Abbas im israelischen Fernsehen: Messerattacken sind ein Fehler

JERUSALEM / RAMALLAH (inn) – Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas ist nach eigenen Angaben darum bemüht, die Messerattacken auf Juden zu stoppen. Von Israel wünscht er sich, dass es ihn testet und ihm mehr Verantwortung für die Sicherheit im Westjordanland überträgt.
Würde seinem Sohn nicht empfehlen, einen Messerangriff gegen Juden zu verüben: Mahmud Abbas
Die palästinensischen Sicherheitskräfte arbeiteten daran, Angriffe von Palästinensern auf Israelis zu beenden. Das hat der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, am Donnerstag gegenüber dem israelischen Fernsehsender „Kanal 2“ erklärt. Dabei sprach Abbas auch über die Sicherheitskooperation mit den israelischen Behörden, die von vielen Palästinensern als Zusammenarbeit mit dem Feind angesehen wird. „Unsere Sicherheitskräfte gehen in die Schulen und durchsuchen die Taschen der Schüler, um zu sehen, ob diese Messer bei sich haben“, erklärte Abbas laut der Tageszeitung „Yediot Aharonot“. In einer Schule hätten sie 70 Jungen und Mädchen mit Messern aufgegriffen. „Wir haben die Messer sichergestellt und den Schülern gesagt: ‚Das ist ein Fehler. Wir wollen nicht, dass ihr mordet und getötet werdet. Wir wollen, dass ihr lebt, und dass die andere Seite auch lebt“, so der Präsident weiter. Er müsse verrückt sein, seinem Sohn zu sagen, dass es das Richtige sei, einen Messerangriff zu verüben, fügte Abbas hinzu. Er versicherte, dass er gegen Blutvergießen und für Frieden sei. Dass er Beileidsbriefe an die Familien von Palästinensern schreibe, die während der Ausübung eines Anschlags getötet wurden, bedeute nicht, dass er den Terror unterstütze. „Ich möchte nicht, dass er ein Märtyrer wird. Ich möchte, dass er lebt. Aber wenn er gestorben ist, ist es vorbei. Ich weiß nicht, wohin er geht. Also lasst uns hierzu keine Abrechnungen aufmachen. Fragt euch selbst, warum ein 15-Jähriger ein Messer nimmt, weiß, dass er sterben wird, und trotzdem geht. Es ist, weil er keine Hoffnung hat.“

„Ja“ zu Treffen mit Netanjahu

Abbas ging auch auf den festgefahrenen Friedensprozess ein. Er habe Israels Premierminister Benjamin Netanjahu eine Zusammenkunft vorgeschlagen. „Ich werde ihn jederzeit treffen“, betonte Abbas. Nun sei der israelische Regierungschef am Zug. Aus dem Büro Netanjahus hieß es dazu, der Premier habe in den vergangenen Jahren selbst immer wieder erklärt, er sei ohne Vorbedingungen zu Gesprächen mit Abbas bereit. Der palästinensische Präsident sei derjenige, der dies immer abgelehnt habe. Sollte Israel ihm mehr Verantwortung für die Sicherheit im Westjordanland übertragen, so Abbas, und sollte Netanjahu versichern, dass er an die Zweistaatenlösung glaube, würde das den Palästinensern Hoffnung geben. „Niemand hat dann das Verlangen, loszugehen und jemanden zu erstechen oder zu erschießen“, sagte der palästinensische Präsident. Er setze jedoch weiter auf die Sicherheitskooperation mit Israel, denn ohne diese würde „eine blutige Intifada ausbrechen“. Die Armee solle jedoch ihre Einsätze in palästinensischen Städten der Zone A beenden und stattdessen die Sicherheitskräfte der PA damit betrauen, so wie vereinbart. „Gebt mir die Verantwortung für die palästinensischen Gebiete und probiert es mit mir für eine Woche aus. Wenn ich meiner Verantwortung nicht nachkommen, dann kommt zurück“, erklärte Abbas im Gespräch mit der israelischen Journalistin Ilana Dajan. Er wolle nicht ein Angestellter oder Agent Israels sein, sondern selbst tätig werden. (dn)

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