Meinung

Der verdeckte Krieg gegen den Iran und der abrupte Friedensschluss

Warum Iraner für den Mossad spionieren, Israel im Kampf gegen den Iran auf die USA angewiesen ist und warum Experten im Agieren von US-Präsident Trump eine „Katastrophe“ sehen, beleuchtet eine sehenswerte ZDF-Dokumentation. Eine Filmkritik
Von Jörn Schumacher

Iranische Bürger laufen zum Erzfeind Israel über und arbeiten für den Mossad; Israel versucht mit Hilfe der USA das Atomwaffenprogramm des Iran zu stoppen, und US-Präsident Donald Trump (Republikaner) schafft einen Frieden mit dem Iran, der mehr Unsicherheit geschaffen hat als zuvor. Das ist zusammengefasst der Bogen, den die sehenswerte Dokumentation „Im Schatten des Krieges – Der geheime Einsatz des Mossad im Iran“ in drei Folgen spannt.

Die deutsche Produktionsfirma “beetz brothers film production” legt mit der Dokumentation für die Reihe „ZDFfrontal“ eine interessante Darstellung der Ereignisse im Iran der Jahre 2025 und 2026 vor. Bereits mit der Serie „Operation Apollo – Die Pager-Attacke des Mossad“ dokumentierte die Produktionsfirma im vergangenen Jahr auf sehenswerte Weise die Geschehnisse rund um die spektakuläre Pager-Operation gegen führende Hisbollah-Mitglieder im Libanon.

Im ersten Teil der aktuellen Produktion („Hinter feindlichen Linien“) machen die Filmemacher zunächst deutlich, aus welchen Motiven Iraner bereit sind, für den Mossad zu arbeiten. Der ehemalige Kommandeur der israelischen Geheimdiensteinheit 8200, Asaf Kochan, erklärt, dass es überraschend einfach sei, im Iran Menschen zu finden, die bereit sind, für Israel zu arbeiten – selbst wenn dieses Land stets als der wichtigste Feind dargestellt wird. Die israelische Einheit 8200 bezeichnet er selbst als „Israels NSA“.

Ein iranischer Mossad-Agent berichtet von seinen Motiven: Seine 17-jährige Schwester sei eines Tages vom iranischen Regime festgenommen worden, weil sie keinen Hidschab trug. „Ich habe die Seite gewechselt“, sagt der junge Mann, der selbstverständlich anonym bleiben will.

Terror gegen Israel und Menschenrechtsverletzungen

„Die schiitische Regierung finanziert mit Milliardenbeträgen ausländische Terrorgruppen wie Hisbollah oder Hamas“, klärt der Film weiter auf. Der deutsche Journalist Michel Abdollahi sagt über die iranische Führung: „Wir wissen, dass sie so viele Menschen hinrichtet wie kein anderes Land.“ Außerdem machen verschiedene Experten klar, dass ein wichtiger Antrieb der iranischen Führung in allem, was sie tut, der Wunsch nach der Vernichtung des Staates Israel sei.

Der ehemalige Mossad-Abteilungsleiter Oded Eliam sagt im Film: Das Ziel der iranischen Regierung sei es nicht, das Land oder die Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern. „Ihr Ziel ist es, den Staat Israel von der Erde zu vertilgen.“ Der deutsche Terror-Experte Hans-Jakob Schindler fügt hinzu: „Jeder Offizielle muss quasi in irgendeiner Rede irgendwann auch einmal zum Tode Israels aufrufen – egal, um welches Thema es sonst geht.“

Foto: © beetz brothers film production / ZDF
Farhan protestierte im Januar gegen die Mullahs und wurde von zahlreichen Schrotkugeln getroffen. Er konnte das Land verlassen.

Die Dokumentation erklärt auch darüber auf, dass der Westen seit Jahrzehnten versuchte, mittels Verträgen und Abkommen Frieden mit dem Iran zu erreichen und den Terror sowie den Atombombenbau zu stoppen. „Doch all das Geld, das aufgrund der Sanktionserleichterung in den Iran geflossen ist, wurde eben nicht für den Aufbau der iranischen Wirtschaft genutzt, sondern eben auch zu einem weiteren Vorantreiben der Waffensysteme des Irans“, merkt Terror-Experte Schindler an.

