist der russische Herrscher vergiftet.

Zum historischen Hintergrund: Der Zar übernahm 1881 die Macht von seinem Vater, Alexander II., der bei einem politischen Bombenanschlag getötet worden war. Er selbst entging 1887 nur knapp einem Attentat. 1894 starb Alexander III. – von einem Giftanschlag ist allerdings nichts bekannt.

Nach dem Tod des Zaren beschließen die Juden in der Serie, den General Alfred Dreyfus in die französische Regierung einzuschleusen. Dieser soll verhindern, daß die Beziehungen zu Rußland sich verbessern. In einer Szene trifft sich Theodor Herzl mit seiner Geliebten, einer Bordellbesitzerin. Während des Gesprächs erscheint Dreyfus und verlangt die Prostituierte Christine. Bei einem weiteren Treffen bittet Herzl seine Freundin um eine große Summe Geld, weil er einen Judenstaat gründen will. Damit endet die erste Folge der syrischen Serie.

Der jüdische General Alfred Dreyfus war 1894 zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt worden, weil er angeblich militärische Geheimnisse an das Deutsche Reich verraten hatte. Fünf Jahre später wurde das Verfahren wieder aufgenommen – auch dank eines offenen Briefes des Schriftstellers Emile Zola an den französischen Präsidenten: „J´accuse“ („Ich klage an“). Dreyfus wurde begnadigt, doch erst im Jahr 1906, als das belastende Material als Fälschung entlarvt war, wurde er vollständig rehabilitiert und zum Major befördert.

Während des Prozesses gegen Dreyfus berichtete der aus Österreich stammende jüdische Journalist Theodor Herzl für die Wiener „Neue Freie Presse“ über die Ereignisse in Frankreich. Er beobachtete, wie sich antisemitische Stimmen im einfachen Volk und auch in höchsten Armeekreisen verstärkten. Es kam zu Ausschreitungen gegen Juden. Unter dem Eindruck der „Dreyfus-Affäre“ entwickelte Herzl seine Idee von einem eigenen Staat, in dem Juden gegen Antisemitismus geschützt sein würden. Die von ihm gegründete Bewegung wurde als „Zionismus“ bezeichnet. 1897 fand in Basel der erste zionistische Kongreß statt.

Per Satellit ist die Serie „Diaspora“ auch in Europa und den USA zu empfangen. Unterdessen wandte sich das US-State Department an die libanesische und die syrische Regierung und beschwerte sich über die Sendung.

Dies ist nicht das erste Mal, daß in islamischen Staaten zum Ramadan antisemitische Filme gezeigt werden. Im vergangenen Jahr gab es eine ägyptische Serie mit dem Titel „Ritter ohne Pferd“, die ebenfalls auf den „Protokollen der Weisen von Zion“ basierte. Der arabische Fernsehsender „Abu Dhabi“ strahlte vor zwei Jahren mehrere antisemitische Satiren aus, die in Kuwait produziert worden waren. Darin wurde Israels Premierminister Ariel Scharon in der Kleidung eines orthodoxen Juden gezeigt, wie er das Blut arabischer Kinder trank. In einer anderen Sendung griff Dracula Scharon an und starb, weil sein Blut vergiftet war.

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