NS-Waffen bei der Hisbollah entdeckt

Die israelische Armee stellt im Südlibanon mehr als 7500 Waffen sicher. Einige stammen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Auf einem Maschinengewehr sind noch Reichsadler und Hakenkreuz zu erkennen.
Von Israelnetz

BINT DSCHEBAIL (inn) – Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind bei Einsätzen der israelischen Armee im Südlibanon deutsche Waffen aus der NS-Zeit aufgetaucht. Darunter befinden sich ein Maschinengewehr vom Typ MG 34 sowie ein Sturmgewehr vom Typ MP 44. Auf dem Maschinengewehr sind nach Angaben des israelischen Militärs noch die damaligen Kennzeichnungen mit Reichsadler und Hakenkreuz zu erkennen.

Die Waffen gehören zu einem umfangreichen Arsenal, das israelische Einheiten seit Beginn der jüngsten Kämpfe Ende Februar sichergestellt haben. Nach Angaben der Armee wurden mehr als 7.500 Waffen und weitere militärische Ausrüstungsgegenstände zur Untersuchung und nachrichtendienstlichen Auswertung übergeben.

Herkunft der Waffen unklar

Das MG 34 wurde ab 1934 entwickelt und gehörte im Zweiten Weltkrieg zur Standardausrüstung der deutschen Wehrmacht. Auch die MP 44, später als Sturmgewehr 44 bekannt, wurde während der NS-Zeit für die Wehrmacht produziert.

Der israelische Reserveoffizier Idan Scharon-Kettler, der für die Untersuchung erbeuteter Waffen zuständig ist, hält es für möglich, dass die Hisbollah die historischen Waffen nicht allein aus militärischen Gründen aufbewahrte. Die NS-Kennzeichnungen könnten auch für Propaganda oder zur Stärkung der Moral genutzt worden sein. Belegen lässt sich diese Vermutung anhand der Stempel allein jedoch nicht.

Wie die Waffen in den Besitz der Hisbollah gelangten, ist ebenfalls offen. Deutsche Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg gelangten nach 1945 in verschiedene Länder des Nahen Ostens. Einen konkreten Zusammenhang zwischen den nun entdeckten Exemplaren und damaligen Waffenlieferungen gibt es bislang nicht. Dafür müssten unter anderem Seriennummern und mögliche Stationen in der Geschichte der Waffen untersucht werden.

Mehr als 7.500 Waffen sichergestellt

Das israelische Militär meldet umfangreiche Funde im Südlibanon. Dazu zählen neben mehr als 750 Handfeuerwaffen auch Munitionskisten, Mörsergranaten, Panzerabwehrraketen und Sprengstoffdrohnen. Hinzu kommen Tausende Ausrüstungsgegenstände, darunter Schutzwesten und militärische Ausrüstung.

Nach Darstellung israelischer Soldaten waren zahlreiche Waffen in zivil genutzten Gebäuden versteckt. Ein stellvertretender Kommandeur der Givati-Infanteriebrigade berichtete, dass bei einem Einsatz auch in einem Krankenhaus Kampfmittel gefunden worden seien.

Die Funde werfen zugleich Fragen zur Umsetzung der Vereinbarungen auf, nach denen die libanesische Armee die militärische Präsenz der Hisbollah südlich des Litani-Flusses zurückdrängen sollte. Scharon-Kettler sagte laut der Zeitung „Yediot Aharonot“, die Libanesen hätten ihre Aufgabe offenbar nicht vollständig erfüllt. Auch ein israelischer Bataillonskommandeur äußerte Zweifel, dass sich die Bedrohung durch die Hisbollah allein mit militärischen Erfolgen dauerhaft beseitigen lasse. Die Organisation könne ihre Ausrüstung erneuern und neue Waffensysteme einsetzen.

Ideologische Verbindungen zum NS-Regime

Der Waffenfund erinnert an die Zusammenarbeit des nationalsozialistischen Deutschlands mit arabischen Nationalisten während des Zweiten Weltkriegs. Eine zentrale Figur war der frühere Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini. Er lebte ab 1941 in Berlin, traf Adolf Hitler im November desselben Jahres und verbreitete über deutsche Rundfunksender antisemitische Propaganda in arabischer Sprache.

Auch versuchte das NS-Regime, antibritische Kräfte im Nahen Osten militärisch zu unterstützen. Der deutsche Diplomat Rudolf Rahn war 1941 an entsprechenden Aktivitäten in Syrien beteiligt. Ob die jetzt entdeckten Waffen auf damalige Lieferungen zurückgehen, ist nicht bekannt.

Aus der Historie lässt sich allerdings nur eine ideologische und keine direkte Verbindung zur Hisbollah ableiten. Die schiitisch-islamistische Organisation entstand erst 1982 im Libanon, mit Unterstützung des Iran. Auch ob die historischen Waffen für die Hisbollah einen ideologischen oder lediglich militärischen Wert hatten, bleibt offen. Entfernt haben die Terroristen die Nazi-Symbole allerdings nicht. (tko)

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