NABLUS (inn) – Bewaffnete Palästinenser haben am Samstag in Nablus einen jüdischen Studenten aus den USA entführt. Am Sonntag ließen sie ihn kurz nach Mitternacht unversehrt wieder frei.
Wie die Tageszeitung „Ha´aretz“ berichtet, studiert Benjamin Bright-Fishbein derzeit an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Zuvor hat er einige Zeit in Kairo verbracht. Er sei am Samstag als Tourist nach Nablus gefahren, weil er gehört habe, dass es ein schöner Ort sei, sagte der US-Amerikaner. Allerdings habe ihn niemand begleiten wollen.
Als er in einem Café eine Wasserpfeife rauchte, habe ihn ein bewaffneter Araber angestoßen, der sich Ahmed nannte. „Er nahm eine Pistole, eine Granate und ein Maschinengewehr“, so der Student, der Arabisch spricht. Dann sei er verschleppt worden.
Motiv: Gefangene freipressen
Die Entführer wollten palästinensische Häftlinge freipressen. Sie machten eine Videoaufnahme von ihrer Geisel. Dafür setzten sie dem amerikanischen Juden eine religiöse Kopfbedeckung auf. Er schaute in die Kamera und sagte: „Wenn die Gefangenen nicht befreit werden, werden sie mich hinrichten.“ Die Kassette ließen die Palästinenser der Nachrichtenagentur Reuters zukommen.
Als sie am Samstagabend die Nachricht von der Entführung erhalten hatten, machten sich israelische Truppen und palästinensische Sicherheitskräfte auf die Suche nach dem Studenten. Letztere arbeiteten dabei mit den Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden zusammen, die zur Fatah-Partei von Palästinenserchef Mahmud Abbas gehören. Nach Verhandlungen mit den Entführern wurde der Student freigelassen. „Wir brachten ihn zum Hawara-Checkpoint“, teilte der Sicherheitschef in Nablus, Rafa Roagbe, mit. Dort nahmen ihn die israelischen Sicherheitskräfte in Empfang.
„Entführer hatten Angst vor Sarkawis Schicksal“
Die israelischen Ermittler gehen davon aus, dass ein Grund für die schnelle Freilassung die Staatsbürgerschaft der Geisel war. „Offenbar wollten die Entführer nicht wie (der jordanische Terrorführer im Irak) Sarkawi enden“, sagte ein Sprecher. Am Ende habe er den Eindruck gewonnen, dass sie nicht wussten, was sie tun sollten, erzählte Bright-Fishbein. „Sie waren nicht organisiert.“
Der Student wurde von der Polizei verhört. „Es war ein Fehler, ein wirklich großer Fehler“, sagte die ehemalige Geisel. „Jetzt ist alles gut. Ich bin an einem sicheren Ort.“