JERUSALEM (inn) – Die Israelis haben gewählt: Laut ersten Prognosen geht der Likud von Regierungschef Benjamin Netanjahu als Sieger aus den Knessetwahlen hervor. Das zeigen die Prognosen dreier Sender. Demnach erlangt seine Partei zwischen 24 und 25 Sitze und verliert 7 oder 8.
Netanjahus Herausforderer Gadi Eisenkot kommt mit seiner Partei Jaschar auf den zweiten Platz mit 21 bis 23 Sitzen. Keiner der großen Parteienblöcke erlangt indes eine Mehrheit für eine Regierung.
Bemerkenswert ist das voraussichtliche Ergebnis der arabischen Parteien: Die Gemeinsame Liste kann ihr Ergebnis von 2022 verdoppeln und kommt auf 10 bis 11 Sitze. Ra’am fährt ebenfalls starke 7 Sitze ein (+3). Die Gemeinsame Liste besteht aus den Parteien Balad (Panarabismus), Chadasch (Sozialismus) und Ta’al (Säkular-Nationalistisch).
Koalition mit vier Mitgliedern möglich
Neben dem Likud trägt die Partei Jesch Atid von Jair Lapid die größten Verluste davon. Mit zehn Sitzen weniger kommt er nach Stand von Dienstagabend nur noch auf 14 Sitze. Der Oppositionsführer hatte sich für die Knessetwahl mit dem früheren Premier Naftali Bennett zusammengetan unter dem Namen BeJachad (Gemeinsam).
Eine Regierungskoalition wäre damit möglich zwischen Likud, Jaschar, BeJachad und Israel Beiteinu (7 bis 8 Sitze). Diese vier Listen kommen auf eine komfortable Mehrheit von etwa 68 Stimmen. Dem Eisenkot-Block fehlt auch mit Ra’am eine Mehrheit, politisch hat Eisenkot so eine Beteiligung ohnehin ausgeschlossen.
Ultra-Orthodoxe Parteien mit Dämpfer
Bei den ultra-orthodoxen Parteien kam das Vereinigte Tora-Judentum auf 6 (-1) bis 7 Sitze (wie 2022), während Schass gemäß zweier Prognosen fünf Sitze verliert und nur noch 6 Abgeordnete stellt. Insgesamt verfügen die Ultra-Orthodoxen damit nur noch über höchstens 14 statt bislang 18 Sitze – und haben damit weniger als die arabischen Parteien.
Die neue Partei „Die haredische Öffentlichkeit“ verpasst den Einzug in die Knesset. Sie hatte sich unter anderem stark gemacht, den Lehrplan für Ultra-Orthodoxe stärker auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes auszurichten.
Die Hürde von 3,25 Prozent aller Voraussicht nach ebenfalls nicht geschafft haben die Reservisten-Partei von Joas Hendel und „Dein Volk Israel“ von Ofer Winter. Auch die Partei „Israel zuerst“ der früheren Außenministerin Scharren Haskel gelingt der Einzug nicht.
Nach vorläufigen Zahlen war die Wahlbeteiligung sehr hoch. Bei Schließung der Wahllokale lag sie bei 77,7 Prozent. Werte dieser Größenordnung wurden zuletzt 1999 erreicht (damals 78,7 Prozent). (df)
5 Kommentare
Der israelische Zentrale Wahlausschuss hat erklärt, dass die offiziellen Ergebnisse der Wahl bis Mittwochabend bekanntgeben zu wollen.
Der Likud von Regierungschef Netanjahu bleibt voraussichtlich die stärkste Partei in Israel. Hoffentlich. Meine Ehefrau liebt Netanjahu.
Laut Jerusalem Post dürfte Netanjahus Block voraussichtlich rund 50 Sitze gewinnen, die Opposition hingegen 52 bis 53.
Die arabischen Parteien werden voraussichtlich zusammen 17 bis 18 Sitze erreichen.
Likud die stärkste Partei, das sagt doch aber noch nichts, es ist immernoch alles offen. Ich hätte es mir eindeutiger gewünscht. Das ist ja wie das Hornberger Schießen. 🙏🇮🇱
Diese Prognose ist ungefähr das,was man erwarten konnte. Man wird sehen, wie es mit den Stimmauszählungen weiter entwickeln wird.