Al-Qaida wird von den USA unterstützt

TRIPOLIS (inn) - Das Chaos in der arabischen Welt, darunter in Libyen, dem Jemen und Syrien, ist inzwischen so groß und undurchsichtig geworden, dass möglicherweise die USA ungewollt sogar die mysteriöse Al-Qaida-Organisation unterstützen. Niemand weiß genau, wer eigentlich die Rebellen in Libyen sind, wer sie lenkt oder wie ihre Anführer heißen. Es wird vermutet, dass sich auch extremistische Gruppen profilieren und dabei mitmischen.

"Spiegel online" berichtet über Mitglieder der Al-Qaida, die angeblich nach Libyen eingesickert seien, um die Lage auszukundschaften und in dem nordafrikanischen Land eine neue Basis für ihre weltweiten terroristischen Aktivitäten zu etablieren.

Aktueller Anlass ist ein Konvoi von Kleinlastern nach Mali, beladen mit geplünderten Waffen aus Arsenalen der libyschen Armee. Die Nachrichtenagentur Reuters habe die Information von algerischen Beamten erhalten. Der Sprecher des amerikanischen State Departement, Mark Toner, äußerte sich am Montag zu der Entdeckung geschmuggelter libyscher Waffen in Mali durch algerische Sicherheitskräfte: "Wir haben unsere Sorgen sehr deutlich gemacht, und sie (die Algerier) haben versprochen, sich darum zu kümmern."

So wie unbekannt ist, wer sich unter die Rebellen beim Aufstand gegen Muammar Gaddafi mischt, ist seit Jahren auch unbekannt, wer eigentlich zur Al-Qaida gehört und wie diese Organisation strukturiert ist. Einige ihrer namhaften Anführer sind tot oder verhaftet. Osama Bin Laden veröffentlicht nur selten ein Lebenszeichen. Als die Rede von geplanten Anschlägen der Al-Qaida im Sinai die Rede war, redeten israelische Sicherheitskreise eher von "der Al-Qaida-Ideologie nahestehenden Beduinen", und nicht von organisierten Al-Qaida-Kommandos. Auf Anfrage sagten israelische Sicherheitsexperten, dass Al-Qaida heute eher ein Oberbegriff für islamistischen Terror sei und nicht eine hierarchische Organisation mit Befehlshabern und Kämpfern.

Die Möglichkeit, dass nicht nur hochqualifizierte Luftabwehrraketen russischer Bauart vom Typ Strella in die Hände von Terrorgruppen fallen könnten, hat kürzlich der israelische Forscher Schmuel Bar in Jerusalem bei einer Tagung geäußert. Die chaotischen Zustände in Pakistan ließen Befürchtungen aufkommen, dass radioaktives Material und sogar Atombomben in die Hände terroristischer Gruppen wie Taliban, Al-Qaida oder andere fallen könnten.

Al-Qaida hat schon im November 2002 bewiesen, dass diese Gruppierung über Strella-Raketen verfügt. Auf dem Flughafen von Mombasa in Kenia wurde eine Boeing 757 der israelischen Arkia Airlines mit 271 Passagieren an Bord mit zwei Strella-Raketen beschossen. Einer der Passagiere, der mit dem Piloten befreundet ist, erzählte, dass das Flugzeug nur entkommen sei, weil der Pilot nicht von der vorgegebenen Startbahn aus losgeflogen sei und erfahrungsgemäß Ausweichmanöver gemacht habe. Mit diesen russischen Strella-Raketen seien jedoch laut "Spiegel" schon dutzende amerikanische, israelische und andere Kampfflugzeuge und sogar Passagiermaschinen abgeschossen worden.

"Massenvernichtungswaffen an Hisbollah und Libanon"

Am vergangenen Freitag veröffentlichte der israelische Nachrichtendienst "Debka" mit Spezialisierung auf geheimdienstliche Fragen, dass angeblich libysche Rebellen an die Terror-Organisationen Hisbollah im Libanon und Hamas im Gazastreifen zum Preis von mehreren Millionen Dollar in bar 2.000 Artilleriegranaten gefüllt mit Senfgas und 1.200 Granaten mit Nervengas verkauft hätten. Israelische und amerikanische Geheimdienste hätten den Transport dieser geächteten Massenvernichtungswaffen auf dem Weg bis in den Sudan beobachtet. Der Transport sei von iranischen Agenten begleitet und von Kämpfern der Hamas und Hisbollah bewacht worden. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben liegt nicht vor.

Dass diese Behauptungen nicht ganz aus der Luft gegriffen sind, bestätigte sich am Montag gegen 22 Uhr, als "unbekannte Flugzeuge amerikanischer Bauart" ein Auto nahe Port Sudan angriffen und zwei Insassen töteten. Der Sudan behauptet, dass es israelische Flugzeuge waren. Einer der Getöteten sei ein Sudanese, über die Identität des zweiten getöteten Mannes wurde bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Khartum nichts gesagt. Israel hüllt sich wie üblich in Schweigen.

Im Jahr 2009 hatten mutmaßlich israelische Flugzeuge einen Lastwagenkonvoi im Sudan angegriffen, der angeblich Waffen über Ägypten zur Hamas im Gazastreifen schmuggeln sollte. Im vergangenen Monat hat die israelische Marine zudem einen deutschen Frachter unter liberianischer Flagge im Mittelmeer aufgerieben und zwei mit Waffen gefüllte Container für die Hamas gefunden. Die Gebrauchsanweisungen auf Persisch waren ein Hinweis auf die Herkunft der Waffen, die im syrischen Hafen von Latakija auf den Frachter geladen worden sind, als zeitgleich dort ein Kriegsschiff und ein Frachter aus dem Iran nach ihrer Passage durch den Suezkanal angelegt hatten.

Solange die syrische Präsidentenfamilie des Baschar Assad mit Gewalt und vielen toten Demonstranten in Daraa, Latakija und sogar in Damaskus die Kontrolle über das Land halten kann, könnte die nahöstliche Region noch einigermaßen stabil bleiben, obgleich Syrien eine Drehscheibe des Terrors und des Waffenschmuggels vor allem an Hamas und Hisbollah ist, und die meisten palästinensischen Extremistengruppen über Büros in Damaskus verfügen. Chaotische Verhältnisse wie in Libyen könnten verheerende Folgen haben, denn Syrien gilt als weltgrößter Produzent von Giftgas und biologischen Kampfstoffen.

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