In Laubhütten sollt ihr wohnen sieben Tage. Alle Einheimischen in Israel sollen in Laubhütten wohnen, damit eure Generationen wissen, dass ich die Söhne Israel in Laubhütten habe wohnen lassen, als ich sie aus dem Land Ägypten herausführte. Ich bin der HERR, euer Gott.
3. Mose 23,42–43 (Elberfelder Bibel)
Auf Mozei Jom Kippur, den Ausgang des Versöhnungstages, folgt vier Tage später Sukkot. Die Zeitspanne dieser vier Tage wird in der jüdischen Tradition traditionell intensiv genutzt, um die Laubhütte, die Sukka, für das bevorstehende Fest aufzubauen. In diesem Jahr beginnt das einwöchige Fest am Freitagabend.
Unterschiedliche Auslegungen
Die Hauptmizva des Laubhüttenfestes ist der Bau einer Sukka, denn an Sukkot ist es Juden und Jüdinnen aufgetragen, sieben Tage lang in Hütten zu wohnen. Einige jüdische Weisen lehren, dass G´tt Sukkot für sie während ihrer Wüstenwanderung machte, G´tt habe den Israeliten richtige Hütten gegeben.
Bei anderen talmudischen Weisen wiederum heißt es, die Sukkot hätten aus „sieben Wolken der Herrlichkeit“ bestanden, in die der Allmächtige die Israeliten während ihrer Wüstenwanderung einhüllte, um sie zu schützen. Eine Wolke habe sich unter ihren Füßen befunden wie ein Teppich, eine über ihrem Kopf wie ein Dach, vier hätten sie an jeder Seite eingehüllt – und die siebte Wolke sei vor ihnen hergezogen, um ihnen den Weg durch das unwirtliche Gelände zu zeigen. Ganz Israel wohnte in einer Sukka aus Wolken der Herrlichkeit.
Der Begriff Sukka bezieht sich in erster Linie auf die Bedeckung der Laubhütte, das S‘chach. Beim Errichten und Dekorieren gilt es einiges zu beachten; es gibt drei Bedingungen, damit das S‘chach der Sukka gültig ist: Es muss aus einem Material hergestellt werden, das aus dem Boden wächst, vom Boden gelöst wurde und nicht rituell unrein werden kann.Das Dach muss aus abgeschnittenen Teilen von wachsenden Pflanzen bestehen, wie etwa Zweige, Bambusstäbe, Palmwedel, Schilf oder Stroh. Zu beachten ist, dass das Baumaterial organisch sein muss und zu keinem Zeitpunkt zuvor zu einem anderen Zweck verwendet wurde oder gar ein Gebrauchsgegenstand war.
Beim Errichten der Sukka muss zudem darauf geachtet werden, dass das S´chach nicht zu dicht ist. Auch wenn es mehr Schatten als Sonne spenden soll, muss das Dach nachts den Blick auf die Sterne freigeben. Dies erklärt, warum Bretter untersagt sind.
Gesetze nur für Dach der Laubhütte
Die strengen Gesetze über die Art der Materialien, die koscher sind, gelten nur für das Dach der Sukka. Die Wände können aus jedem Material bestehen. Die Laubhütte braucht mindestens drei, besser vier feste Wände, wobei eine der Wände auch die Hauswand sein kann.
Erlaubt ist fast jedes feste Material, ob Holz, Metall, Stoff oder auch feste Platten, alles, was windstabil ist. Wer Leinwand oder Tücher verwendet, muss sie fest und straff an das Gerüst binden, damit ein Windstoß sie nicht bauscht oder gar wegreißt. Tücher gelten nicht als Wände, wenn sie flattern! Beträgt der untere Abstand einer Wand zum Boden drei Handbreit, ist die Sukka ungeeignet.
Wird zuerst ein Gerüst errichtet, gefolgt vom Dach und zum Schluss die Wände, ist die Hütte ebenfalls nicht geeignet. Die Wände müssen stets vor dem S’chach errichtet werden, mit einer Ausnahme: Ist das Holz oder die Stangen des Gerüsts mindestens eine Hand breit, darf man das S’chach vor den Wänden anbringen.
Wurde das Dach vor den Wänden errichtet, kann man die Sukka dennoch tauglich machen: Man baut die Wände, hebt das S’chach hoch und senkt es wieder ab. Eine Hauswand kann als Wand miteinbezogen werden, unter Berücksichtigung strikter Vorgaben.
Festgelegte Maße Für Wände
Die Mindestanzahl der Wände, die für eine Sukka notwendig sind, beträgt drei mit einer Länge von sieben Tefachim Die Mindestmaße sind sieben Tefachim in der Länge, sieben Tefachim in der Breite und zehn in der Höhe.
Tefach ist eine altbiblische Maßeinheit für die Länge, die der Handbreite oder Handfläche entspricht. Sie beträgt nach genauer halachischer Auslegung meist circa 8–9,3 Zentimeter und somit einer Breite von vier nebeneinandergelegten Fingern. Bretter, die vier Tefachim breit sind, eignen sich nicht für eine Sukka, selbst wenn sie noch nie benutzt worden sind; denn sie ähneln wegen ihrer Breite der Decke eines Hauses.
Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!
Errichtet jemand eine Sukka unter einem Baum, dessen Äste die Hütte bedecken, ist sie selbst mit einem korrekten S’chach ungeeignet, denn die Äste gelten als Teil der Bedeckung. Da man das S’chach nur aus Material machen darf, das aus der Erde geholt wurde, ist die Sukka nicht vorschriftsmäßig. Eine vorgefertigte Sukka und Bambusmatten hingegen sind erlaubt.
Die Weisen lehnen übelriechendes Material als S’chach ab. Wir sollten auch keine Äste verwenden, deren Blätter leicht abfallen, weil sie die Sukka beschmutzen und der unangenehme faulige Geruch uns veranlassen könnte, die Laubhütte vorzeitig zu verlassen. Eine Matte aus Stielen oder aus Stroh, die speziell als S’chach angefertigt wurde, darf benutzt werden, selbst wenn sie auch für andere Zwecke verwendbar ist.
Schnell aufbaubar
Eine Sukka sollte schnell auf- und abgebaut werden können, denn trotz gebotenem Schutz soll ihre Beschaffenheit nicht am Weiterwandern hindern und den Menschen nicht von der Natur trennen. Die Sukka sollte so geräumig sein, dass man darin leben, essen und gesellig beisammen sitzen – auch mit Gästen, im Idealfall sogar in ihr schlafen kann.
Auch wenn sie nur eine vorübergehende Behausung ist, soll sie festlich sein, mit Früchten, bunten Papierketten, Fähnchen oder bunten Bändern geschmückt werden. Ihre Wände können mit Tüchern behangen werden, der Tisch in der Sukkah wird festlich gedeckt. Laternen mit farbig-transparenten Fenstern schenken eine schöne zusätzliche Beleuchtung zum Lichtschein der Feiertagskerzen.
Während der acht Tage des Festes darf das Deko-Material der Sukka nicht für andere Zwecke benutzen werden. Fällt etwas davon zu Boden, darf es nur unter bestimmten Vorrausetzungen wieder in der Sukka angebracht werden.
Juden und Jüdinnen sollten die Sukka möglichst selbst bauen. Bei Unsicherheiten sollten Gelehrte zu Rat gezogen werden, und dies solange es noch Tag ist, damit notwendige Korrekturen vor Beginn des Festes vorgenommen werden können.
Essen in der Laubhütte
Für acht Tage soll die Sukka unser offizielles Haus sein. Wir sind verpflichtet, ab Sonnenuntergang des 14. Tischrei bis zum Nachtanbruch des 22. Tischrei in der Sukka zu weilen. Es ist eine Mizva, alle Mahlzeiten in der Sukka einzunehmen. Vor dem Essen in der Sukka wird folgender Segensspruch gesprochen, wenn die Speisen Getreide enthalten:
Gesegnet seist Du, G´TT, unser G´tt, König des Universums, der uns durch Seine Gebote geheiligt und uns geboten hat, in der Sukka zu weilen.
Die Mizva, in der Sukka zu essen, wird traditionell von der ganzen Familie ausgeführt. Alle zeitgebundenen Mizvot wie etwa die Mahlzeiten betreffen nur Männer ab 13 Jahren. Mit der Bar Mizva, der religiösen Mündigkeit, gelten jüdische Jungen in ihren Gemeinden im Sinne des jüdischen Gesetzes als erwachsen und sind ebenfalls verpflichtet, in der Sukka zu essen. Bei Regen besteht diese Pflicht nicht.
Zeichen für G´ttes Liebe
Die „Wolken der Herrlichkeit“ sind jene Wolken, deren Sinn darin bestand, die Israeliten durch eine sichtbare Manifestation der g´ttlichen Gegenwart zu ehren. Wenn der Begriff „Wolken“ allein verwendet wird, bezieht er sich auf den Schutz der Israeliten vor dem rauen Wüstenklima und den Schutz vor gewalttätigen Angriffen. Die „sieben Wolken der Herrlichkeit“ waren ein Zeichen für die grenzenlose g´ttliche Liebe
Unsere Weisen sagten: „Ganz Israel ist würdig, in einer einzigen Sukka zu wohnen.“ Es heißt, eines Tages werde G´tt eine Sukka aus der Haut eines Leviathans machen. Dies bedeutet wörtlich „der sich Windende“ und bezeichnet ein riesiges, drachen- oder schlangenartiges Seeungeheuer. Alle Rechtschaffenen, welche die Mizva der Sukkah befolgt haben, würden darin wohnen. Die Kabbalisten sagen, dass die Sukka der Umarmung G´ttes ähnelt, wie es in dem Vers „Seine rechte Hand umarmt mich“ zum Ausdruck kommt.
Die Sukka erinnert uns an die „Wolken der Herrlichkeit“, die unsere „Vorfahren“ in der Wüste Sinai umgaben und schützten. Mit der Bereitschaft, für acht Tage unsere komfortablen Wohnungen zu verlassen, um in einer provisorischen Hütte zu wohnen, drücken wir unseren Glauben in G´tt und Sein Wohlwollen uns gegenüber aus.