Der Journalist Ronen Bergmann berichtet zudem von den israelischen Maßnahmen, um das Atomwaffenprogramm des Iran zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen: Der Mossad wollte Ausrüstungen manipulieren, Lieferungen sabotieren, die Regierung finanziell erpressen, international diplomatischen Druck ausüben und führende Wissenschaftler ermorden. Der frühere US-Sicherheitsberater John Bolton fügt hinzu: „Nach dem 7. Oktober sahen sich die Israelis einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt.“ Das habe zu der Überzeugung geführt, dass es der einzige gangbare Weg der sei, das Regime in Teheran zu stürzen.

Viel zu früher Waffenstillstand

Die zweite Folge der Dokumentation („Auf dem Sprung“) geht näher auf einzelne Operationen Israels gegen iranische Atomanlagen ein. Zudem thematisiert sie die militärischen Gegenschläge des Iran gegen Israel. Schindler: „Die Israelis können 99 Prozent von dem, was die USA können, sie können aber eine Sache nicht: Sie können nicht die im Inneren eines Berges liegende Nuklearanlage zerstören, es sei denn, sie nutzten ihre eigenen Nuklearwaffen.“ Deshalb sei früh klar gewesen, dass Israel die Unterstützung aus den USA benötigte. Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) habe Trump davon überzeugen können, die drei wichtigsten Nuklearanlagen des Iran zu bombardieren – das geschah bekanntlich am 22. Juni 2025.

Doch der abrupt ausgerufene Waffenstillstand habe viele Menschen verstört – sowohl in der israelischen Führung, als auch in der iranischen Bevölkerung. Denn das Leben sei nach Kriegsende eher sogar noch schlimmer geworden, berichten Iraner vor der Kamera. Auch die iranische Wirtschaft befand sich in einer tiefen Krise.

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In Folge 3 schließlich („In der Falle“) gehen Experten näher auf die negativen Folgen der Waffenruhe ein, die aus Sicht Israels viel zu früh vonseiten der USA ausgerufen worden sei. Das Regime in Teheran erstickte die Aufstände auf der Straße mit noch größerer Brutalität, berichten Regimegegner aus dem Iran.

Der Terror-Experte Schindler fügt hinzu: „Das Regime hat klar gemacht: Ab jetzt ist nur noch reine Gewalt unser Machterhalt, und wer sich dagegen auflehnt, stirbt sofort.“ Demonstranten erzählen von den brutalen Maßnahmen des Teheraner Regimes; Verletzte hätten nicht ins Krankenhaus oder zum Arzt gehen können: „Es hatte sich herumgesprochen, dass sie kommen und einen aus nächster Nähe erschießen, wenn man ins Krankenhaus geht.“

Eskalation vorhersehbar

Ulrike Franke vom Europäischen Rat für Außenbeziehungen (ECFR) betont: „Jeder Militärexperte wusste oder hat vorhergesehen, dass der Iran mit dieser Eskalation reagieren würde, nämlich mit dem Angriff auf die Golfstaaten einerseits sowie mit der Schließung der Straße von Hormus.“

Sie kritisiert, dass der US-Präsident derzeit einen „Selbstmord einer Weltmacht“ betreibe: „Trump zerlegt und zerstört die Elemente, auf die der Weltmachtstatus der USA basiert. Wenn dieser Krieg jetzt so zu Ende geht, dann hätten de facto die Vereinigten Staaten und Israel unglaublich viel Geld ausgegeben, wahnsinnig viel Militär-Equipment eingesetzt, zahlreiche Menschen getötet und das Funktionieren der Golfstaaten mindestens mittelfristig infrage gestellt, um am Ende in eine Situation zu kommen, in der der Iran weiter nukleare Möglichkeiten hat.“ Das sei, zusammengefasst, eine „Katastrophe“.

Die Dokumentation kann wesentlich dazu beitragen, Israels Handeln auf der Weltbühne und im Geheimen besser zu verstehen. Ähnlich wie bereits in „Operation Apollo“ 2025 sollen hier nachgestellte Szenen und computeranimierte Sequenzen die Dokumentation etwas spannender machen; das gleitet aber zum Glück nicht allzu sehr ins Reißerische ab.

„Im Schatten des Krieges – Der geheime Einsatz des Mossad im Iran“, 3 Folgen, jeweils 20 Minuten. Ab 21.07.2026 um 21 Uhr im ZDF, seit 20.07.2026 im ZDF Streaming Portal, Buch und Regie: Marcus Weller

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