Trotz der Anordnung der Gruppierung, die im Juni die Macht im Gazastreifen übernommen hatte, trafen sich Fatah-Vertreter in mehreren Städten zum Gebet. In Dschabalija waren deshalb Dutzende Hamas-Sicherheitsleute mit und ohne Uniform in den Straßen stationiert. Sie gaben Schüsse in die Luft ab, um die Fatah-Mitglieder fernzuhalten. Außerdem schlugen sie mehrere Menschen und nahmen einen Mann fest. Das berichtet die Tageszeitung „Ha´aretz“ unter Berufung auf Augenzeugen. Nach Angaben von Rettungskräften wurden zwei Palästinenser ins Krankenhaus eingeliefert. Einer hatte eine Schussverletzung, der andere war geschlagen worden.
Journalisten bedroht
Die Sicherheitskräfte forderten Journalisten auf, nicht weiter zu filmen und sich zu entfernen. „Wenn eine einzige Aufnahme im Fernsehen erscheint, wissen Sie, was passieren wird“, sagte ein Sicherheitsbeamter den Reportern. Dabei deutete er mit der Hand eine Enthauptung an. Ein Sicherheitsvertreter versuchte, einem Photographen die Kamera wegzunehmen. Insgesamt wurden im Gazastreifen sieben Journalisten geschlagen und zwei in Gewahrsam genommen, teilten Augenzeugen und Reporter mit. Auch in Gaza-Stadt und in Rafah kam es zu gewaltsamen Zwischenfällen.
Abbas fordert Zurückhaltung
Vom Westjordanland aus rief der Fatah-Vorsitzende Mahmud Abbas die Anhänger seiner Fraktion zur Ruhe auf. „Wir bitten unsere Gottesdienstbesucher, jegliche Reiberei oder Konfrontation mit den Putschisten und ihren bewaffneten Milizen zu vermeiden. Sie werden sich nicht daran hindern lassen, die grauenhaftesten und unterdrückendsten Maßnahmen gegen Bürger zu ergreifen“, hieß es in seiner Mitteilung.
Ein Vertreter der abgesetzten Hamas-Regierung, Taher Nunu, der für die Koordination der Medienberichterstattung zuständig ist, sagte, er wolle sich des Problems der angegriffenen Journalisten annehmen.
Fatah-Mitglied ermordet
Ebenfalls am Freitag wurde ein früheres Mitglied einer einst von der Hamas gefürchteten Fatah-Sicherheitstruppe in Gaza erschossen aufgefunden. Ein Vertreter der palästinensischen Gruppierung machte die Hamas für den Tod von Tarasan Dughmusch verantwortlich. Dies wurde von einem Anhänger der Terrorvereinigung zurückgewiesen. Zuvor war Dughmusch mit seinem Bruder von Unbekannten verschleppt worden. Der Bruder befindet sich auf der Intensivstation.