Äpfel und Honig: Rosh HaShana 5763

Am Abend des 6. Septembers 2002 feiern Juden in aller Welt den Beginn des Jahres 5763 nach der Erschaffung der Welt. In diesem Jahr fällt der Neujahrstag Rosh HaShana auf einen Shabbat. Die hebräische Bezeichnung des Festes, das zwei Tage lang gefeiert wird, heißt wörtlich „Haupt des Jahres“. Das Anzünden der Kerzen sowie der Segen über Wein und Brot, der Kiddush, leiten die feierliche Mahlzeit ein. Anstatt – wie sonst beim Kiddush – Salz auf das Brot zu streuen, tauchen Juden das Brot an diesem Abend in Honig. Zum Festmahl gehören Äpfel, die man ebenfalls mit Honig ißt. Dies drückt die Hoffnung auf ein „süßes“ Jahr aus.

Rosh HaShana ist der erste von zehn Bußtagen, die mit dem Versöhnungstag Yom Kippur ihren Abschluß finden. Er gilt als Gerichtstag, an dem Gott das Urteil über Juden und Nichtjuden fällt. Dieses wird am letzten Bußtag besiegelt. In diesem Zeitraum, der vom ersten bis zum zehnten Tishri dauert, besteht die Möglichkeit zur Selbstbesinnung, Reue und Bitte um Versöhnung. Am Yom Kippur bitten Juden Gott um Vergebung für die Sünden des vergangenen Jahres.

Eine Tradition, welche die Vergebung verdeutlicht, ist das „Tashlich“. Vor dem Nachmittagsgebet des ersten Tages von Rosh HaShana nehmen Juden kleine Steine in ihren Kleidertaschen mit und werfen sie in einen Fluß oder See. Dies erinnert an Gottes Versprechen, die Sünden ins äußerste Meer zu werfen und zu vergessen.

Die Bibel bezeichnet den Neujahrstag als „Tag des Posaunenschalls“. Das Widderhorn Shofar, das an Rosh HaShana geblasen wird, ruft zur Besinnung auf und dient dem Lob des Schöpfers. Wenn das neue Jahr an einem Shabbat beginnt, wird der Shofar nicht geblasen. In der Synagoge dominiert die weiße Farbe, die für Reinheit steht. In den Gebeten wird Gott bevorzugt als „König“ angesprochen, was seine Autorität betonen soll. Ein Beispiel für bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Schöpfer ist die „Akedat Jitzchak“, die Bindung Isaaks. Abraham war bereit, seinen einzigen Sohn zu opfern, weil Gott dies geboten hatte. Diese biblische Geschichte spielt bei dem Fest eine besondere Rolle.

An den ersten Tagen des jüdischen Jahres, das immer im Herbst beginnt, begrüßen Juden einander mit dem Wunsch: „mögest du zu einem guten Jahr ins Buch des Lebens eingetragen und besiegelt sein“. Dieser Gruß bezieht sich auf das Buch, in dem Gott die Taten der Menschen notiert.

Das jüdische Jahr richtet sich nach dem Mond. Es hat zwölf Monate und durchschnittliche 354 Tage. Alle zwei bis drei Jahre wird nach dem Adar ein zusätzlicher Monat „Adar II“ eingeschaltet, damit die Differenz zum Sonnenjahr ausgeglichen wird. Dadurch können die Juden ihre Feste in den passenden Jahreszeiten feiern. Die Tage beginnen jeweils mit dem Sonnenuntergang, denn im biblischen Schöpfungsbericht heißt es: „und es ward Abend, und es ward Morgen…“.

Das diesjährige Neujahrsfest schließt das zweite Jahr der Al Aksa-Intifada ab, die im September 2000 begonnen hat.

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