BEIRUT / NEW YORK (inn) – Die UN-Mission UNIFIL wird nicht versuchen, die Hisbollah-Miliz im Südlibanon zu entwaffnen. Dies stellte der französische Kommandeur der UN-Truppe, Generalmajor Alain Pellegrini, am Dienstag klar.
Es sei Angelegenheit des Libanon, sich mit der Hisbollah zu beschäftigen, so Pellegrini. Der Libanon müsse seine Armee im Süden des Landes aufstellen, um gegen die radikal-islamische Miliz vorzugehen. Er fügte hinzu, es sei dringend notwendig, das die 2.000 Personen umfassende UN-Truppe im Libanon aufgestockt werde, wie es die UN-Resolution 1701 verlangt.
Eine einzelne Tat, eine Provokation, könne den derzeitigen Waffenstillstand sabotieren und damit alles zunichte machen, warnte Pellegrini gegenüber der Nachrichtenagentur „Associated Press“. Die derzeitige Situation bezeichnete er als sehr zerbrechlich.
Der italienische Außenminister Massimo D’Alema drängte die libanesische Regierung am Montag dazu, „sofort zu handeln“ und ihre Armee im südlichen Libanon aufzustellen. Auch italienische Soldaten könnten sich an einer internationalen UN-Truppe beteiligen, fügte er hinzu. „Ich denke, wir sollten die internationale Truppe so bald wie möglich dorthin senden, denn dies ist die Bedingung der israelischen Armee für einen Rückzug“, sagte D’Alema bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem libanesischen Kollegen Fawsi Salluch.
Das israelische Verteidigungsministerium geht nach einem Bericht der Tageszeitung „Ha´aretz“ davon aus, dass der Libanon binnen 24 bis 48 Stunden damit beginnen werde, seine Truppen im Süden des Landes zu stationieren.
Aus dem libanesischen Verteidigungsministerium hieß es, der Libanon werde gegen Ende der Woche 15.000 Soldaten zum Fluss Litani entsenden. Von dort sollen sie weiter in den Süden marschieren. Doch sie würden nicht die Hisbollah entwaffnen, fügte der libanesische Verteidigungsminister Elias Murr hinzu. „Die Armee wird nicht in den Süden gehen und der Hisbollah die Waffen abnehmen und damit die Arbeit tun, die Israel nicht erledigt hat“, sagte Murr in einem Fernsehinterview.
UN-Generalsekretär Kofi Annan rief am Montag in einem Brief beide Parteien dazu auf, eine neue Eskalation zu verhindern. Weder Israel noch der Libanon sollten auf Angriffe der Gegenseite antworten, schrieb Annan in einem Brief an Israels Premier Ehud Olmert und den libanesischen Premier Fuad Saniora, „es sei denn, es ist eindeutig Selbstverteidigung gefordert“. Ob auch die Hisbollah eine Version des Briefes erhielt, ist nicht bekannt.
Die israelische Armee begann am Dienstagmorgen damit, die Truppen aus dem Südlibanon abzuziehen, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Am Montag trafen sich hochrangige Armee-Vertreter mit Beamten der UNIFIL-Mission am israelischen Grenzübergang Rosch HaNikra und berieten über die für Ende der Woche geplante Übergabe an die multinationale Truppe.
Hisbollah-Anhänger feuerten am Dienstagmorgen mindestens drei Mörsergranaten auf israelische Stellungen im Südlibanon ab. In Israel landeten keine Raketen mehr. Es gab keine Berichte über Verletzte.