Wie die „Jerusalem Post“ unter Berufung auf PA-Vertreter berichtet, forderte Abbas eine umfassende und beiderseitige Feuerpause. Erst dann könnten Palästinenser und Israelis ihre Gespräche fortführen. Infolge der jüngsten israelischen Operation im Gazastreifen, bei der mehr als 100 Palästinenser getötet worden waren, habe er keine andere Wahl, als die Verhandlungen auszusetzen.
„Hamas könnte Kontrolle im Westjordanland übernehmen“
Abbas fügte hinzu, die Militäreinsätze unterminierten seine Glaubwürdigkeit bei den Palästinensern. Sie trieben noch mehr Menschen in die Arme der Hamas und anderer radikaler Gruppierungen. Auch könne seine Regierung in Ramallah die Kontrolle über das Westjordanland an die Hamas verlieren, wie es bereits im Gazastreifen geschehen ist. „Ich denke nicht, dass ich dem Druck widerstehen könnte, wenn die israelische Aggression weitergeht.“ Trotz aller Hindernisse sei er jedoch gegenüber einem Frieden und Verhandlungen als „strategische Entscheidung“ für die Palästinenser verpflichtet.
Vor Journalisten forderte der Fatah-Vorsitzende Israel auf, seine militärischen Aktionen einzustellen, „damit die für einen Erfolg der Verhandlungen nötige Atmosphäre entsteht“. Die Region erlebe gefährliche Entwicklungen, „die uns überhaupt nicht glücklich machen“. Der israelisch-arabische Konflikt könne nicht durch Gewalt gelöst werden, sondern nur durch Verhandlungen, die von der internationalen Gemeinschaft unterstützt würden. „Extremisten“ auf beiden Seiten versuchten, den Friedensprozess aufzuhalten. „Wir werden nicht zulassen, dass sie ihr Ziel erreichen.“
Rice und Bush zuversichtlich
Rice bekundete nach dem Gespräch mit Abbas ihre Zuversicht, dass beide Seiten bis zum Jahresende ein Friedensabkommen abschließen könnten. Ähnlich äußerte sich US-Präsident George W. Bush in Washington: „Dies ist ein Prozess, der immer zwei Schritte vorwärts und einen Schritt rückwärts macht“, sagte er nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. „Wir brauchen nur sicherzustellen, dass es nur ein Schritt zurück ist.“ Bis zum Ende seiner Amtszeit am 20. Januar 2009 bleibe noch genügend Zeit, um eine Vereinbarung zwischen Israelis und Palästinensern zu erreichen.
Rice traf sich nach ihrer Zusammenkunft mit Abbas in Jerusalem mit Israels Premier Ehud Olmert zu einem privaten Abendessen. Für den heutigen Mittwoch sind offizielle Gespräche mit israelischen Politikern geplant.