JERUSALEM (inn) – Der Angriff auf eine französische Nonne in der Jerusalemer Altstadt sorgte Ende April für weltweite Empörung. Das Jerusalemer Magistratsgericht hat bei dem Täter nun eine psychische Krankheit festgestellt. Die Richter verfügten am Mittwoch im Anschluss an ein medizinisches Gutachten, dass er für bis zu sechs Jahre in eine Psychiatrie kommt.
Den Vorfall vom 28. April hatte eine Überwachungskamera festgehalten. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie eine Person nahe des Abendmahlssaals auf dem Zionsberg von hinten auf die Nonne zurennt und sie umstößt. Sie fällt dabei mit dem Gesicht auf eine Erhebung aus Stein und bleibt benommen liegen. Der Täter entfernt sich kurz, kehrt dann aber um und tritt die Nonne mit den Füßen. Passanten versuchen, einzugreifen.
BREAKING: A Christian nun was attacked in the old city of Jerusalem by a Jewish extremist.
— Hananya Naftali (@HananyaNaftali) May 1, 2026
As a Jew living in Israel, I strongly condemn this disgusting crime. I commend the police that arrested the criminal and I hope he will pay the highest price.
Most people in Israel are… pic.twitter.com/zaMVBc5omQ
Schizophrenie festgestellt
Die Polizei nahm infolge ihrer Ermittlungen den 36-jährigen Jona Schreiber aus der Siedlung Peduel fest. Sie betonte, dass sie derlei Angriffe mit größter Ernsthaftigkeit verfolge und eine Null-Toleranz-Politik bei Gewaltakten anwende. „In einer für Juden, Christen und Muslime heiligen Stadt bleiben wir dem Schutz aller Gemeinschaften verpflichtet.“
Die Staatsanwaltschaft erhob Anfang Mai Anklage gegen Schreiber. Ein staatlicher Psychiater stellte in einem Gutachten fest, dass Schreiber schizophren ist. Er sei sich seiner Krankheit nicht bewusst und könne seine Taten weder verstehen noch kontrollieren.
Das Urteil von bis zu sechs Jahren Psychiatrie ist laut „Jerusalem Post“ das höchste Strafmaß hinsichtlich der Anklagepunkte. Schreiber kann indes auch früher entlassen werden, wenn Gutachter zu dem Schluss kommen, dass dies sein Zustand zulässt.
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Zweifel an Gutachten
Schreibers Anwalt erklärte nach dem Urteilsspruch: „Uns ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir die gemischten Gefühle der Klägerin verstehen. Wir wünschen ihr alles Gute bei der Überwindung der Folgen dieses unglücklichen Vorfalls.“
Der Anwalt der 48-jährigen Nonne, die an der Französischen Biblischen und Archäologischen Schule Jerusalem (EBAF) forscht, meldete Zweifel an dem psychischen Gutachten an. Schreiber sei gezielt auf seine Mandantin zugelaufen, andere Personen in der Nähe habe er nicht angegriffen. Am Ende des Prozesses stellte er jedoch gemeinsam mit der Verteidigung einen Antrag auf Strafbefreiung und erklärte, er respektiere das Urteil.
Der Vorfall hat auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil es zuletzt vermehrt Angriffe von Juden auf Christen gegeben hatte. Die israelische Regierung verurteilte die Tat umgehend. Diese stehe den Werten des Zusammenlebens und der religiösen Freiheit entgegen, auf denen Israel gegründet sei. (df)
3 Kommentare
Das Gericht hält den Mann für schuldunfähig. Ein gutes Urteil.
Wieso?
Menschen mit psychischen Erkrankungen sind nicht generell gewalttätiger als Menschen ohne psychische Erkrankungen. Nur müssen psychische Erkrankungen zeitnah festgestellt und behandelt werden. Und das ist ein Problem, in welchen Ländern auch immer. Mir kommt es aber manchmal so vor, als hätten wir besonders viele solcher psychisch Kranken. Bei politisch radikalisierten Taten leidet jeder fünfte Täter zum Tatzeitpunkt an einer psychischen Erkrankung. In Israel habe ich weniger davon gehört, meistens redet man da von Terrorismus. Würde mich interessieren, ob Schreiber jemals auffällig war oder bekam er gar eine Behandlung? Schizophrenie entsteht kaum über Nacht. Er muss auf jeden Fall aus dem Verkehr gezogen werden.