Bar-Ilan-Universität sucht neue Partner in Deutschland

Ein Freundeskreis verbindet die israelische Bar-Ilan-Universität mit Akademikern in Deutschland. Die Initiative soll Partnerschaften in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft fördern und dazu beitragen, dass „die Welt zu einem besseren Ort wird“.
Von Israelnetz

Echte Freundschaft bewährt sich nicht bei Schönwetterlage. Sie bewährt sich in stürmischen Zeiten. Dieser Gedanke war Israels Botschafter Ron Prosor wichtig, als er ausgewählte Gäste in seiner Residenz in Berlin begrüßte. Aus der in der Nähe von Tel Aviv gelegenen israelischen Stadt Ramat Gan waren hochrangige Vertreter der Bar-Ilan-Universität angereist. Auf deutscher Seite waren neben Repräsentanten von Universitäten und Hochschulen Vertreter aus Industrie und Bundesministerien gekommen. Auch Bettina Martin (SPD), Wissenschafts- und Kulturministerin aus Mecklenburg-Vorpommern, war angereist, um hochkarätige Gesprächspartner aus Israel zu treffen.

Der feierliche Empfang in der Botschafterresidenz war Startschuss für die Gründung eines „Freundeskreises der Bar-Ilan-Universität in Deutschland“, wie Prosor zur Begrüßung sagte. Dies sei ein weiterer Ausdruck „der Stärke der israelischen Wissenschaft und der Tiefe der Beziehungen zu ihren deutschen Partnern“. Diese Beziehungen hätten nach dem Holocaust dazu beigetragen, den „Grundstein für die diplomatischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu legen, und sie entwickeln sich bis heute weiter“.

Prosor äußerte sich überzeugt, dass Europa gerade jetzt technologische Innovation, Kreativität und wegweisendes Denken brauche und dafür Partner suche: „Israel ist mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten der natürliche Partner für dieses Vorhaben. Deutschland versteht dies – anders als andere europäische Länder – sehr gut.“

„Gemeinsam positiven Einfluss auf Welt ausüben“

Der israelische Professor Arie Zaban, Präsident der Bar-Ilan-Universität, sagte: „Wir sind aus einem einzigen Grund hier: Wir wollen Kooperationen schaffen – und gemeinsam einen positiven Einfluss auf diese Welt ausüben. Wir glauben, dass wir Teil eines Ökosystems sind, das uns umgibt“.

Um innovative Ergebnisse in Wissenschaft und Forschung vielen Menschen nützlich und zugänglich zu machen, brauche es Partnerschaften: „Wir sind hier, um Menschen zusammenzubringen, uns zu vernetzen und gemeinsam daran zu arbeiten, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern in Deutschland aufbauen.“

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Im Zentrum der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern stehen den Angaben zufolge wegweisende Technologien in den Bereichen Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und fortschrittliche Halbleiter. „Auf diesen Gebieten hat die Bar-Ilan-Universität internationale Anerkennung erlangt“, erläuterte Botschafter Prosor, „sie ist mit 22.000 Studierenden die zweitgrößte Forschungsuniversität Israels und wächst zugleich am schnellsten.“

Heute gibt es in Ramat Gan und an weiteren Standorten zehn Fakultäten, 120 Forschungsinstitute und 24 Forschungszentren. Hohe internationale Standards bietet die Universität eigenen Angaben zufolge auch in den Bereichen Quantenphysik, Gesundheitstechnologien, nachhaltige Energie, Umwelttechnologien sowie Cyber- und Verteidigungstechnologien.

Religiös geprägte Wissenschaftstradition

An diesem besonderen Vernetzungsabend waren auch Vertreter aus Sozial- und Geisteswissenschaften anwesend. Kein Wunder: Denn die heute staatliche Bar-Ilan-Universität blickt auch auf eine stolze jüdisch-religionswissenschaftliche und ausdrücklich auf eine religiös geprägte Wissenschaftstradition zurück. Sie besitzt heute die weltweit größte akademische Einrichtung für die Erforschung des Judentums, der Bibel und des talmudischen Denkens.

Benannt wurde die Universität nach dem Rabbiner Meir Bar-Ilan (1880–1949, ursprünglicher Name: Meir Berlin). Vor dem Ersten Weltkrieg hatte er in Berlin orthodoxe Studien gelehrt. Während der Phase der Staatsgründung Israels kämpfte er leidenschaftlich für eine Bildungsstätte mit dualem Studienplan: mit weltlich-akademischen Angeboten wie auch religiösen Tora-Studien. So wurde die Universität 1955 zunächst als jüdisch-orthodoxe Universität gegründet. Nach dem Selbstverständnis dieser Hochschule war es aber von Beginn an kein Problem, dass hier säkulare Dozenten lehrten, wie etwa der marxistische Politikwissenschaftler Joseph Berger.

Während sich die Hochschule in den Folgejahrzehnten zunehmend auch technisch-naturwissenschaftlich profilierte, blieb sie nicht von heftigen politischen Disputen verschont. Zugleich war aber immer auch Weltoffenheit ein elementares Prinzip: 2019 schulte die Bar-Ilan-Universität irakische Sozialarbeiterinnen für die Behandlung von traumatisierten Überlebenden des Genozids an den Jesiden.

Neue Brücken bauen

Jil Meiteles ist leidenschaftliche Mit-Initiatorin des neuen Freundeskreises. Die in München geborene Ökonomin und Marketing-Expertin leitet seit knapp zwei Jahren das Büro für Europa-Kooperationen an der Universität: „Wir wollen etwas Neues aufbauen: Partnerschaften fördern, neue Kooperationen anstoßen und neue Brücken zwischen Deutschland und Israel bauen.“

Foto: Israelnetz/Christoph Irion
Die in München geborene Ökonomin Jil Meiteles will Partnerschaften in Deutschland fördern

Im Gespräch macht sie keinen Hehl aus der herausfordernden Lage, die sich in ihren Gesprächen seit dem terroristischen Hamas-Angriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 ergeben hat: „Antisemitismus und Feindseligkeiten sind für viele Juden in Europa und Deutschland an der Tagesordnung. Mit mir kann man jederzeit auch kritische Punkte ansprechen. Als Enkelin von Holocaust-Überlebenden weiß ich aber vor allem, worauf es ankommt: Ich will gemeinsam mit anderen kritisch, aber immer auch konstruktiv und kooperativ für eine bessere Welt arbeiten.“

Von: Christoph Irion

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4 Kommentare

  1. Ich denke, dass es in Deutschland noch Gegenden gibt, in der die Partnerschaft besser geeignet ist mit Israel als in der „kriminellen“ Hauptstadt Berlin. Die dortigen Universitäten sind geprägt von Judenhass und Islamisierung. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, vielleicht auch in Niedersachsen, sehe ich mehr Chancen auf Kooperation.

  2. Bar-Ilan-Universität sucht neue Partner in Deutschland. Schwierig, denn wie Ökonomin Jil Meiteles sagt: „Antisemitismus und Feindseligkeiten sind für viele Juden (in den Universitäten) in Deutschland an der Tagesordnung“.

  3. Dass die Bar-Ilan-Universität einen Partner in Deutschland sucht ist gut. Ich hoffe, dass diese Idee realisiert wird. Ich wollte als Grundschülerin Zahnärztin werden. Daraus ist nichts geworden.

  4. Diese Partnerschaft ist eine gute Sache, für beide Seiten. Wenn kluge Menschen voll guten Willens zusammenkommen, kann eigentlich nichts schiefgehen. Bitte nicht schlechtreden !

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