Algerischer Schriftsteller: Hamas und Iran für 7. Oktober bestrafen

Für den algerisch-französischen Schriftsteller Boualem Sansal ist das Massaker vom 7. Oktober eine der größten Gräueltaten der Geschichte. Wegen seiner Freundschaft mit Israel sei er inhaftiert worden, sagt er in einem Interview.
Von Israelnetz

PARIS / JERUSALEM (inn) – Der algerisch-französische Schriftsteller Boualem Sansal hat seine Unterstützung für Israel bekräftigt. Im Gespräch mit dem israelischen Sender „Kan“ bezeichnete er es als „wunderbares Land“. Das Interview wurde am Mittwoch im Programm „Die internationale Stunde“ ausgestrahlt.

Sansal wurde im November 2024 am Flughafen der Hauptstadt Algier festgenommen, als er sich auf der Rückreise von Frankreich nach Algerien befand. Wegen „Verletzung der nationalen Sicherheit“ wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt. Anlass waren nach offiziellen Angaben kritische Äußerungen in französischen Medien. So hatte er etwa die marokkanische Souveränität über die Westsahara befürwortet und um deren Anerkennung durch Frankreich geworben.

Doch für den 77-Jährigen stand ein anderer Grund im Vordergrund: „Meine Freundschaft mit Israel ist in Wirklichkeit die tiefste Ursache für alles, was das Regime mir angetan hat. Aus Sicht des Präsidenten war es unerträglich, vor allem, weil ich meine Unterstützung für Israel bei jeder Gelegenheit äußerte. Als jemand, der für die Redefreiheit kämpft, weigerte ich mich, mich zensieren zu lassen oder mich zu fürchten. Das Regime befürchtete, dass ich zu einem Vorbild für andere würde.“

Keine Festnahme nach Israelbesuch

Bereits 2012 hatte Sansal den jüdischen Staat besucht. Er sei überzeugt gewesen, „dass ich bei meiner Rückkehr nach Algerien festgenommen würde, dass man mich foltern und für viele Jahre ins Gefängnis gesteckt würde. Doch zu meiner Überraschung geschah das nicht“, sagte er im Gespräch mit „Kan“.

Als Grund machte er die Strategie des damaligen algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika aus: „Er war ein weiser Mensch und begriff, dass meine Festnahme eine weltweite Protestwelle gegen ihn auslösen wurde. Deshalb zögerte er.“ Das aktuelle Regime unter Abdelmadjid Tebboune habe sich hingegen für den Weg des Terrors entschieden. „Seit er 2019 an die Macht kam, führt er ein Regime von Furcht und Unterdrückung und hat Tausende Menschen festnehmen lassen.“ Er selbst sei eines dieser vielen Opfer gewesen.

Die Inhaftierung stieß in der Tat auf internationale Kritik. Das PEN-Zentrum Deutschland forderte die sofortige Freilassung des Trägers des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels von 2011. Deutsche und französische Spitzenpolitiker, unter ihnen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, übten Druck auf das algerische Regime aus. Daraufhin begnadigte Tebboune den Schriftsteller ein Jahr nach der Verhaftung. Sansal wurde in Deutschland medizinisch behandelt. Derzeit lebt er in Frankreich.

Sein Gesundheitszustand sei immer noch schlecht, sagte er in dem Interview: „Ich beginne zwar, mich besser zu fühlen. Aber wenn man aus solch einem Gefängnis herauskommt, bleibt man lange Zeit gebrochen, seelisch und körperlich.“ Er fügte hinzu: „Algerien ist eine Diktatur und die Gefängnisse dort sind erschreckende Orte.“ Da er schon vor der Inhaftierung krank war, hätte er nicht mehr lange durchgehalten. „Ich wurde im letzten Augenblick freigelassen.“

„Algerien unterstützt Akteure vom 7. Oktober“

Sansal äußerte sich auch zum Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023: „Das war eine der größten Gräueltaten in der Geschichte. Auch die Entführung der Geiseln war eine große Schreckenstat. Man muss die Verantwortlichen ausfindig machen und bestrafen. Aber das reicht nicht. Man muss diejenigen bestrafen, die die es ermöglichten, dass diese Schreckenstat geschah – Hamas, Hisbollah und Iran. Algerien ist zwar nicht direkt beteiligt, aber es unterstützt diese Akteure.“

Auf die Frage nach einer Botschaft an Israel erwiderte der Algerier: „Bleibt weiter mutig, wie ihr es schon immer wart. Ich möchte ihnen sagen, dass ich nicht der einzige bin, der diesem wunderbaren Land und seinem großen Volk freundschaftlich gesinnt ist. Viele denken so, aber sie haben nicht den Mut, es laut auszusprechen. Mut, wie jede Eigenschaft, kann man lernen und entwickeln.“ (eh)

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6 Kommentare

    1. @ das stimmt, lieber Albert, Boualem Sansal ist ein guter Mann und ein mutiger Mann ! Er ist, wen wundert es, Zielscheibe von verbalen Attacken der Islamisten – von denen es in Frankreich leider eine grosse Auswahl gibt – und nicht zuletzt der radikalen Linken, vor allem der antisemitischen LFI. Sansal scheut sich nicht, Antisemitismus zu benennen, sei es der „traditionelle“ aus dem rechten Dunstkreis, sei es der im Islam verankerte. Damit macht man sich nicht nur unbeliebt, sondern bringt sich in Lebensgefahr. Aber der über 80jährige Mann, der an Krebs leidet, macht unverdrossen weiter. Wie Salman Rushdie. Hoffentlich passiert ihm nicht das gleiche…LG in die Toskana

  1. Shalom,Ich würde Ihm ein Bleiberecht in Israel anbieten und das uneingeschränkte Leben als Staatsbürger,Und eine uneingeschränkte Behandlung die seine Gesundheit wieder in Ordnung bringt. Er ist keine Gefahr für Israel. Jerusalem

    1. Jerusalem @ Boualem Sansal hat seit einiger Zeit die französische Staatsbürgerschaft und fühlt sich als Franzose, was ihn nicht hindert, die französische Politik zu kritisieren. Er hat es halt mit der Demokratie, der Gute.

  2. Interessant, wie in vllt vielen anderen Ländern, das Menschen offensichtlich FÜR und nicht gegen Israel sind, trotz der vielen Lügen, Verdrehungen, Täter-Opfer-Umkehr… es gibt offensichtlich überall Menschen, die dem nicht auf dem Leim gehen, obwohl sie für das Aussprechen der Wahrheit ins Gefängnis müssen, gefoltert und teilweise getötet werden.
    Unfaßbar mutige Menschen. Für mich sind dies die Heiligen unserer Zeit.
    Hoffentlich kann Boalem Sansal seinen körperlichen und psychischen Zustand weiterhin verbessern und genesen.
    Ich wünsche ihm, dass er nun in einer „sicheren Umgebung“ ist, und soviel als möglich ins Leben zurück findet.
    G’tt segne und schütze ihn.

  3. Danke an Israelnetz und eh für diesen herzerwärmenden Artikel über Boualem Sansal, aber auch für die weiteren enthaltenen Informationen, die nicht so positiv sind!

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