NABLUS (inn) – Die israelische Armee hat am Mittwoch begonnen, einen von radikalen Siedlern errichteten illegalen Außenposten im palästinensischen Dorf Kusra zu räumen. Er hindert zwei palästinensische Familien seit Sonntag daran, ihr Haus zu verlassen. Weiterhin kündigte die Armee disziplinarische Maßnahmen gegen jene Soldaten an, die in den Tagen zuvor zwar zu dem Posten fuhren, jedoch nichts unternahmen, um den Familien zu helfen.
Widerstand gegen Räumung
Während der Räumung soll es Augenzeugenberichten zufolge zu heftigen Zusammenstößen gekommen sein. Unter anderem setzten Sicherheitskräfte Tränengas gegen die Siedler ein und beschlagnahmten ihre Fahrzeuge, berichtete die israelische Nachrichtenseite „Times of Israel“ am Mittwoch.
Siedler von anderen Außenposten blockierten die Straße mit Steinen, um die Sicherheitskräfte an der Räumung hindern. Bislang mit Erfolg: Gegen Mittag zogen die Soldaten wieder ab. Es sei ihnen zwar gelungen, einen Teil des Außenpostens abzubauen, jedoch nicht, die Siedler von dort zu vertreiben. Derzeit warte die Armee auf das Eintreffen der Grenzpolizei, die die Siedler entfernen soll.
Indes suchten Vertreter der Armee bekannte Siedlerstützpunkte auf und sprachen „ernsthaft“ über die „Handlungen von Zivilisten“ zum Schaden der palästinensischen Familie. Auch habe sie eine Reihe von nicht näher bekannten Maßnahmen beschlossen, schrieb „Times of Israel“.
Palästinensische Familie von radikalen Siedlern belagert
Am Dienstag erklärte die Armee das Gebiet um Kusra zur militärischen Sperrzone. Dadurch wird der Zutritt für Nicht-Anwohner erheblich eingeschränkt. Die Anordnung sei erlassen worden, um „illegale, verwerfliche und inakzeptable“ Handlungen gegen die palästinensischen Bewohner zu unterbinden, erklärten die Behörden.
Radikale Siedler hatten den Außenposten am Sonntag aufgebaut. Zudem schnitten sie laut „Times of Israel“ die elektrischen Leitungen zu den beiden belagerten Häusern durch.
Einen am Montag herbeigerufenen Rettungswagen des Palästinensischen Roten Halbmonds ließen die Extremisten zunächst nicht durch, obwohl eines der Kinder medizinische Hilfe benötigte. Erst einen Tag später durften die Sanitäter zur Familie. Sie nahmen neben dem kranken Kind auch Mutter und Schwester mit.
Bennett: Verwaltungshaft von Siedlern einführen
Unterdessen hat der ehemalige Premierminister Naftali Bennett (Zusammen) die gewaltbereiten Siedler scharf verurteilt. Er forderte die Wiedereinführung der Verwaltungshaft für „jüdische Terroristen“ im Westjordanland.
Während der Verwaltungshaft können Personen bis zu sechs Monate ohne Anklage festgehalten werden. Sie kann danach immer weiter verlängert werden. Zumeist wird sie gegen palästinensische Terrorverdächtige verhängt, in der Vergangenheit wurden aber auch extremistische Siedler auf unbestimmte Zeit festgehalten. Im November 2024 schaffte Verteidigungsminister Israel Katz (Likud) sie für jüdische Häftlinge jedoch ab.
In einer Stellungnahme sagte Bennett: „Es gibt 550.000 Israelis in Judäa und Samaria, die große Mehrheit von ihnen ist gesetzestreu. Sie dienen als Reservisten und zahlen Steuern.“ Doch die Minderheit, die Gesetze breche, solle „mit strenger Hand“ verfolgt werden.
In der ersten Jahreshälfte ist die Siedlergewalt im Vergleich zum Vorjahr um 63 Prozent gestiegen, berichtete die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt „Kan 11“ am Montag unter Berufung auf Sicherheitskräfte. Auch die Angriffe auf israelische Sicherheitskräfte stiegen um 50 Prozent. (mw)
2 Kommentare
Extremistische Siedler belagern zwei palästinensische Familien. Die israelische Armee handelt und hilft den Palästinensern.
Wenn ich richtig informiert bin, dann sind diese Palästinenser Christen und keine Moslems.
Ich habe von diesem Thema bei Vatican News und anderen katholischen Medien gelesen. Dort wurden diese Palästinenser ausdrücklich als Christen bezeichnet. Liebe Grüße