Fünf Frauen beschuldigen Katzav

JERUSALEM (inn) – Israels Oberstaatsanwalt Menachem Masus hat die Polizei am Dienstag dazu angewiesen, eine „vorläufige Untersuchung“ im Fall der Anschuldigungen gegen Staatspräsident Mosche Katzav einzuleiten. Mittlerweile behaupten fünf ehemalige Mitarbeiterinnen des Präsidenten, er habe sie – wenn auch meistens nur verbal – sexuell belästigt.

Die Geschichte, von der der Fernsehsender „Kanal 2“ am Samstagabend berichtete, zieht weiter Kreise. Oberstaatsanwalt Masus sagte, er habe die Entscheidung getroffen, nachdem er von Katzav einen Brief erhalten habe, in dem er zu den Anschuldigungen Stellung nimmt. Der Oberstaatsanwalt erklärte nicht genauer, was eine „vorläufige Untersuchung“ beinhalte, doch sollte danach entschieden werden, ob wegen möglicher Erpressung eine ordentliche Untersuchung eingeleitet wird.

Masus hatte sich zuvor mit dem Staatsanwalt Eran Shendar, dem stellvertretenden Oberstaatsanwalt Jehoschua Lemberger und dem Chef der Polizei-Abteilung für Untersuchungen Johanan Danino getroffen, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Alle hätten darin übereingestimmt, dass die Polizei den Fall untersuchen müsse.

Katzav schrieb in dem Brief an Masus, seiner Vermutung nach habe die erste Frau ihre Beschuldigungen erhoben „wegen ihrer schwierigen persönlichen Lage, wegen der Familie und ihrer psychischen und finanziellen Situation“. Katzav habe es abgelehnt, in dem Fall einen kriminellen Akt zu sehen und daher bei Masus keine offizielle Anklage erhoben, sondern ihn nur privat getroffen. Katzav betonte, die Frau habe zuvor nie Anklage wegen sexueller Belästigung erhoben, weder als sich die beiden während ihres Arbeitsverhältnisses getroffen hatten noch danach.

Mittlerweile erheben drei weitere Frauen ähnliche Anschuldigungen, berichtet die Tageszeitung „Ha´aretz“. Alle wollen anonym bleiben, und alle sagen, Katzav habe Bemerkungen mit eindeutig sexueller Konnotation gemacht. Wenn die Frauen nicht auf seine Forderungen eingingen, habe er seine Position als Chef ausgenutzt und einen harscheren Umgangston angeschlagen. Die daraus entstehende unangenehme Atmosphäre habe die Frauen dazu gedrängt, ihren Job zu kündigen.

Am Dienstag hatte eine zweite Frau in der Tageszeitung „Ma´ariv“ gesagt, Katzav habe sie in seiner Zeit als Verkehrsminister, also zwischen 1988 und 1992, belästigt. „Als ich im Büro des Ministers anfing, sagten mir die Frauen: ‚Mal sehen, ob du die ersten 100 Tage überstehst‘. Ich verstand das nicht, ich war unschuldig. Ich wusste nicht, dass sie das meinten, was dann folgte. Ich wusste nicht, dass das Verhalten des Ministers das bestgehütete Geheimnis des Systems ist.“

Eine andere Frau sagte, Katzav habe ihr Komplimente über ihr Aussehen gemacht. Einige der Bemerkungen hätten einen eindeutig sexuellen Bezug bekommen. Er habe sie auch zu Hause angerufen – „und bei diesen Unterhaltungen ging es nicht um Politik oder Sicherheit“, so die Frau.

Das Präsidialamt dementierte, dass die erhobenen Anschuldigungen wahr seien.

Manche politische Beobachter sehen darin eine Kampagne, die verhindern soll, dass Katzav nach seinem Ausscheiden Premierminister wird. Katzav, der im Jahr 2000 zum achten israelischen Staatspräsidenten gewählt wurde, scheidet im Juli 2007 regulär aus dem Amt aus. Einige Abgeordnete und Frauenorganisationen fordern nun, dass Katzav vorzeitig abtritt und einer Frau Platz macht. Die „Meretz“-Fraktion beschloss am Montag, eine weibliche Kandidatin für den Posten vorzuschlagen.

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