BEIRUT / DAMASKUS (inn) – Die Hisbollah hat Fortschritte in der Spionage gemacht – dies berichtet die Tageszeitung „Ha´aretz“. Die Miliz hat unter anderem Gespräche abgehört, die über israelische Mobiltelefone geführt wurden und Pager-Nachrichten abgefangen.
Wenn etwa Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums oder Armee-Angehörige während des jüngsten Libanon-Krieges miteinander per Handy telefonierten, konnten Hisbollah-Kämpfer sie abhören. Die Miliz fing außerdem die Nachrichten ab, die auf israelische Pager geschickt wurden. Wenn beispielsweise über einen Bieper der Besuch des Stabschefs oder des Verteidigungsministers angekündigt wurde, bekam auch die Hisbollah diese Information.
Die Hisbollah-Kommandeure waren in der Lage, die Truppenbewegungen der israelischen Einheiten entlang der Grenze zu verfolgen. Auch der Überfall auf eine israelische Einheit am 12. Juli, bei dem acht Soldaten getötet wurden, war so möglich.
Israelische Offiziere wussten dies bereits vor dem Ausbruch des Krieges, berichtet „Ha´aretz“. Diese Information gab bereits der ehemalige Chef des Militärgeheimdienstes, General Aharon Se´evi-Farkasch, an den damaligen Premierminister Ariel Scharon weiter. Er warnte, dass die Hisbollah über die Pläne der Armee Bescheid wisse, wenn man nichts dagegen tue.
Die Hisbollah hat insgesamt Fortschritte auf dem Gebiet der Spionage gemacht, weil sie von syrischen und iranischen Geheimdiensten trainiert wurde. So errichtete sie geheime Wachposten entlang der Grenze, etwa in dem Ort Marun al-Ras. Diese Posten verwendeten moderne Technik, die meistens aus westlichen Ländern stammen. Die Hisbollah soll außerdem versucht haben, Spione in Israel einzusetzen.
Die Gruppe richtete außerdem ein Zentrum ein, das Informationen über Israel sammelt, die in der Öffentlichkeit verbreitet werden, wie etwa Berichte in den israelischen Medien. Dadurch kann die Gruppe die politische Lage und die öffentliche Meinung im Land besser einschätzen und daraufhin taktische Entscheidungen treffen. Israel betreibt diese Art des Nachrichtendienstes seit mehreren Jahren.