JERUSALEM / LONDON (inn) – Israel hat die britische Rundfunkanstalt BBC beschuldigt, einseitig negativ über Israel zu berichten. Nach Angaben der Tageszeitung „Jerusalem Post“ erwägt die Regierung einen Boykott gegen die Journalisten des britischen Senders.
Die Berichte der BBC (British Broadcasting Corporation) über die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon seien „einseitig“, erklärte das israelische Außenministerium am Mittwoch. Eine denkbare Maßnahme wäre, den Reportern der BBC die Akkreditierungen zu entziehen.
Dies wäre das zweite Mal, dass Israel die britischen Journalisten boykottiert. Bereits von Juni bis November 2003 brach Israel jeden Kontakt mit der BBC ab. Grund waren Fernsehberichte, in denen Israel wiederholt kompromittierend dargestellt wurde. In einem Bericht wurde Israel auf eine Stufe mit totalitären Ländern wie dem Irak oder Iran gestellt.
Wieder empören sich israelische Vertreter über BBC-Beiträge. „Diese Berichte, die wir sehen, vermitteln den Eindruck, die BBC arbeite für die Hisbollah, anstatt redlichen Journalismus zu betreiben“, hieß es von hochrangigen Regierungsvertretern aus Jerusalem.
Der stellvertretende Sprecher des israelischen Außenministeriums, Gideon Meir, verwies auf eine Kolumne, die am 24. Juli in der Londoner „Times“ erschienen war. Darin stand, das BBC-Programm wirke, als sei es von Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah persönlich geschrieben worden.
Miri Eisen, die am 20. August Sprecherin von Ministerpräsident Ehud Olmert werden soll, nannte die BBC „das einzige englischsprachige Nachrichtenorgan, dass absolut feindselig gegenüber Israel auf jeder Ebene ist“. Noch in der ersten Woche der Kämpfe seien die BBC-Berichte ausgewogen gewesen, stellte Eisen fest. Danach habe der Sender seine Reporter von Haifa nach Beirut beordert, und seitdem berichte er ähnlich wie die arabischen Satellitensender „Al Dschasira“ und „Al Arabija“.
Oppositionsführer Benjamin Netanjahu sprach sich gegenüber der „Jerusalem Post“ gegen einen Boykott der BBC aus. Netanjahu verbrachte in dieser Woche fünf Tage in London und gab dabei auch mehrer Interviews der BBC.
Die BBC, die weltweit größte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, erklärte auf die Vorwürfe aus Israel: „Unsere Pflicht ist es, unabhängig über alle Seiten einer Story zu berichten und sie zu analysieren, damit unser Publikum einen Eindruck davon erhält, was in der Welt passiert. Es kann passieren, dass diese Berichte von der einen oder der anderen Seite einer Debatte missverstanden werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir diese Beschwerden nicht extrem ernst nehmen. Das tun wir.“