KAPSTADT (inn) – Südafrikas größte Handelsgesellschaft „Umbrella Organization“ hat die Regierung des Landes aufgefordert, die diplomatischen Beziehungen zu Israel einzustellen. Die Organisation selbst will die Handelsbeziehungen mit Israel auf Grund der „Gazastreifen-Politik“ abbrechen.
„Umbrella Organization“ zählt rund zwei Millionen Mitglieder aus Firmen in den Bereichen Gesundheitswesen, Agrarwirtschaft oder Ingenieurwesen.
Der Kongress des südafrikansichen Handelsgewerkschaftsverbands, „Cosatu“, betitelte Israel erst in dieser Woche als „Apartheidsstaat“. Er fordert zudem den Rückzug des südafrikanischen Botschafters aus Tel Aviv, einen Boykott israelischer Waren sowie generelle Sanktionen gegen Israel. Ein Handelsboykott könnte schwerwiegende Folgen für Südafrika haben, da Israel das Hauptziel südafrikanischer Exportgüter ist.
Fumanekile Gqiba, der südafrikanische Botschafter, hält sich derzeit nicht in Israel auf. Er ließ jedoch verlauten, dass er nicht die Absicht habe, die diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen.
Israel über Aussagen betroffen
Die Aussagen Südafrikas werden von Israel mit Betroffenheit aufgenommen. David Saks, nationaler Direktor des Ausschusses der südafrikanischen Vertreter in Israel, sieht die Aussagen der Gewerkschaft mit großer Sorge. „Wir glauben, dass sie eine extreme Form des Doppelstandards widerspiegelt, indem sie die zahlreichen Provokationen seitens der Palästinenser vollkommen ignoriert. Israel wird als militärischer Tyrann dargestellt. Diese Aussagen sind provokant und unfair.“ Israel als Apartheidsstaat zu betiteln sei eine „grausame Verzerrung der historischen Fakten und eine Beschimpfung des jüdischen Staates.“
Der israelische Botschafter in Südafrika, Ilan Baruch, betonte, dass bislang alle Versuche, einen Dialog mit „Cosatu“ zu eröffnen, gezeigt hätten, dass sie „kein grundlegendes Interesse an einem Dialog mit der Botschaft oder den israelischen Handelsorganisationen haben.“
Mitglieder von „Cosatu“ wussten nichts von den Vorwürfen
Die Mitglieder von „Cosatu“ zeigten sich unterdessen von den Äußerungen ihres Leiterstabs überrascht. „Es wurde nie über Streitpunkte bezüglich Israels mit uns gesprochen“, so der Leiter des südafrikanischen medizinischen Vereins, Letlape. Des Weiteren habe man ein „gesundes Arbeitsverhältnis mit den israelischen Kollegen“. Zudem gaben die Mitglieder zu bedenken, dass in einem demokratischen Unternehmen wie „Cosatu“ die Meinungen der Mitglieder angehört und berücksichtigt werden sollten, bevor Verlautbarungen bekanntgegeben werden, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“ am Mittwoch.