Äthiopier-Gedenken: Rivlin räumt Fehler im Umgang mit Gemeinde ein

JERUSALEM (inn) – Israels Staatspräsident Reuven Rivlin hat einen falschen Umgang mit der äthiopischen Gemeinschaft im Land eingeräumt. „Wir haben nicht genügend zugehört“, sagte der Politiker beim offiziellen Gedenken der Äthiopier am Sonntag.
Präsident Rivlin sprach am Sonntag zur äthiopisch-israelischen Gemeinde.
Am Wochenende gedachte die äthiopisch-israelische Gemeinde der Menschen, die auf ihrem Weg in den jüdischen Staat ums Leben gekommen sind. Bei der Veranstaltung mahnte Staatspräsident Rivlin, stärker die Belange der äthiopischen Juden zu beachten. „Wir haben nicht hingesehen, wir sind nicht richtig damit umgegangen und wir haben nicht genügend zugehört“, sagte er auf dem Friedhof des Herzl-Bergs in Jerusalem. Weiter sagte Rivlin laut der Online-Zeitung „Times of Israel“: „Der Staat Israel darf nicht zulassen, dass sich die Besten seiner Töchter und Söhne abgetrennt und entfremdet fühlen.“

„Kein Platz für Rassismus und Diskriminierung“

Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte die Immigration bei der Gedenkveranstaltung für abgeschlossen und sagte laut Mitteilung seines Büros: „Meine Brüder und Schwestern äthiopischer Herkunft, ihr seid Israelis im wahrsten Sinne des Wortes, Fleisch von unserem Fleisch.“ Netanjahu betonte die Wichtigkeit, dass alle Schüler diese Geschichte kennen sollten. Deswegen habe er das Bildungsministerium angewiesen, ihre „Geschichte mit all der Pracht und Würde und den Schmerzen in den Schulen zu verbreiten“. Es gebe ein klares Prinzip: „In unserer Gesellschaft ist kein Platz für Rassismus und Diskriminierung.“ In den vergangenen Jahrzehnten organisierte Israel mehrere Transporte äthiopischer Juden über den Sudan nach Israel. Hunderte oder, nach manchen Schätzungen, tausende Menschen starben auf ihrem Weg in die sudanesischen Lager, von wo sie nach Israel gelangten. Viele Äthiopier beklagen, dass Israel nicht genügt für sie tue. In den vergangenen Wochen demonstrierten sie mehrfach gegen Diskriminierung und Polizeigewalt. Für Montag ist eine weitere Demonstration in Tel Aviv geplant. Aktueller Auslöser der Proteste war ein Video, das zeigt, wie Polizisten einen aus Äthiopien stammenden israelischen Soldaten misshandeln. Infolge der Demonstration sagte Netanjahu: „Wir müssen die israelische Gesellschaft in Ordnung bringen“, und bezog sich auf „tiefe Probleme“, die gelöst werden müssten. Vergangenen Dienstag nahmen Anführer der Protestbewegung an einer Diskussion in der Knesset zum Thema Rassismus gegen Äthiopier teil. Die Politiker hörten sich unter anderem einen Zeugen an, der über Vorfälle von Rassismus und Polizeigewalt berichtete. (ms)

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